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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08
Veröffentlichungsjahr:
1987-08-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_08

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Bracharz, Kurt
Titel:
Ich bin noch immer Dalinist
Beteiligte Personen:
Bracharz, Kurt

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Interview mit Landesrat Dr. Guntram Lins
  • Ich bin noch immer Dalinist
  • Cicerone der Conditio Humana oder: Das Belichten der Lage
  • Magazin
  • Mundtot
  • Der literarische Beitrag: Wolfgang Hermann - Die Minimale Welt
  • Blintimus Blinsky mit den Schwarzen bei den Schwarzen
  • Konservative Kunst: 14 Tage lang präsentieren 14 Künstler
  • Die vorletzte Seite

Volltext

KULTUR 
9 
man aus seinen Büchern noch in Er 
innerung hat; Enzensbergerlyrik 
ist immer gut und wird hier von 
einer als Spinne kostümierten Frau 
mitten im Netz vorgetragen; dem 
Publikum gefällt's. Der Andrang 
auf den altbekannten Schmäh mit 
den in jedem Gadgetladen erhältli 
chen Liebesthermometem, insze 
niert von Rebecca Horn, ist mir 
allerdings unverständlich. (Viel 
leicht müßte man sich an jenen 
Kritiker U.I. der "Neuen Zürcher 
Zeitung" wenden, der am 1.9.87 in 
seiner Besprechung der Zürcher 
Ausstellung in der Galerie Elisa 
beth Kaufmann schrieb: "Die ele 
ganten Kunstspielzeuge der "Ther- 
ncmetres d'amour" sind narrensi 
cher, wenn auch zerbrechlich." 
Aha! Offenbar hat dieser Narr eine 
Temperaturmessung zusammenge- 
bracht, bevor er eines zerbrochen 
teilung einkauft, wird immer ein 
Rätsel bleiben), aber in der Se 
cession präsentierte sich die 
"Junge Scene 87" mit Videos - ich 
hätte als Titel "10 lustige Wege, 
seinen Fernseher zu verkleiden" 
vorgeschlagen, das hätte es auch 
getroffen. Es gab Fernseher als 
Liegen, Aquarien, Skulpturen usf. 
Albert und Friedl Winkler teilten 
mit: "Kunst = Cash", aber das wuß 
ten wir schon. Ein paar Sachen wa 
ren ganz nett, und das ist das Be 
ste, was sich über Videokunst im 
allgemeinen sagen läßt. Ein paar 
Namen, damit nicht der Eindruck 
entsteht, ich könnte nur die Be 
rühmtheiten im Kopf behalten: Gu- 
drun Bielz und Ruth Schnell, Totnny 
Schneider, Renate Kordon, Elisa 
Rose (die Auswahl ist willkür 
lich). 
hat.) Da man zwanzig Mark pauschal 
Eintritt zahlt und danach alles 
frei benützen kann, kommt man auch 
noch billiger davon als auf einem 
üblichen Rimnelplatz; also nichts 
gegen "Luna Luna", Heller hin oder 
her. 
Ein Sprung nach WIEN: die "Medu 
sa-Ausstellung war schon vorbei, 
gottlob, hier müßte ich weit aus- 
holen (ich war im April dort gewe 
sen, aber bei weitem nicht so be 
eindruckt wie die guten Leutchen 
von SPIEGEL beispielsweise - warum 
sich der keine bessere Kulturab 
Ein Stück interessanter dann 
"Überall ist Entenhausen" im Pa 
lais Palffy, weil die Berechtigung 
des Titels belegt wurde. Der Dis 
ney Konzern hat wirklich überall 
seine vier Finger pro Hand drin, 
und Donald Duck wird noch gelesen 
werden, wenn sich keiner mehr er 
innern kann, wer Leopold Bloom ist 
(falls Sie sich jetzt schon nicht 
mehr erinnern können: der Prota 
gonist in Joyces "Ulysses"). Die 
Ausstellung, von einer westdeut 
schen Kunsthochschule gestaltet, 
lebte hauptsächlich von Genrebil 
dern wie "Entenhausener Punks", 
"Klarabella am Strich", "Donald 
als Fixer", "Mickey als Penner" 
und den klassischen Paraphrasen, 
wie sie allerdings schon von 1941 
bis 1946 in den Disney-Studios 
selbst produziert und in der Illu 
strierten LIFE von 16.4.1945 re 
produziert wurden: waren es damals 
"Madonna Duck" von Leonardo da 
Vinci, "Ente mit Handschuh" von 
Frans Hals, "Der Quaker" von Greco 
oder "Donalds pfeifende Matter" 
vom (pardon, von) Whistler, so ha 
ben die BRD-Epigonen nunmehr für 
Micky Mouse a la Bacon, Van Gogh 
russischer Revolutionskunst etc. 
gesorgt, aber all das ist witzig 
gemacht und clever präsentiert und 
- sehr gut besucht.. 
Einen ganz alten Bekannten fand 
ich zu meiner Verblüffung vom 
Kunsthändler Hubert Klocker im 
ersten Bezirk präsentiert: Otto 
Muehl scheint doch wieder die 
Kleinfamilienwichtel als Publikum 
anzuvisieren. Damit ist er nach 
einer 30jährigen Rundreise wieder 
am Ausgangspunkt angelangt. Ich 
zitiere Josef Dvorak aus dem "Neu 
en Forum" 230/231 vom März 1973: 
"Eigentlich hat es damit begonnen, 
daß ich im ersten Jahr meines 
Theologiestudiums, es war 1952, 
auf der Wiener Kunstakademie einem 
Mann begegnet bin, der sich abmüh 
te, auf einem Podium völlig unin 
teressante Gegenstände zu gruppie 
ren, um sie dann abzumalen. Aber 
es klappte nicht so recht. Darum 
gruppierte er wieder um und ver 
suchte es noch einmal. Wieder 
nichts. Und so fort. Dabei kratzte 
er sich ständig - aus lauter Ver 
zweiflung - am Schwanz. Der Mann 
war Otto Muehl und was er produ 
zierte, war synthetischer Kubis 
mus. Ich sah mir den Mann an und 
dachte: 'Er sieht debil aus, aber 
ich bin überzeugter ist es nicht. 
Jedenfalls mußt du dir den Mühl 
merken.'" Von einer "Rundreise" 
habe ich oben deshalb geschrieben, 
weil Maehl ja in seiner Biographie 
lange Zeit "die Zerstörung des ta- 
felbilds" 1961 als bedeutende 
ästhetische Tat ausgab. Jetzt pin 
selt er doch wieder, "Unfälle im 
Haushalt" und poppige Porträts. 
Ein Besuch in Südtirol: Zufällig 
sah ich Graphik von Vedova in LANA 
(bei Bozen). Das war eine soge-
	        

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