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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09
Veröffentlichungsjahr:
1987-09-01
Information:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_09

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Hermann, Wolfgang
Titel:
Reaktionen
Beteiligte Personen:
Hermann, Wolfgang

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Kultur Im/Um-Bruch oder Jedermann für Jedermann
  • Der Pfaffenspiegel ist trüb geworden
  • Eine Landesgalerie für sich - 3 Jahre Galerie Sigma
  • Harter Literaturweh-Bewerb
  • Gorbatschow macht's möglich
  • Blintimus Blinsky und die Unbedenklichkeit
  • Magazin
  • Reaktionen
  • Sprachrisse zu Ingo Springenschmids "Pattstellung"
  • Der literarische Beitrag: Otto Nachbauer - Rückzug
  • Elmar Grabherr und die Politik seiner "Vorarlberger Geschichte"

Volltext

KULTUR 
15 
WARUM ICH NICHT IN EINER VORARL 
BERGER TAGESZEITUNG WUHNEN MÖCHTE 
Diese Zeitungen haben Eselsohren. 
Es sind die langgezogenen Ohren 
derer, die sie zu Eseln machen. 
Der Esel ist ein ruhiges Tier. 
Doch will man mit seiner Hilfe den 
Mond erobern, so wellt sich sein 
Fell. Vorher aber rollen sich die 
Ohren ein. Die Zeitungen mit den 
langen Ohren dürfen meinen Tag 
nicht betreten. 
Ich kann nur einen Hinweis geben 
auf das, was keiner Erklärung, um 
so mehr aber einer langen Ge 
schichte bedarf: 
Der Mensch atmet. Diese Arbeit 
wird von den Lungen getan. Man 
kann dem Menschen nehmen: Haus, 
Arbeit, Kind, Ehre. Er wird wei 
teratmen. Nimmt man den Menschen 
aber das kleine Tier, mit dessen 
Hilfe er sich selbst entwirft und 
das BILD dessen, der er sein will, 
zur DARSTELLUNG bringt -langes 
Treiben als Schlinggewächs, Hyle, 
fortgesetztes Vergessen -: er wird 
aufhören zu atmen. 
Dem Menschen die Luft zum Atmen 
genommen zu haben, dessen klage 
ich den VORARLBERGER ZUSAMMENHANG 
an. Es sind die Namen vieler Ein 
zelner, die hierher gehörten. Und 
diejenigen, die sie in ihr Ende 
gestoßen haben, sind vor mich hin 
getreten und haben gesagt: Ich bin 
dein Lehrer, lerne! Ich bin der 
Hüter deiner Ordnung, also ordne 
und hüte ich! Und sie haben vor 
gegeben Lehrer zu sein und Hüter 
der Ordnung, und sie haben vorge 
geben, dem Tag zu geben, was des 
Tages ist. Heute sehe ich hinter 
der Maske des Lehrers und der des 
Hüters der Ordnung das verzerrte 
Gesicht der ÜBEREINSTIMMUNG. Un 
sauber höre ich sie sprechen von 
ihrem Auftrag, doch den Grundton, 
auf den sie eingestlrrmt sind kön 
nen sie nicht übertönen, durch al 
les was sie sprechen spricht er 
hindurch. Es ist der Ton eines bö 
sen Geistes. Dieser Geist ist kein 
Spuk. Die Gesetze finden einen 
Leib, der sie zu verkörpern bereit 
ist, dann stoßen lärmende Einhei 
ten, Wörter, zu ihnen, schließlich 
nimmt sich das BILD seinen Ort und 
bleibt. Die Gesetze greifen nach 
den Köpfen der Fabrikanten und ma 
chen aus ihnen Fabrikantenköpfe, 
sie greifen nach den Blättern der 
lügnerischen Zeitungen und machen 
aus ihnen Lügenblätter, sie grei 
fen nach den harmlosen Anzügen und 
Zungen der Menschen auf dem Dorf 
platz und machen aus ihnen Dorf 
platzanzüge und Dorfplatzzungen. 
Sie frisieren jedes Haar, wie sie 
wollen, sie legen sich in die Rede 
der Menschen, es entsteht die gif 
tige Rede. Diese Rede wohnt in den 
Lohnbüros, sie wohnt in den gemüt 
lichen Lokalen für eine neue Ge 
sellschaft, sie wohnt in den Amts 
stubenköpfen und in den Amtsstu 
ben, diese Rede wohnt in den Chef 
etagen der Fabriken, sie wohnt in 
den Polizeizentralen und Im Gurren 
des Polizeicomputers, diese Rede 
wohnt in den Gin-Fizz-Zimmem der 
Vorarlberger Tageszeitungen (und 
sie gibt den Gin-Fizz-Köpfen der 
Redakteure den Befehl, IHREN Stil 
zu schreiben), sie wohnt in den 
Seven Up-Köpfen der Parteizentra 
len und in den leuchtenden 
Schrumpfköpfen der Vorarlberger 
Städteplaner. Diese Rede reißt den 
Tag an sich, sie übergibt sich in 
Form von viel spur igen Autobahnen, 
auf denen die Haltbarkeit der Le 
ben und der schnellen Häuser ge 
testet werden. Diese Rede verbie 
tet den Widerspruch. Sie ist un 
verwundbar, weil sie alles gegen 
sich selbst verwendet. Sie ist 
eine Lügnerin, weil sie aus ihrer 
Offenheit ein offenes Geheimnis 
macht. Sie ist Alemanne: sie lebt 
ewig und legt keinen Wert darauf, 
sich selbst zu erkennen. Sie hat 
sich schon erkannt: sie ist Ale 
manne geworden. 
Wien war die Verlängerung dieser 
Störung unter anderem Namen 
(österreichischer Bandwurm). Das 
Durchsichtigwerden aller Teile, 
der anderen Stimme folgen, Leben 
unter fremden Namen, Entziffern 
der Bienenschrift: Berlin. 
P.S.: Der Abdruck der Texte in der 
Oktober-Nummer der Zeitschrift 
"Kultur” erfolgte ohne vorherige 
Absprache mit ihrem Verfasser. Daß 
diese Arbeiten nicht für Verwen 
dung in einer Vorarlberger Zeit 
schrift bestimmt sein konnten, das 
wird dem aufmerksamen Leser nicht 
entgangen sein. 
Wolfgang Hermann 
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aller führenden 
Weltmarken 
Meerschaum- und 
Wasserpfeifen 
RAUCHERREQUISITEN 
TOTO ZEITSCHRIFTEN 
JOURSALE 
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KARTENSPIELE 
SCHACHSPIELE 
STEUERMARKES 
WALTER SPIEGEL 
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FEUERZEUGE 
— EZfe/fe /feteteAfen C/ie ä/w 
f/i unterem SZeJrAä/? panx umvsZmuMcÄ. 
DORNBIRN • BAHNHOFHOCHHAUS 
Telefon 05572/63333
	        

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