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Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001

Bibliographic data

fullscreen: Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol-Vorarlberg
Place of publication:
Innsbruck
Publisher:
[s.n.]
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001
Year of publication:
1942-001-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407595562_1942_001

Article

Structure type:
Article
Author:
Kuntscher, Herbert
Title:
Von Frühjahrsschnee, Schmelzwässern und Wildbachen
People involved:
Kuntscher, Herbert

Contents

Table of contents

  • Tirol-Vorarlberg
  • Tirol–Vorarlberg. Natur, Kunst, Volk, Leben 1942-001
  • Contents
  • Title page
  • Die Namen Tirol und Vorarlberg und ihre Bedeutung in der Geschichte
  • Von Frühjahrsschnee, Schmelzwässern und Wildbachen
  • Unsere Berge im Spiegel der Volkssage
  • Alte Lodenwalke bei Lanersbach im Zillertal
  • Kitzbühel und sein uralter Bergbau
  • Neustifter Welttheater 1809
  • Anzeigenteil

Full text

wa^etn 
V O N HERBERT KUNTSCHER 
Es kommt eine seltsame Lebendigkeit über die spätwinterliche Bergwelt, wenn der Föhn mit seinem 
glühenden Atem über die Gipfel und Jöcher braust, die Lahnenhänge neckt und ob ihrer Last verspottet, leiden 
schaftlich den dichten Fichtenwald hin und wider zerrt, mit losen Dachschindeln auf Almen und Hütten ein 
wüstes Geklapper vollführt und die Stimmung von Mensch und Tier erregt, schwankend und vibrierend werden 
läßt. Nur eine leise, zarte Andeutung ist es das erste Mal: schneeüberlastete Zweige schnellen plötzlich hoch, 
kleine Tannenwipfel, die krumm und verbogen unter einer pudelmützendicken Haube steckten, recken sich jung 
und elastisch empor, die Eisränder des Baches werden runder und an der Sonnseite wird die Schneedecke bedenk 
lich dünn und löchrig. Ein paar Male geht es so, dazwischen kommt meist wieder Frost und läßt alles im Werden 
befindliche Leben für Tage reglos in einem Eispanzer erstarren. Dann aber heizt die Sonne tüchtig und der 
Drang zum endgültigen Erwachen wird stark und unhaltbar. Der Firnschnee wird naß und „faul“, sackt in sich 
zusammen, rutscht wohl auch ab und tost als mächtige, Felsblöcke, Bäume und Sträucher mitführende Lawine 
zu Tal. Tage und Wochen geht das so. Nur an sonnenwarmen Südhängen ist die Wärme so stark, daß der Schnee 
und das Eis langsam, Schritt für Schritt zum Schmelzen gebracht werden. Tagsüber gluckst und plätschert allent 
halben das Schmelzwasser, sammelt sich in kleinen Rinnsalen, hüpft und duckt sich in Erdspalten und Mulden 
und eilt in immer größer werdenden Mengen zu Tal. Aber wie sehr auch die Strahlen der Sonne leuchten und 
glitzern, sie allein schaffen es nicht. 
Da muß eines Tages der Himmel grau und diesig werden, die Luft schwer und drückend sein und von den 
Ästen und Hüttendächern das Wasser tropfen. In der Nacht springt mit einem Male der Wind um und dann ist 
es still, ganz still, beinahe unheimlich kommt einem dies in der undurchdringlichen Düsternis vor. Ein leises, 
beinahe unhörbares Singen hebt an und hältst du die flache Hand ins Freie, so wird sie feucht vom Nebelhauch 
und Minuten später fallen die ersten. Tropfen. Erst ganz sachte und zögernd, dann werden ihrer mehr und mehr 
und es regnet und tröpfelt aus allen Schleusen des Himmels. Jetzt mag der Schnee Zusehen, wo er bleibt! 
Das warme Wasser rieselt und plätschert, sprüht feine Tropfen und sammelt sich in kleinen Bächlein. Die 
Wasserlacke unter der Hüttentraufe wird von Stunde zu Stunde größer und tiefer, da und dort steckt fiirwitzig 
der Boden seine braunen Schollen hervor. Die Rasenflecke saugen sich wie ein Schwamm mit Nässe an und der 
Schnee an ihren Rändern wird unansehnlich und schmutzig. 
Ist dieser Frühjahrsregen vorbei, dann sieht die Landschaft wie frischgebadet aus. Das Weiße des Schnees
	        

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