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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
Year of publication:
1987-06-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_06

Article

Structure type:
Article
Author:
Fink, Norbert
Title:
Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
People involved:
Fink, Norbert

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
  • Title page
  • Contents
  • Fremdenverkehr - befremdlich verkehrt
  • Allgemeine Anmerkungen zur Veränderung der Volks-Kultur durch den Massentourismus
  • Ing. mit Mag. Sieghard Paier
  • Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
  • Blintimus Blinsky läßt aufheulen
  • "Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
  • Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
  • Neue Dornbirn-Publikationen
  • Kein Denkmal für Sisyphus errichten
  • Platentips: Tödliche Waffen!
  • Reaktionen
  • Interview mit Sarah Kirsch
  • Filmnotizen
  • Der literarische Beitrag: Florentine Stock "Berliner Zeiten"
  • Magazin

Full text

KULTUR 
25 
Preis gespielt werden muß. Akzep 
tiert das Kino die Bedingungen des 
gesamten Paketes nicht, so erhält 
er keinen einzigen Film von diesem 
Verleih, im gnädigsten Fall noch 
Ladenhüter. Auch kann eine Prolon 
gationspflicht damit verbunden 
sein, sollte ein Film erfolgrei 
cher als erwartet angekcmmen sein. 
Dieser Zwang, schlechte Filme 
zeigen zu müssen, um an die guten 
heranzukommen, führte zur Errich 
tung der Kinocenter mit der Mög 
lichkeit, die besucherstarken Fil 
me im großen Saal, die anderen in 
den entsprechenden Schuhschachteln 
zu spielen. So standen sich also 
risikofreudige Kinountemehmer mit 
den neuen Kinocentem und manchmal 
technisch guter Ausstattung wie 
Dolby-Stereo-Ton, den alten, viel 
zu großen und teuer zu beheizenden 
Kinopalästen gegenüber, wobei die 
ersten die Hypothek hoher Schul 
den, die letzteren jene geringe 
rer Flexibilität und unrationeller 
Betriebskosten zu tragen hatten, 
was zwangsläufig zu großen finan- 
auch zum Austausch der Manager und 
zu einem neuen Machtkampf unter 
einander. Im Zuge dieser Intrigen 
verlangen nun die Verleiher vom 
Forsterkino, am Samstag um 18 Uhr 
ziellen Krisen führte. Die Finanz 
krise des Dombimer Cinema 2000 
z.B. wollte ein Verleiher dazu 
ausnützen, eine Monopolstellung 
aufzubauen, und dagegen wehrte 
sich sogar die Konkurrenz, natür 
lich mit dem Erfolg, daß nun beide 
Dombimer Kinos von diesem Ver 
leih nie mehr einen Film bekommen, 
worüber sich natürlich das Bre 
genzer Metrokino freute, welches 
imstande war (da es ja inzwischen 
drei Räume gebaut hatte) die Staf 
felbedingungen dieses Verleihers 
zu erfüllen und so fast eine Mono 
polstellung für einen Verleih ein- 
nirnrnt. 
Zu dieser Unruhe auf dem Markt 
kommen nun Gerüchte um eine Um 
strukturierung amerikanischer mul 
tinationaler Verleiher, so soll 
Warner-Columbia in Hinkunft wieder 
getrennt als Warner Brothers bzw. 
Em-Columbia auf treten, und auch 
die Disney-Studios wollen neue Di 
stributoren. Dies führt natürlich 
verdrängt zu werden, weniger tra 
gisch und nicht so existenzbedro 
hend, als die vollkommene Elimi 
nation eines gewohnten Spieltermi 
nes. 
Nach Problemen mit der Filmzensur, 
mit der Kriegsopferabgabe und der 
Kulturförderung sollte der gewalt- 
auch ihre guten amerikanischen 
Filme zu zeigen, statt die Minder 
heitenwünsche des ZOCM-Pub 1 ikums 
zu befriedigen. Geht das Kino die 
se 'Vereinbarung" nicht ein, so 
bekommt es eben - schlicht und 
ergreifend - keine Filme mehr. 
Die Verleiher ihrerseits behaup 
ten, daß auch sie wiederum von den 
Produzenten Vorschriften über den 
same Tod des Cineclub Zoom für 
Presse, Publikum und alle Kultur 
verantwortlichen ein Alarmsignal 
sein und Ansporn, vielleicht doch 
noch eine Lösung zu finden. Jeden 
falls wünsche ich mir, daß Versu 
che der Verleiher, Strohmänner zu 
finden, welche in ihnen genehmen 
Kinos "Filmclubs" errichten, durch 
Boykott des Publikums im Keim er 
stickt werden. Den potentiellen 
Kinobesuchern wird deshalb empfoh 
len, sich in St .Gal len umzusehen. 
Verleih der Filme beachten müssen, 
die etwa so ausschauen: der neue 
James-Bond-FiIm (z.B.) bekommt ein 
Kino nur dann, wenn dieser Film 14 
läge lang in allen Vorführungen 
des Kinos gezeigt wird. 
Für Filmclubs nach dem Vorarlber 
ger Muster ist also immer weniger 
Luft, und die Überlebenschance ei 
nes autonomen Filmclubkinos, wel 
ches ausschließlich Filmclubpro- 
grantn macht, wie etwa der Inns 
brucker Cinematograph, das KINO in 
Salzburg usw. ist doch recht ge 
ring. 
Der FKC leidet im Prinzip unter 
denselben Problemen und wird von 
denselben Verleihern boykottiert 
wie der Cineclub ZOOM, was in den 
letzten Jahren dazu führte, daß 
beide Filmclubs mit etwas zeitli 
cher Verschiebung und einer gewis 
sen Akzentuierung dieselben zur 
Verfügung stehenden (wenigen) Fil 
me zeigten. Allerdings ist das 
Schicksal des FKC, ca. 10 x jähr 
lich auf den Nachttermin 21.30 Uhr 
Abschließend möchte 
ich natürlich noch 
betonen, daß alles, 
was Sie hier geles 
en haben, frei er 
funden ist. Eine 
Ähnlichkeit mit den 
Verleihpraktiken in 
Österreich wäre 
rein zufällig! 
Norbert Fink
	        

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