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Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931

Bibliographic data

fullscreen: Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Heimat
Subtitle:
Vorarlberger Monatshefte
Place of publication:
Innsbruck
Publisher:
Heimat-Verl.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz408015381
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931
Year of publication:
1931-01-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz408015381_1931

Section

Structure type:
Section
Title:
Heft 5

Article

Structure type:
Article
Author:
Pichler, Adolf
Title:
Der alte Bartl (Fortsetzung)
People involved:
Pichler, Adolf

Contents

Table of contents

  • Heimat
  • Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931
  • Title page
  • Contents
  • Heft 1
  • Heft 2
  • Heft 3
  • Heft 4
  • Heft 5
  • Title page
  • Contents
  • Die Waldgeschichte Vorarlbergs (Schluß)
  • Albert Bechtold
  • Der alte Bartl (Fortsetzung)
  • Bücherschau
  • Heft 6 und 7
  • Heft 8
  • Heft 9
  • Heft 10
  • Heft 11
  • Heft 12

Full text

138 ihn nicht mehr", sagte er halblaut, kroch in den Graben, warf seinen zerlumpten Mantel weg und hüllte sich mit der Empfindung seltenen Behagens in den Pelz. Seine Kameraden gingen vorwärts. Als sie im Schneegestöber ver- 
schwnnden waren, sprengten heulend einige Kosaken, welche Nachzüglern auf- 
lauerten, 
gegen ihn los, eine Lanze fuhr ihm zwischen Arm und Brust durch 
und 
riß 
ihn 
nieder. Die Unholde sprangen vom Pferd; schneller als man eine 
Kartoffel 
schält, hatten sie ihm die Kleider abgerissen. Dann hängte ihn einer 
nackt 
mit 
einem 
Lederriemen an den Bauchgurt des Rosses, ein anderer stieß 
ihm 
mit 
dem 
Lanzenschaft in die Weichen, ein dritter hieb ihm mit der Knute 
über 
den 
Rückeu, 
daß 
sein Blut in den Schnee floß. So jagten sie ihn vor- 
wärts, 
daß 
ihm 
der 
Atem stockte. Sie erreichten ein Städtchen, dort wurde 
er 
in 
die 
Kirche 
geworfen; 
sie war bereits zum Erdrücken mit Gefangenen 
vollgepfropft, 
fast 
alle 
nackt, 
blutig und zerfleischt. Auf dem Boden lagen 
Sterbende. 
Wohl 
denen, 
über 
deren Antlitz das tolle Lachen des Wahnsinns 
flog! 
Schmerzgeheul, 
wilde 
Flüche, Gotteslästerungen erfüllten den Raum, 
wo 
sonst 
eine 
fromme 
Gemeinde 
ihre 
Lieder sang und der Priester betete. 
In 
einem 
Winkel 
kauerte 
ein 
Mann, 
Bart und Haar mit Blut zu einem 
Klumpen 
gefroren; 
in 
schmählicher 
Wut 
spuckte er zum Himmel: „Körmf ich 
dich 
ins 
Gesicht 
treffen, 
du 
Teufel 
dort 
droben, 
du lachst und jubelst mit den 
Engeln 
und 
lässest 
uns 
hier 
zugrunde 
gehen. 
Was hab' ich verbrochen, daß 
ich 
so 
leiden 
muß?" 
Bartls 
Seele 
erfüllte 
Grauen, 
auch 
er 
verzagte 
an Gottes Gerechtigkeit 
und 
Liebe; 
konnte 
er 
nicht 
Frevler 
und 
Schuldlose 
durch 
seine Boten trennen 
lassen? 
War 
seine 
Wunderkraft 
erschlafft 
und 
die 
Heilige 
Schrift eine Lüge? 
Wo 
gab 
es 
eine 
solche 
Fülle 
von 
Schmerz, 
Jammer 
und 
Elend als hier, 
wo 
zwanzig 
verschiedene 
Sprachen 
aus 
der 
Hölle 
des 
Daseins 
um Erlösung 
schrien? 
— 
„Deine 
Zweifel 
sind 
eine 
Sünde 
gegen 
den 
Heiligen 
Geist", rief 
sein 
Gewissen, 
„eine 
Sünde, 
für 
welche 
es 
weder 
in 
diesem 
noch 
in 
jenem 
Leben 
eine 
Verzeihung 
gibt. 
Weh, 
wenn 
die 
ewige 
Qual 
schon 
hier 
begönne!" 
— 
Er 
preßte 
die 
Hände 
an 
die 
Stirn, 
sein 
Sinn 
wollte 
schwinden. 
Da 
flog 
die 
Tür 
auf, 
Kosaken 
sprangen 
grinsend 
herein 
und 
peitschten 
die 
Gefangenen 
mit 
dem 
Kantschu 
auf 
den 
Friedhof 
hinaus. 
Dort 
hielt 
ein 
Offizier 
zu 
Roß; 
er 
rief: 
„Die 
Deutschen 
marsch 
in 
jene 
Ecke!" 
Bartl 
dachte: 
Da 
wird 
man 
uns 
umbringen 
und 
einscharren! 
Die 
anwesenden 
Deutschen, 
etwa 
5 
bis 
6, 
gehorchten 
mit 
stummer 
Gleichgiltigkeit 
dem 
Befehle. 
Die 
anderen, 
Fran- 
zosen 
und 
Welsche, 
wurden 
in 
die 
Kirche 
zurückgejagt. 
„Ihr 
seid 
Deutsche?" 
fragte 
ein 
Offizier. 
Alle 
bejahten 
es, 
Bartl 
rief: 
„Ich 
bin 
halt 
eigentlich 
ein 
Tiroler!" 
Der 
Offizier 
verzog 
den 
Mund: 
„Hast 
du 
1809 
gegen 
die 
Franzosen 
ge- 
fochten?" 
„Ja 
freilich, 
und 
manchen 
erschossen!" 
„Warum 
ziehst 
du 
jetzt 
mit 
ihnen 
gegen 
uns?" 
„Ja 
weißt 
wohl, 
wenn 
du 
mußt! 
Der 
König 
hat 
uns 
hergesprengt." hergesprengt."
	        

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