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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02
Year of publication:
1987-02-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_02

Article

Structure type:
Article
Author:
Vonach, Gerhard
Title:
Reaktionen
People involved:
Vonach, Gerhard

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02
  • Title page
  • Preface
  • Contents
  • Interview: Bernhard Amann zur Jugendhaus-Szene
  • Zolltarif Nummer 12.07 B 1
  • Aus meiner Sicht, die Baubehörden und das bauen
  • Plattentips: Die Platte des Jahres 1987
  • Die Menschwerdung des Magisters Dorn
  • Paradigma der Kindheit
  • Interview mit Paul Flieder
  • Der literarische Beitrag: Unternehmen Wursthaut
  • Deutsch perfeckt
  • Interview: Alex Freihart ("Die Wildente") und Reinhold Schillinger ("Das Nest")
  • Filmnotizen
  • Mythos & Wirklichkeit
  • Reaktionen
  • Blintimus Blinsky im rabel
  • Die vorletzte Seite

Full text

REAK 
TIONEN 
Wer mit dem Feuer spielt, muß da- 
mit rechnen, daß es brennt 
Lieber Peter Füßl! 
Zu Deinem Artikel "Denk-mal auf 
den Scheiterhaufen" in "Kultur" 
Nr. 11 (S.8-11) möchte ich Dir 
folgendes zu bedenken geben: 
1. "Kultur" möchte von sich selbst 
behauptet können, "präziser, um 
fassender und ehrlicher" zu be 
richten (Nr. 11, S.2). Zur (ge 
setzlich geforderten) Sorgfalts 
pflicht und zum (im "Ehrenkodex 
der österreichischen Presse") 
festgelegten Berufsethos eines 
Journalisten gehörte bisher immer 
das "auditur et altera pars": Wen 
von denen, die Du (um bei Deinem 
Bild des Scheiterhaufens zu blei 
ben) zum "Henker" stempelst, hast 
Du befragt? - Oder hat in diesem 
Fall ausnahmsweise die Sichtweise 
"laut Franz Bickel" (zit.), Obmann 
der Vereins Denk-mal, die einzige 
zu sein? 
dhismus zu und mußte von einem 
Vertreter des Publikums darauf 
hingewiesen werdenl 
3. Es ist doch eigenartig, wie 
unterschiedlich die kirchlichen 
Aktivitäten identischest (!) Per 
sonen von Madien (die ja alle mehr 
oder weniger als "objektiv" und 
"unabhängig" gelten wollen) beur 
teilt werden: Dekan Dr. Spieler. 
Kaplan Meusburger und die Reli 
gionslehrer Witwer und Vonach, 
welche Du im Zusammenhang mit der 
Denk-mal Frage mit deutlich "reak 
tionären" Zügen versiehst, werden 
von einem landesweiten Drucker 
zeugnis im Zusammenhang mit der 
Bischofsnachfolge ebenso unmißver 
ständlich als "linksradikal" be 
zeichnet. - Ob bei der jeweiligen 
Einschätzung nicht die je ideolo 
gische Brille der Verfasser ein 
klareres Sehen der Wirklichkeit 
verhinderte? 
2. Ich frage mich, weshalb Denk 
mal in seinen Stellungnahmen - und 
Du übernimmst das offenbar - stän 
dig das Gemeinsame der "ehemaligen 
Jeunesse-Mitstreiter" (zit.) Franz 
Bickel und Gerhard Vonach hervor 
hebt: Ist das der unterschwellige 
Versuch, den angeblichen Gesin 
nungsfreund zum "Brudermörder" 
hochzustilisieren? - Auch bei mir 
waren die Beamten der Landessi 
cherheitsdirektion zur Vernehmung 
in der Schule, ebenso uneingeladen 
und unangenehm. 
Allerdings zeigen mir meine bisher 
guten Erfahrungen mit der kultu 
rellen Kompetenz von Denk-mal Mit 
arbeitern umso deutlicher, wie 
einäugig der "kirchenkritische" 
Blick sein muß, wenn sie großteils 
derart niveaulose Veranstaltungen 
für geeignet halten, denkende Men 
schen auf leider immer wieder vor 
handene Mißstände in der Gemein 
schaft der Christen hinzuweisen. - 
Beispiel: Ein Vortragender, der 
abendfüllend über "Jesus und Bhag 
wan" sprach, ordnete die hindui- 
stische Sekte ahnungslos dem Bud- 
4. Du schreibst, Bürgermeister 
Wiedamann von Bludenz habe "mit 
einer Geradlinigkeit und Offen 
heit, die man sich von wenigen Po 
litikern dieses Landes erwarten 
könnte" auf Leserbriefe geantwor 
tet und "auf seine mutigen Stel 
lungnahmen hin auch zahlreiche 
positive Reaktionen" erhalten. - 
Setzt sich diese gerade Linie so 
fort, daß ihn "in letzter Kon 
sequenz der Mut verlassen" (zit.) 
hat oder waren nicht vielmehr die 
ablehnenden Reaktionen vieler 
Bürger zu den "Kler-Schlamm"-Ver- 
anstaltungen (wie immer man zur 
Art dieser Reaktionen im einzelnen 
auch stehen mag!) doch zahlenmäßig 
deutlich stärker? 
5. Nach zehn Minuten Recherchieren 
hättest Du Dir den Seitenhieb 
"...eine Frau darf im Kirchenblatt 
als Verfasserin... .wohl nicht in 
Frage kommen" sparen können: Sieht 
man vom Papst ab, so waren unter 
13 genannten Autoren der besagten 
Ausgabe des Kirchenblattes immer 
hin sechs Frauen... Detail am Ran 
de: Die Gedanken zum Evangelium, 
die offizielle gedruckte "Predigt" 
im Kirchenblatt also, stammte aus 
der Feder einer weiblichen Hand... 
6. Die von Dir genannte Hexenpro 
blematik und andere Verirrungen 
der Kirchengeschichte wurden 
Gott-sei-Dank (sind solche For 
mulierungen in "Kultur" erlaubt?) 
spätestens seit den 6Qer-Jahren - 
und sicher nicht zu früh! - auch 
von der offiziellen Kirche ver 
urteilt. Papst Johannes XXIII. be 
reits hat immer wieder öffentlich 
für solche Vergangenheiten um Ver 
zeihung gebeten. - Ob aber heute 
die Aufarbeitung solcher Themen, 
die Du forderst, wirklich "zeitge 
mäß" (?) "kirchenkritisch" wäre?? 
- Zu welch mittelalterlichen For 
derungen "zeitgemäße" kirchenkri 
tische Artikel in Vorarlberger 
Medien führen können, konnte man 
in letzter Zeit bis zum Überdruß 
mitverfolgen.... 
7. Ohne Zweifel: "Toleranz als 
christliche Tilgend" ("Kultur" Nr. 
11, S.8) hat sich noch keines 
falls überall herumgesprochen - 
auch und schon gar nicht unter 
manchem leserbriefschreibenden 
Christen oder in stark zensurie 
renden Zeitungsredaktionen. - Ob 
aber die Toleranz der (meist auch 
getauften!) selbsternannten Kir 
chenkritiker deutlich erkennbar 
größer ist? 
Ich grüße Dich freundlich! 
Dein Gerhard Vonach 
Auch wenn mein Leserbrief etwas 
lang geraten ist, verbleibe ich 
doch in der Hoffnung, daß sich 
"Kultur" in bezug auf eine etwaige 
Zensur wohltuend von anderen 
Vorarlberger Medien abhebt, und 
grüße Euch alle 
Gerhard Vonach.
	        

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