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Werdenberger Jahrbuch 1991-004

Bibliografische Daten

fullscreen: Werdenberger Jahrbuch 1991-004

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Werdenberger Jahrbuch
Untertitel:
Beiträge zur Geschichte und Kultur der Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald : Historisch-Heimatkundliche Vereinigung des Bezirks Werdenberg
Publikationsort:
Buchs
Verlag:
Buchs Dr. u. Ver
Größe der Vorlage:
Online-Ressource

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407473181
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Werdenberger Jahrbuch 1991-004
Veröffentlichungsjahr:
1991-004-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407473181_1991_004

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Werdenberger Jahrbuch
  • Werdenberger Jahrbuch 1991-004

Volltext

Johann Peter von Sax-Misox, der eigent 
lich die Tochter Klementa von Hewen 
hätte heiraten sollen. Die ältere Klementa 
von Hewen dürfte um 1450 oder wenig 
später geboren sein. Sie war die Tochter 
des Friedrich von Hewen, der ursprüng 
lich Domherr in Konstanz und Strassburg 
war, seit 1445 in weltlichen Funktionen, 
1459 bischöflich konstanzischer Obervogt 
in Bischofszell und 1461 Herr zu Hohen- 
trins. 142 Er war verheiratet mit der Gräfin 
Adelheid von Eberstein. Unter den Ge 
schwistern der Klementa ragt Heinrich 
von Hewen hervor, Domherr in Konstanz 
und Strassburg, 1503 Bischof von Chur. 143 
Klementa von Hewen heiratete um 1471 
Graf Wilhelm VIII., von dem sie zwei 
Töchter, Adelheid und Klementa, hatte. 
Letztere wurde in noch kindlichem Alter 
mit Johann Peter von Sax-Misox verlobt, 
der jetzt öfter als Gast nach Werdenberg 
kam, gehörte er doch als künftiger 
Schwiegersohn sozusagen zur Familie. 
Dabei kam es zu intimen Beziehungen 
zwischen ihm und seiner künftigen 
Schwiegermutter, die schwanger wurde. 
Einige Zeit vor der Geburt des Kindes 
begab sich Klementa von Hewen auf ei 
nen angeblichen Badeurlaub ins «Aus 
land», um unbemerkt ihr Kind zur Welt zu 
bringen. 144 Da diese Beziehung - später, 
nach Auflösung der Verlobung mit der 
jüngeren Klementa - legitimiert wurde, 
kann man davon ausgehen, dass das Kind 
von den Eltern akzeptiert, wenn auch 
kaum legitimiert wurde. Bei dem Kind 
handelt es sich wohl um den 1493 als 
Edelknaben belegten Johann von Sax-Mi 
sox. Er hatte das Vorrecht, bei der Beer 
digung Kaiser Friedrichs III. 1493 die 
habsburgische Standarte zu tragen. 145 
Uber den Zeitpunkt der Eheschliessung 
ist zu bemerken, dass nach dem Tode des 
Grafen Wilhelm zunächst Graf Jörg von 
Werdenberg die Vormundschaft über die 
Witwe Klementa von Hewen übernahm. 146 
Am 22. Februar 1483 und am 17. April 
1483 wird Johann Peter von Sax-Misox 
noch als Tochtermann des Grafen Wil 
helm bezeichnet; 147 das Verlöbnis mit der 
jüngeren Klementa bestand also noch 
fort, jedoch war die Ehe noch nicht voll 
zogen.™ Dagegen wird am 26. Juni 1484 
Johann Peter als Ehegemahl der Klemen 
ta von Hewen (d.Ä.) bezeichnet; 149 diese 
wird als geborene von Hewen, Gräfin von 
Mosax, genannt, während in der gleichen 
Urkunde ihre Tochter als Fräulein Kle 
menta aufscheint. Die Ehe ist demzufolge 
Die Burgen Hohentrins und Guten 
berg, Stammsitze des Magnus von 
Hewen und des Egloff von Wartau. 
(Chronik des Thomas Lirer, 1484.) 
zwischen April 1483 und Juni 1484 ge 
schlossen worden. Das Trauerjahr wurde 
augenscheinlich eingehalten, obwohl ein 
Kind aus dieser Verbindung noch zu Leb 
zeiten Graf Wilhelms geboren worden 
war. 
Die Affäre soll dem Grafen Wilhelm ver 
borgen geblieben sein, 150 doch dürften 
weite Kreise zumindest nach dem Tod des 
Grafen davon erfahren haben. Man muss 
wohl in Rechnung stellen, dass nach allge 
meinen, wenn auch für den Hochadel 
nicht ohne weiteres anwendbaren Vorstel 
lungen die Ehefrau eines Leprakranken 
noch zu dessen Lebzeiten als Witwe ge 
golten hat. Die räumliche Absonderung 
des Grafen im Schloss Werdenberg zeigt 
auch, dass für Klementa das Eheleben mit 
Wilhelm nicht mehr zumutbar gewesen 
ist. 
Nach dem Tode Graf Wilhelms kam es zu 
einem Streit um sein Erbe, der am 17. 
April 1483 durch einen Schiedsspruch un 
ter Leitung des Bischofs Ortlieb von Chur 
beendet wurde. 151 Hugo XIII. und Ulrich 
V. verzichteten auf Werdenberg, Herren 
berg 152 und andere Besitzungen zugunsten 
des Johann Peter von Sax-Misox und ver 
sprachen, sich beim Kaiser für dessen Be 
lehnung zu verwenden. Sollte Johann Pe 
ter ohne männliche Erben sterben oder 
«Montfortische Familienfeier», viel 
leicht die Hochzeit der Klementa von 
Hewen mit Johann Peter von Sax-Mi 
sox. (Chronik des Thomas Lirer, 
1484.) 
seine Linie im Mannesstamm erlöschen, 
dann sollte den Grafen von Montfort ein 
Wiedereinlösungsrecht zustehen: sie 
konnten dann die Herrschaft Werdenberg 
um 10 000 Gulden zurückerwerben. Es 
wurde weiters ausgemacht, dass die stark 
verschuldete Herrschaft nicht weiter ver 
schuldet werden durfte. 
Einem weiteren, am 26. Juni 1484 in Feld 
kirch ausgestellten Schiedsspruch des Bi 
schofs Ortlieb entnehmen wir, dass die 
Grafen Hugo XIII. und Ulrich V. vor 
allem für die Töchter Wilhelms und auch 
deren Mutter Klementa eintraten. 153 
Am 25. Juni 1484 hatten sie gegen Zah 
lung von 1000 Gulden auf alle ihre An 
sprüche auf Werdenberg verzichtet. 154 Die 
Grafen übernahmen wohl auch die Vor 
mundschaft über beide Töchter. 155 Adel 
heid wurde am 13. Dezember 1484 mit 
Graf Erhart von Nellenberg, Herrn zu 
Thengen, verheiratet. 156 Wenige Monate 
später trafen sich Graf Jörg von Werden 
berg und die Grafen Hugo XIII. und Ul 
rich V. von Montfort in Rorschach, um 
über die Heirat der jüngeren Klementa zu 
reden. 157 Klementa heiratete 1492 Georg 
von Kastelwart (t 1499) 158 und 1501 Graf 
Sigmund von Lupfen (t 1526). 159 
Die Schuldenwirtschaft der «verschwen 
derischen» 160 Gräfin Klementa und des 
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