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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
Year of publication:
1987-06-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_06

Article

Structure type:
Article
Author:
Fink, Norbert
Title:
Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
People involved:
Fink, Norbert

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
  • Title page
  • Contents
  • Fremdenverkehr - befremdlich verkehrt
  • Allgemeine Anmerkungen zur Veränderung der Volks-Kultur durch den Massentourismus
  • Ing. mit Mag. Sieghard Paier
  • Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
  • Blintimus Blinsky läßt aufheulen
  • "Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
  • Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
  • Neue Dornbirn-Publikationen
  • Kein Denkmal für Sisyphus errichten
  • Platentips: Tödliche Waffen!
  • Reaktionen
  • Interview mit Sarah Kirsch
  • Filmnotizen
  • Der literarische Beitrag: Florentine Stock "Berliner Zeiten"
  • Magazin

Full text

24 
KULTUR 
die 
UND DI 
/ER 
ZKIN 
Am 27.6.1987 soll zum letzten Mal 
im altehrwürdigen Bregenzer For- 
sterkino eine Vorstellung des 
"CINECLUB ZOOM" stattfinden. Grund 
für dieses Begräbnis ist nicht et 
wa mangelndes Publikumsinteresse 
oder Ermüdungserscheinungen des 
Vereinsvorstandes, sondern knall 
harte Bedingungen der multinatio 
nalen Verleiher, welche dem For- 
sterkino nur noch dann Filme lie 
fern wollen, wenn sie auch just an 
jenem Termin gespielt werden, an 
dem seit 1979 die Cineasten ihren 
fixen Platz hatten. 
Da die Initiative des ZOOM, viel 
leicht verbunden mit mikroprovin 
ziellem Konkurrenzdenken, auch 
mich Im Jahre 1980 dazu angeregt 
hat, den FKC Dornbirn zu gründen, 
möchte ich die Hintergründe dieser 
höchst bedauerlichen Entwicklung, 
welche letztlich alle freien und 
unabhängigen Filmclubs bedroht, 
aufzeigen. 
Früher, in der guten alten Zeit, 
konnte ein Kinobetreiber sich sei 
ne Filme noch selbst aussuchen und 
es gab viele Verleiher. Hatte er 
eine Konkurrenz in der Stadt, so 
bemühten sich natürlich beide um 
die aktuellen großen Filme und 
teilten sich die "großen Brocken", 
bzw. stimmten das Programm aufein 
ander ab. So sollen sich die bei 
den früheren Kinobesitzerfamilien 
Dombims (Weltlichtspiele und 
Kammerlichtspiele) gar feierlich 
zu großen Premieren eingeladen 
haben. Kurzum, es gab genügend 
Besucher, genug Filme und ein 
friedliches Konkurrenzverhältnis. 
Leider ist jedoch der Kinobetrei 
ber meist ein Kaufmann, der nicht 
so recht weiß, was er verkauft, im 
Gegensatz zum Fleischer, der sich 
tatsächlich mit seiner Ware auch 
auskennt - gilt es ja nur die 
kaufmännische und technische Ab 
wicklung durchzuführen. So wurde 
es den Kinobetreibem allmählich 
zu dumm, sich selbst die Filme 
auszusuchen; das Gewerbe wurde 
auch immer härter, sei es wegen 
des aufkommenden Fernsehens oder 
wegen der Sexfilme, die nur in 
Deutschland gezeigt werden durf 
ten. 
f ■ > - '•üc-.' , ' . . 1p% : 
So schlossen sich mehrere Provinz 
kinos in einer "Kinogenossen 
schaft" zusammen, welche die Kinos 
zentral zu programmieren anbot. 
Den wichtigen Verleihern konnte 
das ja nur recht sein, wanderten 
ihre Filme nun doch nach einem ra- 
.** *» 
tioneilen Plan in alle noch beste 
henden Provinzkinos, nachdem sie 
in den Hauptstädten ihre Premiere 
und die ersten Kratzer bekommen 
hatten. So ganz unbemerkt verloren 
nun aber die Kinos die Möglich 
keit, selbst zu bestimmen, wann 
welcher Film in ihrem eigenen 
Hause gespielt wird. Natürlich 
umwarben nun die Großen im Ge 
schäft diese Genossenschaft, wäh 
rend die Kleinen kaum eine Chance 
hatten. Dies führte zu einer Ver 
armung des Angebotes in der Pro 
vinz, andererseits aber auch zur 
Gründung der Filmclubs als Gegen 
bewegung. 
Schon bei der Gründung der Film 
clubs galt die sogenannte "Dop- 
pelprogrammregel", welche es einem 
Kino untersagt, mit Ausnahne von 
Kinderfilmen am Nachmittag und 
Sexfilmen im Nachtprogramm an ei 
nem Spieltag zweierlei Hauptfilme 
zu zeigen oder die übliche Spiel 
folge zu unterbrechen. D.h. ein 
Kino, welches üblicherweise um 16, 
18 und 20 Uhr Vorstellungen hat, 
darf zwar um 14 Uhr einen Kinder 
film und um 22 Uhr einen Sexfilm 
zeigen, nicht aber um 18 Uhr einen 
anderen Film als um 20 Uhr. 
Da das Forsterkino traditionell 
nie am Samstag um 18 Uhr Filme 
zeigte, traf dieser Grundsatz nie 
auf den Cineclub ZOOM zu, und in 
den früheren Jahren akzeptierten 
alle Verleiher diesen Spieltermin. 
Damals war es höchstens für die 
Filmclubs schwierig, aktuelle Fil 
me zu bekommen, doch war der Nach 
holbedarf an guten älteren Werken 
ohnehin noch nicht befriedigt. 
Manche Verleiher konnten ja sehr 
froh sein, daß die Filmclubs jene 
Filme zeigen, welche sonst nicht 
so begehrt sind. Auch gab es ganz 
seltene Lichtblicke eines Lempro- 
zesses, bei denen Verleiher zuge 
ben mußten, daß eine ehrliche 
zielgruppenorientierte Werbung bei 
Cineastenfilmen mehr Besucher 
bringt als ein Sensationsgeschrei, 
etwa wenn mit dem Markennamen FEL 
LINI geworben wurde anstatt mit 
der Ankündigung besonders großer 
Frauenbrüste (die zwar Federico 
auch nicht verachtet). 
Mit der zunehmenden Monopolisie 
rung und dem Sterben vieler klei 
ner Verleiher wurde auch das Staf 
felungswesen eingeführt. Ein Kino 
kann sich von einem Verleiher lan 
ge vorher eine ganze Liste Filme 
reservieren lassen, und für jene 
Orte mit zwei Kinos gibt es zwei 
ähnliche attraktive Staffeln. Dies 
mag für manches Kino recht bequem 
sein, hat aber die kleine Neben 
wirkung, daß man eine ganze Staf 
fel (ca. 12) Filme kaufen muß, um 
zu einem guten Zeitpunkt einen 
einzigen wirklich gewollten Film 
zu erhalten. Dabei schreibt der 
Verleiher genau vor, welcher Film 
an welchem Tag, wie oft, wieviel 
Mal wiederholt und zu welchem
	        

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