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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02
Veröffentlichungsjahr:
1987-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Bracharz, Kurt
Titel:
Filmnotizen
Beteiligte Personen:
Bracharz, Kurt

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Interview: Bernhard Amann zur Jugendhaus-Szene
  • Zolltarif Nummer 12.07 B 1
  • Aus meiner Sicht, die Baubehörden und das bauen
  • Plattentips: Die Platte des Jahres 1987
  • Die Menschwerdung des Magisters Dorn
  • Paradigma der Kindheit
  • Interview mit Paul Flieder
  • Der literarische Beitrag: Unternehmen Wursthaut
  • Deutsch perfeckt
  • Interview: Alex Freihart ("Die Wildente") und Reinhold Schillinger ("Das Nest")
  • Filmnotizen
  • Mythos & Wirklichkeit
  • Reaktionen
  • Blintimus Blinsky im rabel
  • Die vorletzte Seite

Volltext

Tarkowski-Film „Opfer" 
OPFER. Der letzte Film Andrej Tar- 
kowskis ist wie die vorigen: über 
aus beeindruckende Bilder und eine 
eher befremdliche Handlung. Im 
Zentrum steht - wie schon der Ti 
tel andeutet - ein Marm, der alles 
zum Wohle der Menschheit opfert, 
seine materiellen Besitztüner 
ebenso wie seine privaten Bezie 
hungen; ein im christlichen Kul 
turkreis vertrautes Motiv, das 
hier aber höchst merkwürdig in 
Szene gesetzt ist. Wer es vermei 
det, vorher eine Inhaltsangabe zu 
lesen, wird von den Geschehnissen 
einige Male überrascht werden; im 
nachhinein fragt sich der Betrach 
ter dann vielleicht, ob er über 
haupt recht verstanden hat. Die 
erste Stunde glaubt man, in einem 
Bergman-Film zu sein, die schwedi 
sche Landschaft, der Hauptdarstel 
ler Erland Josephson, die Darstel 
lung des Familienkonflikts können 
einen bekannt vor, aber dann wird 
es ganz Tarkowski-mäßig: mystisch 
und opferfreudig. Der Film kriegt 
sicher das Prädikat "Besonders 
wertvoll" und wird Liebkind der 
katholischen Filmkritik, sehens 
wert ist er trotzdem, weil er quer 
zu allem liegt, was sonst so im 
Kino läuft, wie nicht anders zu 
erwarten von einem Regisseur, der 
sagte, Filmsnachen bedeute, "das 
Licht von der Finsternis, das Was 
ser von der Feste zu scheiden". 
BLUE VELVET. Ein merkwürdiger Ef 
fekt: ein Regisseur dreht nach ein 
paar guten einen schlechten Film, 
und die (deutsche) Filmkritik > 
hat man das Gefühl, Figurengruppen 
aus verschiedenen Streifen gegen 
einander agieren zu sehen: Die 
Gang würde ganz gut in "Mad Max" 
passen, der brave Polizist kaimt 
aus einem guten alten B-picture, 
der böse aus einen Coppola, und 
das junge Paar aus Disneyland. 
Das wäre an sich noch kein Grund 
zum Mißlingen. "Blue Velvet" ist 
aber über weite Partien einfach 
nur langweilig, weil die Story 
hinten und vom nicht stimmt und 
auch keine andere Atmosphäre als 
die völliger Künstlichkeit da 
ist. Die (alp)traumhafte Qualität, 
die diese Künstlichkeit in "Era- 
serhead" hatte, fehlt. Ein guter 
junger Schauspieler wie Brad Dou- 
rif wird in einer belanglosen Ne 
benrolle verheizt, Dennis Hopper 
spielt in der letzten Knallchar- 
gen-Manier ein Comic-book-Monster 
von rauschgiftsüchtigem Psychopa 
then, Isabella Rosselini eine Co- 
mic-book-Perverse, das Grausligste 
in den ganzen Schnonzes sind das 
junge Paar und der ausgestopfte 
Vogel am Schluß, der ein Rotkehl 
chen sein soll. Bei uns sehen auch 
die sympathischer aus. 
Noch mehr als sonst ist die Origi 
nalfassung der Synchronisation 
vorzuziehen, weil Hoppers obszönes 
Gebrüll absolut unübersetzbar ist 
und zu den stärkeren Ingredienzen 
des Films zählt. 
quiekt auf vor Begeisterung. "Blue 
Velvet" wirkt, als habe irgendein 
Kleinkaliber a la Carpenter oder 
de Palma Motive aus David Lynchs 
erstaunlichem "Eraserhead" in ei 
nen seiner Schinken übernommen - 
aber "Blue Velvet" ist von Lynch 
selbst, leider, der Mann hat im 
merhin einen so vorzüglichen Film 
wie "Elephant Man" gedreht. 
Vielleicht kommt "Blue Velvet" 
beim deutschen Feuilleton deshalb 
so gut an, weil er von einem dort 
beliebten Klischee lebt, nämlich 
dem, daß das Leben in einer idyl 
lischen amerikanischen Kleinstadt 
unter der Oberfläche besonders 
höllisch widerwärtig sei. Im Film 
MEIN WUNDERBARER WASCHSALÖN. Paki- 
bashing heißt das Lieblingsspiel 
englischer Neofaschisten, gemeint 
ist das Pogrom auf Pakistani. Da 
rum dreht sich der Film mit dem 
biederen Titel. Ein junges Paar 
übernimmt einen heruntergekommenen 
Waschsalon und bringt ihn hoch, 
bis er dann doch demoliert wird. 
Klingt wie eine 50er-%Jahr-Komödie, 
allerdings ist das junge Paar 
schwul, das Startkapital stammt 
aus einem Drogendeal, und in dem 
ganzen Film kommt keine Figur vor, 
die in eine 50er^Jahr-Komödie ge-
	        

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