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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
Year of publication:
1987-06-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_06

Article

Structure type:
Article
Author:
Gschwendtner, Gert/Ruth
Title:
Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
People involved:
Gschwendtner, Gert/Ruth

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
  • Title page
  • Contents
  • Fremdenverkehr - befremdlich verkehrt
  • Allgemeine Anmerkungen zur Veränderung der Volks-Kultur durch den Massentourismus
  • Ing. mit Mag. Sieghard Paier
  • Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
  • Blintimus Blinsky läßt aufheulen
  • "Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
  • Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
  • Neue Dornbirn-Publikationen
  • Kein Denkmal für Sisyphus errichten
  • Platentips: Tödliche Waffen!
  • Reaktionen
  • Interview mit Sarah Kirsch
  • Filmnotizen
  • Der literarische Beitrag: Florentine Stock "Berliner Zeiten"
  • Magazin

Full text

KULTUR 
19 
Die dem Preisgericht angehörenden 
Politiker trifft der Vorwurf, daß 
sie diesen Aspekt nicht erkannt 
und es unterlassen haben, auf ei 
ner ordnungsgemäßen Abwicklung des 
Verfahrens zu bestehen. 
Mag. arch. Hans Purin 
Bregenz/Kennelbach 
EINE LANDESGALERIE IN VORARLBERG! 
- auch für uns eine bedenkenswer 
te Einrichtung. Unter Galerie wird 
im allgemeinen Sprachgebrauch eine 
Institution verstanden, die nach 
einem mehr oder weniger straffen 
Konzept aus kommerziellen oder 
ideellen Gründen Werke von Künst 
lern anbietet und feilhält. Eine 
Landesgalerie könnte als staatli 
ches Unternehmen einen eher ide 
ellen und weniger kunstmarktorien 
tierten Weg einschlagen, da der 
Charakter eines Gemeinwesens eher 
gemeinnützig als merkantil ist. 
Auf Grund der bestehenden Diskus 
sion tauchen Fragen auf wie: ist 
es das leerstehende Gebäude, das 
einer Nutzung bedarf? - oder sol 
len vorhandene Bilder in einem be 
stimmten Turnus gezeigt werden? - 
oder besteht Bedarf an Ausstel 
lungsflächen? 
Als frei Schaffende sind wir 
selbstverständlich der Meinung, 
daß es nie genug Ausstellungsflä 
chen geben kann! Jedoch bedarf ei 
ne Galerie der Pflege und Füh 
rung. Eine Galerie ist keine Kon 
serve zur Repräsentation persönli 
cher Macht oder getätigter Inve 
stitionen. 
Das Wichtigste an einer Galerie 
ist ein Leiter, der die Tendenzen, 
die kulturelle Entwicklung und 
Struktur einer Region, eines Lan 
des, ja international verfolgt und 
überblickt, jemand der fähig ist, 
Querschnitte des aktuellen künst 
lerischen Schaffens der Bevölke 
rung nahe zu bringen. Die Aufgabe 
einer Landesgalerie ist es, Forum 
zu sein und nicht Musentempel. 
Vielleicht wären sogar die eventu 
ell vorhandenen Gelder am besten 
eingesetzt, wenn dezentral in grö 
ßeren Orten Vorarlbergs Ausstel 
lungen mit Arbeiten von interna 
tionalem Standard gezeigt würden, 
und diese durch den bezahlten Lan 
desgaleristen didaktisch aufberei 
tet würden. Wir erinnern an den 
ausdrücklichen Schwerpunkt der 
DOCUMENTA 87, die vermittelnde 
Aufbereitung von Documenta-Zeitung 
und -Katalog, sowie das Ausstel 
lungskonzept . 
Übrigens verfügt Bregenz bereits 
über beste Ausstellungsmöglichkei 
ten, siehe das Palais Thum und 
Taxis. Warum also nicht ein be 
scheidener Ausbau in Feldkirch? 
Lieber lebendige, vielgestaltige, 
flexible Kulturarbeit als die zen- 
BimiMÜS 
BllNSKY 
läßt aufhe 
Alle heulen auf. Die Grünen heulen 
auf,wenn wir ein klein bitzle noch 
etwas bauen wollen, die Roten heu 
len auf, wenn man den Kalturigen 
ein klein bitzle eine Zensur auf 
erlegen will, die Blauen heulen 
auf, wenn ein hoch verdienter Hö 
herer noch ein klein bitzle etwas 
dazuverdienen will. Nicht so Blin- 
timus Blinsky.Ich lasse aufheulen. 
Dazu dienen mir, in alphabetischer 
Reihenfolge, ein Jaguar,eine Moto 
crossmaschine, ein Motorboot, ein 
Rasenmäher und ein Sportflugzeug. 
Derzeit macht es mir eine besonde 
re Vergnüglichkeit, das Bodensee 
wässerchen zu trüben. Ich bin näm 
lich einer dieser unzähligen Mo 
torbootkobolde, die jetzt wieder 
Leben auf den langweiligen See 
bringen und schillernde Ölteppiche 
auslegen und Ohrenschmauskonzerte 
über die Bodenseewogen dröhnen 
lassen und den Weitschwimmem um 
die Ohren tosen und Motorgaswolken 
in die Nasen blasen. Hei, sind wir 
Motorkobolde nicht ein munteres 
Volk! Und obwohl man uns von allen 
Seiten an den Kragen will, werden 
wir immer mehr. Und niemand weiß, 
wie wir uns heimlich so unheimlich 
vermehren, hihi! Vielleicht weil 
der Papst die Motorbootkoboldskon- 
dome verboten hat? Oder weil so 
viel Kunstdünger und Klärschlamm 
überfluß in den See fließt, daß 
die Kobolde ins Kraut schießen? 
Ratet selbst! 
Sicher ist, daß immer mehr Men 
schen Aufheulungen benötigen, denn 
Aufheulen oder Aufheulenlassen ist 
Abreagieren, und abreagieren muß 
man sich doch können, wenn rings 
um einen herum immer aufgeheult 
und aufheulen gelassen wird. Oder 
soll ich mich etwa ganz primitiv 
dem Suff ergeben und eigenhälsig 
grölen? 
Falls Sie in ein anderes Land auf 
Urlaub fahren, denken Sie daran, 
daß nur wir eine hochstehende Kul 
tur haben und diese primitiven 
Menschen nur darauf warten, von 
uns belehrt zu werden. Nehmen Sie 
doch ein Exemplar der "Kultur" 
mit! Übrigens: Wenn Sie in Tune 
sien einen auf einem Kamel reiten 
sehen, der bin dann ich. 
tralistischen und habgierigen 
Denkfehler von München, Wien und 
Mailand fortsetzen. 
Gert/Ruth 
Feldkirch
	        

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