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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09
Veröffentlichungsjahr:
1987-09-01
Information:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_09

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Füßl, Peter
Titel:
Harter Literaturweh-Bewerb
Beteiligte Personen:
Füßl, Peter

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-09
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Kultur Im/Um-Bruch oder Jedermann für Jedermann
  • Der Pfaffenspiegel ist trüb geworden
  • Eine Landesgalerie für sich - 3 Jahre Galerie Sigma
  • Harter Literaturweh-Bewerb
  • Gorbatschow macht's möglich
  • Blintimus Blinsky und die Unbedenklichkeit
  • Magazin
  • Reaktionen
  • Sprachrisse zu Ingo Springenschmids "Pattstellung"
  • Der literarische Beitrag: Otto Nachbauer - Rückzug
  • Elmar Grabherr und die Politik seiner "Vorarlberger Geschichte"

Volltext

12 
KULTUR 
(VN-cd) „Sind wir eine Gesellschaft von Verrückten 
oder Wahnsinnigen?“ Diese Frage stellte sich Dr. Fred 
Kurer, Juror des 2. Harder Literaturwettbewerbs, 
nach der Durchsicht der 177 Einsendungen von 82 
weiblichen und 95 männlichen Teilnehmern. „Arbei 
ten von vielen Schreiberlingen, aber wenig Autoren, 
die den Namen verdienen , tautet die Aussage einer 
seiner Jurykollegen. Der Harder Literaturwettbewerb 
zählt mit dem Hauptpreis von 50.000 Schilling, den 
drei Förderungspreisen von je 10.000 Schilling und 
der genannten Teilnehmerzahl zu den größeren seiner 
Art. Der 1. Platz wurde diesmal nach eingehender 
Beratung der Jury (Fred Kurer, St. Gallen, Hans 
Georg Bulla, Allensbach, Anton Einsle, Bregenz, Ingo 
Springenschmid, Bludenz, und Jörg Unger, Bregenz) 
geteilt. Lina Hofstätter, eine g'ebürtige Lustenauerin 
aus Sistrans in Tirol, und Ursula Riklin aus St. Gallen 
wurde der von der Marktgemeinde Hard zur Verfü 
gung gestellte Preis zu gleichen Teilen zuerkannt. 
Die bedenklichen Zeichen gerufen. 26 Beiträge stam- 
der Zeit, die Juror Dr. Fred men zwar aus Vorarlberg (28 
Kurer ansprach, spiegeln aus dem Ausland und der 
sich im Inhalt wider, es wird Rest aus dem übrigen öster- 
viel getrunken, viel Auto ge- reich), darunter befinden 
fahren und sich gelangweilt, sich jedoch so gut wie keine 
Wenig erfreulich für die Vor- bekannten Namen und keine 
arlberger Literaturszene ist Preisträger, wie Kulturrefe- 
die Abstinenz der heimi- rent Alwin Riedmann be 
sehen Autoren, wurde der merkte,... 
Bewerb doch als Impuls zur 
Bereicherung unserer Lite 
raturlandschaft ins Leben 
Wenn man den VN-Artikel vom 3.7.87 
glauben darf, dürften die Jurymit 
glieder und die politischen Ver 
treter der Veranstalter-Gemeinde 
mit dem "2. Harder Literaturwett 
bewerb" nicht eben zufrieden sein. 
Sie könnten einen fast leid tun, 
die Herren, die über die mangelnde 
Teilnahme prominenter Autoren jam 
mern und sich an den teilnehmenden 
die Schuhe abputzen. 
Dabei dürfte die Skepsis mancher 
Autoren nicht ganz unbegründet 
sein, denn bei der Preisverteilung 
soll nicht gerade alles mit rech 
ten Dingen zugegangen sein. So 
sprachen die 5 Juroren im Verhält 
nis von 3:2 den 1. Preis dem nun 
mehr in Berlin lebenden, in Dorn 
birn geborenen Wblfgang Hermann 
zu. Auf Intervention der beiden 
bei der Beratung anwesenden, aber 
eigentlich nicht stimmberechtigten 
politischen Vertreter der Marktge 
meinde Hard wurde Hermann mit du 
biosen Begründungen zurückgereiht 
und geht somit leer aus. Sollte 
diese hinter vorgehaltener Hand 
erzählte Geschichte wirklich wahr 
sein, muß man sich allerdings 
schon fragen, ob sich eine wirk 
lich kompetente Jury solch eine 
Vorgangsweise gefallen ließe. 
Wir haben einige Vorarlberger Au 
toren über die Gründe für ihre 
Nicht-Teilnahme und ihre Erfah 
rungen mit Wettbewerben befragt. 
"Meine bisher einzige Erfahrung 
mit Jurymitgliedem von Literatur 
wettbewerben besteht darin, daß 
bei der Preisverteilung der sehr 
betagte Vorsitzende der Jury mir 
zum preisgekrönten Vortrag gratu 
liert und dann einen fremden Text 
zitiert hat. In Hard habe ich 
nicht mitgemacht, weil ich keine 
Prosa schreibe." Norbert Huber 
"Ich konnte in Hard nicht teilneh- 
men, weil ich den genauen Abgabe 
termin nicht wußte, da er in den 
Mitteilungen des Vbg. Autorenver 
bands nie aufgeschienen ist. Viel 
leicht ist es anderen korrespon 
dierenden Mitgliedern auch so er 
gangen." Norbert Loacker, Zürich 
"Wettbewerbe interessieren mich 
zur Zeit nicht, und ich hoffe, daß 
sie mich nie mehr interessieren 
werden." Gesine Probst-Bösch 
"Ich ziehe Stipendien Wettbewerben 
vor, weil das Ganze reeller ab 
läuft. Dort handelt es sich im ei 
ne Förderung für ein konkretes 
Projekt, und die Chancen für den 
Autor erscheinen mir höher." 
Monika Helfer 
"Ich werde mich an dieser eigenar 
tigen Kampagne gegen Fred Kurer 
GORBATSCHOW MACHT'S MÖGLICH 
Zur TfV-Premiere am 15.11. von 
Wladimir Gubarews "Der Sarkophag" 
Der große "Sarkophag" besteht aus 
300000 Kubikmetern Zement,die den 
Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks 
Tschernobyl zu einer mahnenden 
Grabstätte für den ungebremsten 
Technikglauben unserer Epoche ma 
chen, und viele kleine Sarkophage 
aus Beton umhüllen die in Bleige 
häuse eingeschweißten Todesopfer 
dieses die Welt aufrüttelnden Un 
glücks - denn selbst Tote strah 
len noch in Überdosen. 
Daß nun ein sowjetischer Wissen- 
schaftsjoumalist der Parteizei 
tung "Prawda", Wladimir Gubarew, 
diese Katastrophe zu einem kriti 
schen Theaterstück verarbeiten 
darf, wäre in Prä-Gorbatschow-Zei- 
ten wohl undenkbar gewesen. Wie 
es sich im Rahmen der perestroika 
gehört, wird das die sowjetische 
Gesellschaftsordnung allerorten 
torpendierende System der Schlam 
perei und Korruption aufgedeckt, 
etwa kriminelle Nachlässigkeiten 
beim Bau des Reaktors oder grobe 
bestimmt nicht beteiligen,schließ 
lich erinnere ich mich hierzulande 
an öffentliche Autorenverhöhnung 
und -beschimpfung weit üblerer 
Art. An Literaturwettbewerben neh 
me ich grundsätzlich nicht teil." 
Ingrid Puganigg 
"Offen gestanden habe ich den Har 
der Literaturwettbewerb versäumt; 
werde nächstens der "Gesellschaft 
der Verrückten oder Wahnsinnigen" 
beitreten, sprich 1988 mittun. 
Meine Erfahrungen: bin seinerzeit 
bei "Profil" mit 471(!) Einsendun 
gen unter die ersten 10 'geraten 1 , 
ansonsten sind die Auffälligkeiten 
eher bescheiden. Juroren sind 
gottvrschtutz auch bloß Leute, die 
irgendwann geboren und eines Tages 
den Weg alles Irdischen gehn; 
mitunter zeichnet sich ihre Sub 
jektivität dermaßen aus, daß es 
bereits objektiv wirkt. Gratula 
tion den Gewinner/n/innen!" 
Ricarda Bilgeri 
Übrigens geht es uns sicherlich 
nicht um Fred Kurer, wie Frau Pu 
ganigg vermutet. Vielmehr muß man 
sich fragen, ob nicht im gesamten 
System der Wurm drinsitzt. 
Peter Füßl 
Fahrlässigkeiten beim Betrieb. 
Folgerichtig werden auch der AKW- 
Direktor und der zuständige Poli 
zei-General als Vertreter dieses 
Systems zur Verantwortung gezogen. 
Das Stück spielt in den ersten Ta 
gen nach dem Unglück in einer Spe 
zialklinik, in der die todgeweih 
ten Opfer ihre letzten Tage ver 
bringen: ein Kraftwerkstechniker, 
ein Feuerwehrmann, ein Physiker, 
aber auch eine Bäuerin und ein 
kleiner Dieb, der sich gerade in 
der Gegend befand, als das Ding 
hochging. 
Allerdings bleibt Gubarew auf die 
Pro-Atom-Linie eingeschworen und 
glaubt, die Technologie sei nach 
perestroika beherrschbar. Außerdem 
hat er die sowjetischen Strahlen 
kliniken für die besten zu halten 
und den amerikanischen Strahlen 
spezialisten Kaie zu beauftragen, 
den amerikanischen Hochrüstungs 
wahn zu drosseln, damit nicht der 
ganze Erdball zun Sarkophag werde. 
Ganz hat der gute Gubarew die Lage 
wohl doch nicht überblicken dürfen. 
Peter Füßl
	        

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