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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08
Veröffentlichungsjahr:
1987-08-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_08

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Gappmayr, Heinz
Titel:
Konservative Kunst: 14 Tage lang präsentieren 14 Künstler
Beteiligte Personen:
Gappmayr, Heinz

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Interview mit Landesrat Dr. Guntram Lins
  • Ich bin noch immer Dalinist
  • Cicerone der Conditio Humana oder: Das Belichten der Lage
  • Magazin
  • Mundtot
  • Der literarische Beitrag: Wolfgang Hermann - Die Minimale Welt
  • Blintimus Blinsky mit den Schwarzen bei den Schwarzen
  • Konservative Kunst: 14 Tage lang präsentieren 14 Künstler
  • Die vorletzte Seite

Volltext

KULTUR 
29 
Je plumper die Schachteln sind, in die einge 
ordnet wird, umso größer das Bedürfnis nach 
einem sensationellen Erlebnis. Je öfter das 
unangenehme Leeregefühl nach der Sensation 
erlebt wird,desto höher muß die Dosis des au 
ßerordentlichen Gefühls sein, die einverleibt 
wird.So steigern sich dann Erwartung und Ent 
täuschung bis zum Überdruß, und ein mangeln 
des aktives Lebensinteresse ist die Folge. 
Ein konservativer Gedankenansatz ist es nun, 
Auslöser für gedankliche Aktivität anzubie 
ten. Dieses Sandkastenspiel auf möglichst 
vielen verschiedenen Ebenen kann Kunst sein; 
Kunst nicht nur als Reizmuster, sondern als 
überraschendes Hervorlocken von Gedankenzu- 
sannmenhängen. Um dies zu erreichen ist eine 
konstruktiv-ethische Grundhaltung notwendig, 
und diese ist inzwischen konservativ. Fort 
schrittlich wäre eine bis zur Egozentrik ge 
steigerte Selbstverwirklichung oder auch 
Selbstdarstellung. Deshalb ein Bekenntnis zu 
Bereichen des Begriffs "konservativ". 
UWE DICK, ein Schriftsteller aus Bayern, un 
tersucht in seinen Arbeiten Zusammenhänge 
zwischen "starkdeutscher" Sprache und "stark 
deutschem" Denken und Handeln. Er will Ein 
fühlungsvermögen wecken - durch Sprache auf 
decken und zum Entdecken führen. 
FRIA ELFEN, eine Burgenländerin, hebt Schich 
ten von Bilder ab und zeigt das Übereinan- 
derlagem von Projektionen. Sie zeigt, wie 
wir uns Bilder und Sprache machen, und inte 
griert mit ihren Plakataktionen Kunst in un 
sere täglichen Seh-Erlebnisse. 
LILI FISCHER, seit ''West-Kunst" und "von hier 
aus" sowie der documenta 8 spätestens bekannt 
mit Aktionen und deren Resten sowie Objekten. 
Sie entdeckte unter anderem die Gewürze als 
Kreativsubstanzen und kleine "Alltagstätig- 
keiten" als Transportmittel für mehr oder we 
niger bewußte Kommunikation. 
HEINZ GAPPMAYR ist ein sehr scharfer und in 
seinen Arbeiten sehr asketischer Diagnostiker 
von Sprache und deren Konserven in graphi 
scher Form. Er ist einer der Altmeister der 
Visuellen Poesie und lebt in Innsbruck. 
RUTH UND GERT GSCHWENDTNER leben in Feldkirch 
und gehen dort weiter den Studien von Schrift 
und Schriftresten als Gedankenspuren nach. 
Sprache und nicht nur wortgebundene Sprache 
dient als Werkzeug und gleichzeitig als Meß 
instrument . 
GEORG JAPPE ist einer der wesentlichen Kunst 
theoretiker, der es gleichzeitig versteht, 
seirte außerordentlich differenzierten Gedan 
ken in ebenso subtiler Weise sedimentartig 
auf Blättern zu Bildobjekten abzulagem. 
LIEBA JAPPE ist gewissermaßen eine Meta-Bild- 
hauerin, indem sie große und kleinere Perfor 
mance-Kompositionen arrangiert und dazu bei 
trägt, daß Kunstwerke wie Performances über 
haupt stattfinden können. Sie hat den Perfor 
mance-Teil der documenta 8 organisiert. 
KURT MATT TANNENSTÜCK GETEILT, 1987 
KURT MATT aus Bregenz ordnet und isoliert die 
wechselseitigen Einflüsse von Mensch und Na 
tur.Diese Protokolle der Einwirkung sind ein 
drucksvolle Zeichen einer nicht-wortgebunde 
nen Sprache. 
JÜRGEN OLBRICH saust wie ein "agent provoca 
teur" in die sprachlichen Wirrnisse von Kunst 
und Umgebung und zieht mit Ironie bald an 
dieser Brille, bald an jener graphischen 
Maske. 
GERHARD RÜHM formt und knetet im Bild-Sprach 
lichen Zwischenbereich und es entstehen poe 
tische und bissige, humorvolle und saftige, 
jedenfalls aber "hinterkünftige" Formationen. 
HINRICH SACHS findet vor und arrangiert. Sei 
ne Arbeiten verlangen meist ein schnelles 
Überblicken, und nur im Kopf können sie mit 
genommen werden. Blumenbuchstaben in einem 
Teich zerfließen und bilden neue eigene Ma 
ster; gepflanzte Blumenschriften wachsen je 
des Jahr neu und selbständig verändert aus 
dem Boden. 
K. B.SCHAU FIELEN konfrontiert Wort- und Bild 
sprache und legt dadurch unentdeckte Sinnge 
halte frei. An zahlreichen Ausstellungen u.a. 
documenta/Kassel, Biennale/Venedig war er 
vertreten. 
Der alphabetisch letzte ist der Meraner MAT 
THIAS SCHQNWEGER, der sich nicht nur zwischen 
den Graphen der deutschen Sprache, sondern 
auch zwischen den Zeilen der italienischen 
bewegt. Der Bereich zwischen deutsch und ita 
lienisch wurde ihm als Südtiroler zu einem 
kreativen Zwischen-Raum. 
Diese Künstler geben sich den feinen Auge als 
konservativ zu erkennen; es bleibt zu hoffen, 
daß ihre Arbeiten nicht durch das grobe Sieb 
der Wahmehmenden fallen. 
/ t 
HEINZ GAPPMAYR 1984
	        

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