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Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1943

Bibliographic data

fullscreen: Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1943

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol-Vorarlberg
Place of publication:
Innsbruck
Publisher:
[s.n.]
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1943
Year of publication:
1943-01-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562_1943

Article

Structure type:
Article
Author:
Pesendorfer, Gertrud
Title:
Zu unserer Trachtenarbeit
People involved:
Pesendorfer, Gertrud

Contents

Table of contents

  • Tirol-Vorarlberg
  • Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1943
  • Contents
  • Title page
  • Nationalsozialistische Brauchtumsarbeit im Gau Tirol-Vorarlberg
  • Die Schießauszeichnungen des Standschützenverbandes Tirol-Vorarlberg
  • Zu unserer Trachtenarbeit
  • Das echte Haus im Gau Tirol-Vorarlberg
  • Kunst und Kultur

Full text

Ln Navis ist sie teilweise heute noch Z u finden. Auch in Osttim! wird sie noch getragen, dessen trachtliche Ent- 
Wicklung mit der Nord- und Siidtirols eine geschichtliche und natürlich bedingte Einheit bildet. Die heutigen 
Eisacktaler und Samtaler Trachten, die durch unsere Südtiroler Umsiedler auch in unserem Gau zu sehen 
nicht mehr ungewohnt sind, zeigen uns dieselbe Art. 
Die Bewahrung einer Trachtenform ist gegendweise verschieden. Auch ihre Verbreitung geht einen kaum 
zu beobachtenden und von der Mode der Städter ganz unberührten Gang. Ein Beispiel dafür aus der jüngsten 
Vergangenheit und der unmittelbaren Gegenwart bietet uns die Entwicklung und Verbreitung des allen bekannten 
Unterinntaler Hutes. 
Wie schon sein Name sagt, wurde er zuerst im „Unterland“ getragen, und zwar, wie uns Bilder aus den 
Dreißiger- und Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zeigen, zuerst hoehgupfig und mit schmaler Krempe. 
Allmählich wurde der Gupf bedeutend niederer, die Krempe breiter. Dies ist die Form, der wir heute noch im 
Oberinntal und seinen Seitentälern, im Ötztal und Pitztal und im Wipptal und Stubaital begegnen, wenn die 
Bäuerinnen ihr Sonntagsgewand tragen. Im ganzen Unterland hat sich der Hut inzwischen wieder verwandelt, 
die Krempe ist sehr schmal geworden, der Gupf klein und im Verhältnis zur Weite hoch. Dort unterscheidet sich 
auch der Festtagshut („Stotzn“) vom bandgeputzten Sonntagshut, „Bandhut“ oder „Markthut“, durch die reiche 
Goldstickerei an der Unterseite und die Goldquasten und Goldschnur, die den Oberteil schmücken. Ehemals 
waren Stotzn und Bandhut mit schmalen Bändern unter dem Haarknoten festgebunden, heute fallen zwei meist 
reichgestickte Bandbreiten den Rücken hinab bis zum Rocksaum. Der Stotzn wird im Unterland nur zur Fest 
tagstracht mit dem schwarzen „Kassettl“ und dem weißen, goldgestickten Tüchl von der Bäuerin getragen. Den 
kostbar ausgestatteten Hut erhält sie meistens erst zur Hochzeit. Der bandbesteckte Unterländer Sonntagshut in 
seiner älteren Form aber hat als Festtagshut eine Wanderung angetreten, die vor unseren Augen sich fortsetzt und 
uns ein lebendiges Beispiel für das Eigenleben der Trachten bedeutet. (Denn welche Menge von modischen Hut 
formen sind dagegen während der verflossenen hundert Jahre getragen worden!) 
Der Unterländer Hut wandert als Inntaler Hut in das obere Inntal und über den Arlberg ins Klostertal, auch 
ins Wipptal nord- und südwärts des Brenners bis ins Eisacktal, wo er allmählich die „Planln“ ablost, ebenso ins 
Pustertal, wo ihm die leicht aufgebogenen Hüte der Pustertalerinnen Platz machen, und hinunter bis Kärnten, 
wo er vielfach schon statt des „Mölltaler Hutes“ getragen und nun einfach als Tiroler Hut bezeichnet wird. 
Die Verbreitung dieser Hutform im Chiemgau und im bayrischen Inntal, wie im salzburgischen Pinzgau, 
Pongau und Lungau und einer ihm verwandten Form in Berchtesgaden steht im Zusammenhang mit seiner An- 
fangsentwicklung. 
Im ganzen gesehen drückt sich auch hier wie in Hausbau und Siedlungsform der stammverwandte Kulturkreis 
aus, in dem die Bewegung und der ihm gemäße W andel vor sich geht. 
Ähnliches könnte auch über die Entwicklung und Verbreitung anderer Gewandstücke gesagt werden. Die 
Beobachtungen, die wir an dem noch lebendigen Trachtengut machen, lassen im Zusammenhang mit den uns 
erhaltenen alten Trachtenstücken, Bildern und schriftlichen Zeugnissen auf ähnliche Vorgänge in früheren Zeiten 
schließen. Auch in der Tracht tragen die jeweiligen Formen den Stempel der Zeit, in der sie entstanden sind oder 
sich merkbar veränderten. Vom Modischen unterscheiden sie sich jedoch in einem Wesentlichen: Sie entstehen 
und wandeln sich, eingeordnet in das Leben einer Stammes- und landschaftsverbundenen Gemeinschaft. Alles, was 
von außen in die im Brauch stehende Tracht aufgenommen wird, wird ihr auf eine besondere Weise verbunden, 
in sie einverleibt und stört nicht ihre Geschlossenheit. Das Neue ist nur frischer Lebensstoff, der nach dem der 
Gemeinschaft innewohnenden Gesetz auf die ihr eigene W'eise verarbeitet wird. Dabei scheinen in der Ent- 
wicklung der deutschen Trachten in ihrer Gesamtheit große gemeinsame Züge auf, die sich je nach Art und 
Landschaft zeitlich ineinanderschichten. Die trachtlichen Besonderheiten der einzelnen Gegenden, das Stammes- 
16 
Alle Frauentraeht, Klausen und Umgebung ■*
	        

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