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Rheticus 2000

Bibliographic data

fullscreen: Rheticus 2000

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Rheticus
Subtitle:
Vierteljahresschrift der Rheticus-Gesellschaft
Place of publication:
Feldkirch
Publisher:
Rheticus-Ges.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407605185
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Rheticus 2000
Year of publication:
2000-01-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407605185_2000

Section

Structure type:
Section
Title:
Jahrgang 22, Heft 3 (2000)

Article

Structure type:
Article
Author:
Wanner, Gerhard
Title:
Behindertenarbeit in Vorarlberg und die Lebenshilfe - vom Staat zu privat
People involved:
Wanner, Gerhard

Contents

Table of contents

  • Rheticus
  • Rheticus 2000
  • Jahrgang 22, Heft 1 (2000)
  • Jahrgang 22, Heft 2 (2000)
  • Jahrgang 22, Heft 3 (2000)
  • Title page
  • Behindertenarbeit in Vorarlberg und die Lebenshilfe - vom Staat zu privat
  • Die Lebenshilfe heute
  • Chronik
  • Zur Bedeutung historischer Interviews für die Geschichtswissenschaft
  • Persönlichkeiten
  • Literaturverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Jahrgang 22, Heft 4 (2000)

Full text

zwei Vertragspartnern verfolgt ebenso eine klare Absicht wie ein neuzeitlicher 
Bericht über die sogenannte Entdeckung der amerikanischen Kontinente. 
Geschichte ist nie im naturwissenschaftlichen Sinne objektiv, sondern der 
Zugang auf sie ist durch biographische, familiale, soziale und ideologische 
Muster gefiltert. Gerade dieser sogenannte subjektive Faktor ist jedoch eine 
unabdingbare Notwendigkeit für die Geschichtswissenschaft, denn die Ereig 
nisse der Vergangenheit sind für sich genommen tot und sinnlos, allein schon 
ihrer unendlichen Zahl wegen. Sie bedürfen der Animation durch sogenannte 
subjektive Inhalte. Die Historiographie hat eine solche Belebung ihrer 
Darstellungen von Beginn ihrer Tätigkeit an praktiziert. Die Arbeiten des "ersten 
Historikers" Europas, Herodot, fussen auf der Befragung von Zeitzeugen. 
Thucydides verwendete im 5. Jahrhundert v. Chr. mündliche Quellen für seine 
Geschichte der Peloponesischen Kriege. Die römischen Historiker Lucian und 
Livius taten dasselbe. Bede Venerabilis verwendete für seine im frühen 8. 
Jahrhundert n. Chr. erschienene "Historia ecclesiastica gentis Anglorum" fast 
ausschließlich mündliche Quellen und sein Buch zählte und zählt zu einem 
Standardwerk der englischen Kirchengeschichte. Jules Michelet, Professor an 
der Sorbonne und Archivar am Staatsarchiv, wertete für seine in den 1830er 
Jahren begonnene Edition der Geschichte der französischen Revolution nicht nur 
selbst erlebte Ereignisse, sondern auch jene anderer Teilnehmer an dieser bür 
gerlichen Revolution aus. In diesem Kontext sind auch die hier präsentierten 
Leitfadeninterviews zuverlässige Quellen über die Ereignisse, welche sie 
berichten. Die endgültig verbindliche und allgemein anerkannte Geschichte der 
Vorarlberger Lebenshilfe erzählen sie jedoch nicht, sondern sie machen deutlich, 
daß es die eine und einzige Geschichte eines singulären historischen Ereignisses 
bzw. einer Institution wie etwa der Lebenshilfe nicht geben kann. Vielmehr gibt 
es davon drei, dreißig oder wie im vorliegenden Beispiel entsprechend der mit 
der Vorarlberger Lebenshilfe in vier Jahrzehnten verbundenen Personen gar 
tausende Geschichten - die subjektiven Geschichten der betreuten Behinderten 
und die subjektiven Geschichten ihrer nichtbehinderten Betreuer und Betreue 
rinnen sowie der Mitarbeiter/innen der Lebenshilfe. Jeder einzelne Teilnehmer 
und jede einzelne Teilnehmerin hat die Geschichte der Vorarlberger Lebenshilfe 
anders erfahren. In manchen Punkten stimmen die Geschichten überein, in 
anderen unterscheiden sie sich. "Wahr" und "richtig" sind sie alle; nämlich auf 
der Basis des subjektiv Erlebten. Wie das Erlebte "wahr"-genommen wird, hängt 
wiederum von den biographischen, familialen, sozialen und ideologischen 
Prägungen des bzw. der einzelnen ab. Menschliche Vergangenheit ist Vielfalt, 
nicht Einfalt. Die hier abgedruckten Leitfadeninterviews machen dies deutlich. 
1 Zum Verhältnis von mündlichen Quellen und Geschichtswissenschaften vgl. ausführlich: 
Wolfgang Weber, 'Mass of Trash' or 'Veins of Gold'? An Investigative Report on the Relationship 
Between Oral History and Archives, Regensburg, Roderer Verlag 2000. 
2 Gabriele Rosenthal: Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer 
Selbstbeschreibungen, Frankfurt/Main-New York 1995.
	        

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Rheticus 2000. 2000-01-01.
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