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Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1944-001

Bibliographic data

fullscreen: Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1944-001

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol-Vorarlberg
Place of publication:
Innsbruck
Publisher:
[s.n.]
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1944-001
Year of publication:
1944-001-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562_1944_001

Article

Structure type:
Article
Author:
Ostheimer, Hildegard
Title:
Die Altstadt
People involved:
Ostheimer, Hildegard

Contents

Table of contents

  • Tirol-Vorarlberg
  • Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1944-001
  • Contents
  • Title page
  • Die 4. Gau-Kunstausstellung 1943
  • Vom Tiroler Höferecht
  • Am See
  • Handwerk und Heimat
  • Die Altstadt
  • Kunst und Kultur

Full text

TEXT VON HILDEQARD OSTHEIMER, INNSBRUCK 
BILDER VON FRANZ NUSSBAUMER, INNSBRUCK 
So, Lieber, nun laß einmal alle Geschäfte, alle Unrast des Tages hinter dir und laß mich eine Stunde nur dem 
festgefügten Bau deiner Zeiteinteilung dich entführen! Sieh, wie die Sonne schalkhaft in tausend Fensterscheiben 
blitzt und die weißen Wolkenschiffe fröhlich durch den blauen Tägesbogen segeln! Und da wolltest du eben wie 
blind und taub durch das Dunkel der Laubengänge hasten, nur um Zeit zu sparen? Nein, nein, mein Lieber, das 
gibt es nicht! Komm, gib mir statt dessen deinen Arm und wandre mit mir — nicht weit — aber offenen Auges 
und Herzens. Wir gehen fast denselben Weg, den du nehmen wolltest, aber wir gehen ihn anders und darauf 
kommt es eben an! Denn dann erst können wir die vielen kleinen Schönheiten, denen wir begegnen werden, wirk 
lich spüren: Fühlst du nicht schon — nun wir das laute Getriebe der großen Straße hinter uns gelassen haben —, 
wie warm und traulich uns doch die Stille und Behaglichkeit der lieben Innsbrucker Altstadt umfängt. Nicht, als 
ob wir uns nicht wohl fühlten im Trubel des großen Verkehrs, unsere Maria-Theresien-Straße nicht liebten! Dazu 
sind wir beide doch zu sehr Kinder unserer Zeit. Aber brauchen wir nicht gerade deshalb manchmal die Ruhe 
und Stille alter Häuser und kleiner Gassen? 
Weißt du übrigens, daß Innsbruck eine der schönsterhaltenen Altstädte überhaupt besitzt, deren Einheit 
lichkeit und Geschlossenheit kein wesenfremdes Bauwerk durchbricht und die, umschlossen vom Ring der beiden 
Gräben und dem nördlich begrenzenden Inn einst ein gut geschütztes, trutziges und nicht wenig wichtiges Städtlein 
ausmachte? Nun, es war schließlich nicht umsonst Handels- und Umschlagplatz und Tor nach dem Süden. Davon 
kommt wohl auch jener eigenwillige Zug im Bau seiner Häuser mit ihren Laubengängen, schönverzierten Erkern 
und festgefügten Steinfassaden. Ganz unwillkürlich träumen wir uns in vergangene Zeiten, in denen es mit der 
Stille in Straßen und Gassen nicht so weit her war. Denn da trieb lärmendes Volk um die schönen Brunnen mit 
den weiten Marmorschalen am Oberen und Unteren Marktplatz, zu dem die Herzog-Friedrich-Straße sich fast 
unmerklich und im wundervollen Bogen weitet, sein Leben, lockten die kunstvoll geschmiedeten Gasthausschilder, 
die auch jetzt noch munter über unseren Köpfen baumeln, laute Zecher. Denn an Geld fehlte es weder dem 
Händler noch dem ehrsamen Bürger und Handwerksmann zu jenen Zeiten, da der münzreiche Siegmund oder gar 
Kaiser Maximilian hier ihre Turniere hielten. Schau nur, wie die vergoldeten Kupferschindeln des „Goldenen 
Dachls“ im Sonnenlicht blitzen! Ja, so wert hielt der gute Kaiser Max seine liebe Stadt Innsbruck, daß er ihr selbst 
dies Erkerdächlein mit purem Gold überzog — wenn auch die Sage erzählt, Herzog Friedl hätte es getan, um 
seinen Feinden sein volles Säckel zu weisen. 
Sage und Wahrheit — uns sind sie eins — wir wollen uns heute am Tatsächlichen freuen. Darum wandern 
auch unsere Augen weiter über die seltsamen Gauklerreliefs an der Brüstung des Balkons, entlang den verbli 
chenen Turnierfresken, bis zu den schöngewölbten gotischen Bogen, die den Kaisererker tragen. Denk dir, wie es 
unter ihnen und um sie zugegangen sein muß, wenn der hohe Rat in Fasnachtszeiten des Spasses halber ein paar 
Sack voll Gulden über die Köpfe der darauf lauernden Buben ausgeschüttet hat! Davon und von manch anderem 
Schwank können die Häusergesellen ringsum sicher ein lustiges Lied singen und nicht nur das freundliche 
Helblinghaus, dessen Heiterkeit das beschwingte Rokoko noch mit tausend zierlichen Girlanden und Schnörkeln 
unterstrich auch das alte Rathaus mit der strengen Renaissancefassade und der gesetzte Stadtturm werden sich 
bei solchen Erinnerungen kaum eines Lächelns erwehren können. - Aber ach, da sind wir schon wieder bei den 
vergangenen Zeiten angelangt: Wundersam, wie sich Heute und Gestern begegnen und eins werden zwischen diesen 
alten Mauern! Fast möchte man sagen, es liege ein Hauch der Zeitlosigkeit über ihnen - gar, da nun unnach 
sichtig mit aller modernen Gebäudeverunstaltung aufgeräumt ist und klare, saubere Häuserfronten uns wieder 
entgegensehem ^ A uns nun die8e beengende Welt aueli einmal von oben ansehen. Von der 
luftigen Stadtturmgalerie schauen wir in das jahrhundertalte Dächer- und Gassengewirr unter uns, nach dessen 
stiller Verträumtheit uns nun wieder die Weite der Welt umfängt, der wir uns - du and ich ein wenig besinnlicher 
»emacht durch diese Stunde — nun wieder vollen Herzens hingeben wollen. 
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41
	        

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