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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08
Veröffentlichungsjahr:
1987-08-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_08

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Bracharz, Kurt
Titel:
Ich bin noch immer Dalinist
Beteiligte Personen:
Bracharz, Kurt

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-08
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Interview mit Landesrat Dr. Guntram Lins
  • Ich bin noch immer Dalinist
  • Cicerone der Conditio Humana oder: Das Belichten der Lage
  • Magazin
  • Mundtot
  • Der literarische Beitrag: Wolfgang Hermann - Die Minimale Welt
  • Blintimus Blinsky mit den Schwarzen bei den Schwarzen
  • Konservative Kunst: 14 Tage lang präsentieren 14 Künstler
  • Die vorletzte Seite

Volltext

10 
KULTUR 
nannte Entdeckung, nicht Vedova 
selbst, der ja nicht gerade unbe 
kannt ist, aber die Tatsache, daß 
manchmal eben doch ein etablierter 
und bekannter Künstler etwas 
Kraftvolles und Beeindruckendes 
macht, obwohl alle Welt von ihm 
eigentlich nur noch milde & reife 
Alterswerke erwartet und damit 
vollauf zufrieden wäre. Ich erspa 
re mir ein Wortspiel mit einen 
"alten Wilden" oder sowas. 
Parallel dazu lief eine Ausstel 
lung "Wiener Video", die sogar von 
Oberhuber persönlich eröffnet wor 
den sein soll, ich gab mir unge 
fähr eine Stunde für die dort 
laufenden Bänder, während ich auf 
den Beginn eines Vortrags von Va 
lentin von Braitenberg wartete, 
und kann nur sagen: Werbefernsehen 
ist kreativer. Aber schließlich 
werden die alle auch noch dort 
landen, bei den "Kreativen" der 
Werbung. Diesmal gelang es mir 
nicht, mir einen Namen zu merken, 
aber Graf/Kowanz war jedenfalls 
mit von der Partie. (Helmut Drax- 
ler über Brigitte Kowanz: "Der 
Blick des Panthers lenkt ins blaue 
Herz und öffnet neue, imaginäre 
Räume. Die Identität von Bild- und 
Fensterrahmen gewährt Sicherheit 
und Beständigkeit; im Ineinander 
von Auf- und Durchsicht, von Mond- 
und Sonnenlicht, von Physiognomie 
und Material versteift und verfe 
stigt sich die Oberfläche nun zu 
sehends, wird zur samtigen, ledri- 
gen, seidenen, sandigen, milchi 
gen, strahlenden Bildhaut, zur 
neuen Projektionsfläche der Begeh 
ren und zum Widerstand gegen das 
Ich." (Kunstforum Bd. 89, S.119, 
aber die meisten anderen Texte 
sind auch so.) 
Im Wappensaal des Schlosses auf 
der Insel MAINAU konnte man Kalli 
graphien der in der Nähe von Basel 
lebenden Japanerin Sanae Sakamoto 
kaufen; solche Zen-Kunst versteht 
sich zwar primär als Handwerk und 
ist mühsamst zu erlernen, ermög 
licht und verlangt dann aber im 
Rabmen des traditionellen Formen 
kanons höchste Spontaneität des 
Strichs; und Frau Sakamoto fügt 
den Tuschzeichnungen gelegentlich 
kleine Applikationen zu, über die 
Basho sehr gelacht hätte. 
In ZÜRICH gab’s im Kunsthaus einen 
"Stillen Nachmittag", Untertitel: 
Aspekte Junger Schweizer Kunst. 
Auf dem Handzettel las man: "Stil 
ler Nachmittag" drückt, als ver 
allgemeinertes Fazit, die Stinmung 
einer relativen Konsolidierung der 
Kunst aus, einer Rückbesinnung auf 
die eigenen Mittel nach der 'Auf 
bruchstimmung 1 zu Beginn dieses 
Jahrzehnts - in Betrachtung einer 
schweizerischen Kunstlandschaft 
wiederholt in Zusammenhang mit der 
"Zürcher Bewegung" gebracht." Re 
lative Konsolidierung - der Jargon 
der Kunstbörse trifft die Verhält 
nisse nur zu gut: kunstgewerbliche 
Objekte aus Brobdingnag (eine 
wandgroße Keramikschale voll grü 
ner Eidechsen), Dada in homöopa 
thischer Verdünnung (realistische 
Kleinplastiken aus schwarzem Gum 
mi) etc. Natürlich auch Video. 
"Zur Ausstellung gelangt das, was 
uns gegenwärtig und für die kom 
mende Zeit innerhalb eines ausge 
sprochenen Stilpluralismus tragfä 
hig und vorbildlich erscheint." 
Hoffentlich haben sich die Aus 
steller geirrt! 
Als Gegengift sah ich mir die 
Berchtold-Retrospektive in BREGENZ 
an. Den Worten v^iser Männer 
(Sandtner, Hirn, Breicha, Fink) 
habe ich hier natürlich nichts 
mehr hinzuzufügen, deshalb nur ein 
allersubjektivster Eindruck: Re 
trospektiven sind immer eine gün 
stige Gelegenheit, das Fehlurteil 
zu revidieren, man habe das Werk 
schon gekannt. Ich wurde jeden 
falls ein paarmal überrascht. 
Zuletzt fuhr ich nach VADUZ, zur 
Da li-rAus Stellung. Die ist zwar 
schon in der letzten KULTUR rezen 
siert worden, aber nur kurz. Und 
wenn ich Dali schon mal einen Ge 
fallen tun kann.(2). Ausgestellt 
ist einerseits eine Menge Graphik 
von jener Sorte, bei der man au 
genblicklich daran denken muß, daß 
es der göttliche Salvador war, der 
dem Kunstmarkt auf diesen Sektor 
beinahe den Todesstoß versetzt 
hat. Dali, der Meister des Signie- 
rens (angeblich 1800 Blatt pro 
Stunde), hat ja auch Blanko-Bögen 
mit seiner Unterschrift versehen, 
der französische Zoll fand mal 
40 000 davon, worauf [felis Anwalt 
behauptete, das seien alle Blanko 
signaturen, während Peter Moore 
deren Anzahl auf 350 000 schätzte: 
wer danach und nach der Lektüre 
von Meryle Secrets neuem Buch über
	        

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