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Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001

Bibliographic data

fullscreen: Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol-Vorarlberg
Place of publication:
Innsbruck
Publisher:
[s.n.]
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001
Year of publication:
1942-001-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562_1942_001

Article

Structure type:
Article
Author:
Springenschmid, Karl
Title:
Neustifter Welttheater 1809
People involved:
Springenschmid, Karl

Contents

Table of contents

  • Tirol-Vorarlberg
  • Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001
  • Contents
  • Title page
  • Die Namen Tirol und Vorarlberg und ihre Bedeutung in der Geschichte
  • Von Frühjahrsschnee, Schmelzwässern und Wildbachen
  • Unsere Berge im Spiegel der Volkssage
  • Alte Lodenwalke bei Lanersbach im Zillertal
  • Kitzbühel und sein uralter Bergbau
  • Neustifter Welttheater 1809
  • Anzeigenteil

Full text

R 
L 
K 
0 
neater 1809 
0 N K A R L S P R I N G E N 'S C 11 M I P> 
Der Himmel liegt groß und frei. Ruhig und fest, ganz für die Ewigkeit erschaffen, stehen die Berge. Der 
Wald hält weithin seine breiten, dunklen Flächen. Bei den Bauern unten im Tal sind die Äcker auf getan und 
warten hungrig auf das junge Korn. 
Himmel, Berge, Wald, Äcker — es ist alles wie immer. Und doch: Tirol ist nimmer Tirol. 
Die Adlerfahnen sind gefallen. Breit und sicher hocken die Napoleonsknechte im Lande. Bis in die hinter 
sten Gräben hinein schmeckt man ihr schlechtes Schandregiment. 
So ist das Frühjahr 1809, da die Bauern ihr Saatkorn in die Erde tun sollen, in die Erde, die ihren alten, 
freien Namen nicht mehr tragen darf. 
„I tua’s nit gern aus, dös Korn!“ sagt der eine zum Nachbarn, „es hocken mir z’viel fremde Vögel im Land!“ 
„Fremd oder nit! Wo mier ünser Korn saan, da ischt allmal Tirol!“ 
„Bscht! Nit so laut! Es sein ja überall schlechte Ohren! Tirol — dös därfst nit sagen, lei lischpeln!“ 
„Tirol! Dös schrei i no, was i’s aus der Brust derschreien kann! Wart lei, hal dös Korn aufg’scliossen ischt, 
nach er, nachher . . 
„Bscht! Bscht!“ ■— •— 
Der Neustifter Bärenwirt, hinten im Stubai, kennt seine Mander. Wenn er so langsam durch die Gaststuben 
geht, von Tisch zu Tisch, und gibt dem einen ein freundliches Wort, sagt dem ändern einen Gruß, tut dort einen 
Handschlag und schaut dem Nachbarn in die Augen, so weiß er, wie es in Tirol steht. Er weiß es besser wie der 
Napoleon selber trotz tausend Spitzeln und Spionen. 
Aber wenn sonntags der Wein den Riegel auftut, der die Woche über fürsorglich vorgeschoben ist, dann 
trumpfen die Bauern beim Kartenspiel den fremden König nieder und hauen drüber mit den Fäusten, daß es 
durch die Stube dröhnt. Dann schaut der Wirt schnell, ob die Fenster gut vermacht sind und lehnt seinen breiten 
Rücken gegen die Tür. Fahren aber dann gar spitze Wörtln auf und kecke Reden, dann mahnt er: „Maul halten, 
Mander! Gscheit sein! No ischt dös Korn nit reif zu schneiden!“ 
Das hilft für eine Weil. Aber dann steht der Zorn wieder so dick und grob mitten in der Stube und der jähe 
Haß springt auf, daß der Wirt den Wein versperren muß in seinem Keller. 
„Es mueß wieder amol eppes g’schechen, daß die Mander lachen künnen!“ meint er, der Wirt. „Es ischt 
z’viel Wasser auf der Mühl, dös ischt nit guet!“ 
„Wasser auf der Mühl?“ sagt der junge Falbesoner und überlegt eine Weil. Dann fragt er scheinheilig: 
„Was soll denn g’schechen?“ 
„Eppes halt!“ sagt der Wirt. 
„I versteah!“ sagt der junge Falbesoner und schaut den Wirt an. 
Am nächsten Sonntag, wie die Bauern auf dem Platz zusammentreten zu ihrem Plausch, da wendet sich 
plötzlich der alte Wolfenbauer um und schreit: „Mander! Dem Napoleon ist der Löw auskemmen!“ 
Da drehen sich die Bauern alle um und schauen zum Amtshaus hin. An der Stelle über dem mächtigen 
46
	        

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