Bodenseebibliotheken Logo Vollbild
  • Erstes Bild
  • Vorheriges Bild
  • Nächstes Bild
  • Letztes Bild
  • Doppelseitenansicht
Wählen Sie mit der Maus den Bildbereich, den Sie teilen möchten.
Bitte wählen Sie aus, welche Information mit einem Klick auf den Link in die Zwischenablage kopiert werden soll:
  • Link zur Seite mit Hinweisbox im Bild
  • Link zu einem IIIF Bildfragment

Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02
Veröffentlichungsjahr:
1987-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Füssl, Peter
Titel:
Interview: Alex Freihart ("Die Wildente") und Reinhold Schillinger ("Das Nest")
Beteiligte Personen:
Füssl, Peter

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-02
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Interview: Bernhard Amann zur Jugendhaus-Szene
  • Zolltarif Nummer 12.07 B 1
  • Aus meiner Sicht, die Baubehörden und das bauen
  • Plattentips: Die Platte des Jahres 1987
  • Die Menschwerdung des Magisters Dorn
  • Paradigma der Kindheit
  • Interview mit Paul Flieder
  • Der literarische Beitrag: Unternehmen Wursthaut
  • Deutsch perfeckt
  • Interview: Alex Freihart ("Die Wildente") und Reinhold Schillinger ("Das Nest")
  • Filmnotizen
  • Mythos & Wirklichkeit
  • Reaktionen
  • Blintimus Blinsky im rabel
  • Die vorletzte Seite

Volltext

Im Marz stehen auf dem Terminplan des TfV zwei Stücke, die sich in ihn durchschaut. Das nützt er - 
sehr unterschiedlicher Weise mit den Thema Lebens lüge befassen. Wäh- unbewußt natürlich - erbarmungslos 
rend in Henrik Ibsens "Die Wildente" ein jeder in seine Lebenslüge 
praktisch unentwirrbar verstrickt ist und alte Lügen - wenn sich die 
se nicht mehr aufrecht halten lassen - durch neue ersetzt, läßt Franz 
Xaver Kroetz in seinem Stück "Das Nest" zumindest einen Hoffnungs 
schimmer aufkommen. Durch die offene Solidarität mit "Leidensgenos 
sen" kann man sich selbst verwirklichen. PETER FÜSSL sprach mit den 
Regisseuren ALEX FREIHART ("Die Wildente") und REINHDLD SCHILLINGER 
("Das Nest"). 
D E WILDENTE 
KULTUR: "Die Wildente" ist vor 
ziemlich genau 100 Jahren urauf- 
geführt worden. Inwieweit ist sie 
heute noch aktuell? 
FREIHART: Das Stück ist so aktu 
ell, weil es auf das Problem der 
Lebenslüge hinweist, also auf 
Wunschbilder und Wunschträume, die 
sich die Menschen fabrizieren und 
dann in diesen künstlich gebilde 
ten Räumen leben, weil sie sich 
mit der Realität nicht auseinan 
dersetzen wollen. Sie tyrannisie 
ren ihre Unweit oft rücksichtslos 
- wenn auch nicht bewußt -, weil 
sie ihre Wunschbilder verwirkli 
chen wollen, und die Umwelt sich 
da hineinfügen muß. Und wenn die 
Umwelt an so einen Traumtänzer 
gefühlsmäßig gebunden ist, geht 
sie eben auch zugrunde. Abgesehen 
davon ist "Die Wildente" so ge 
baut, wie ich mir gutes Theater 
vorstelle: eine Aussage wird 
transportiert, andrerseits wird 
aber auch unterhalten. Ich weiß, 
daß das Wort "Unterhaltung" im 
deutschsprachigen Raum immer ein 
bißchen problematisch ist, aber 
das reine Bildungstheater wird nie 
sein Publikum haben und ist des 
halb auch sinnlos. Für mich ist 
"Die Wildente" hochklassiges Un 
terhaltungstheater mit einem ge 
wichtigen Background an Aussage. 
KULTUR: Gerade in "Der Wildente" 
handelt Ibsen das Thema Lebenslüge 
aber nicht so eindimensional ab - 
bis zu einem gewissen Grad scheint 
sie hier ja erstmals "lebensnot 
wendig" zu sein. 
FREIHART: Ja, alle Figuren wandeln 
das Thema ab, und deshalb wirkt 
das Ganze viel plastischer und in 
teressanter. Die Konflikte sind so 
verwoben, daß alle Figuren irgend 
wann einmal mit der Grundidee Zu 
sammenkommen, nicht nur die Haupt 
person, der Hjalmar Ekdal. Auch 
der Gregers Werle wird mit sich 
selbst nicht fertig und projiziert 
seine Lebenslüge in die anderen 
hinein. Und der Arzt Relling meint 
auch, er helfe den anderen und 
bugsiert sie statt dessen von ei 
ner Lebenslüge in die nächste. 
KULTUR: Aber Relling ist doch die 
Figur, bei der man das Gefühl hat, 
daß sie das System am ehesten 
durchschaut - wenn er etwa sagt: 
"Nehmen sie die Lebenslüge von ei 
nem IXjrchschnittsmenschen, so neh 
men sie ihm zugleich das Glück." 
FREIHART: Die Frage ist natürlich, 
ob es so einfach ist, das ist näm 
lich ein einfaches Rezept: Gebt 
' ihm eine Lebens lüge, und wenn er 1 
zerbricht, gebt ihn die nächste. 
Auch wenn Relling quasi das 
Schlüsselwort sagt, bleibt er doch 
eine sehr zweifelhafte Figur. 
KULTUR: Hjalmars Ziel ist ja ei 
gentlich nur, friedlich und glück 
lich zu leben, wenngleich er prak 
tisch chancenlos irgendwelchen Er 
findungen nachjagt. Würden Sie in 
ihn sozusagen das Portrait eines 
Durchschnittsmenschen sehen? 
FREIHART: Er ist ja eigentlich ei 
ne groteske Figur, seine Tragik 
ist seine vollkommene Durch- 
schnittlichkeit. Er wird von sei 
ner Umwelt so lange hochstili 
siert, bis er selbst daran glaubt. 
Dann ist er zu dieser Frau gekom 
men, die sich letztlich für ihn 
aus Liebe aufopfert, obwohl sie 
aus, er ist irgendwo ein Schmarot 
zer. Ich weiß nicht, ob man das 
heutzutage als gang und gäbe anr- 
schauen kann, aber er steht sicher 
für viele Menschen: es werden heu 
te ja viele "Durchschnittsmen 
schen" hochstilisiert, die sich 
dann - um dem zu genügen - immer 
mehr in die Dinge verstricken, die 
sie nicht bewältigen. Letztlich 
tyrannisieren sie dann die Umwelt, 
um sich selbst zu bestätigen. 
KULTUR: Im Gregers Werle, seinem 
Gegenspieler, haben verschiedene 
Kritiker eine übersteigerte 
Selbstdarstellung Ibsens, der in 
diesem Stück Gerichtstag über sich 
selbst halte, gesehen. 
FREIHART: Das wäre eine Auszeich 
nung für Ibsen, denn wer kann sich 
schon selbst so unsymphatisch dar 
stellen. Ich weiß nicht, ob man in 
der Interpretation so weit gehen 
kann. 
KULTUR: Wenn man das Stück heutzu 
tage inszeniert, muß man aber 
schon beachten, daß es sich gegen 
die Wahrheitsfanatiker wendet, ob 
wohl derzeit ohnehin eher die Ver 
tuscher die Oberhand haben. 
FREIHART: Man muß einfach sehen, 
daß Wahrheitsfanatiker — weil sie 
eben Fanatiker sind - genausoviel 
kaputt machen. Wahrheitsfindung 
ist heute sicher sehr zu propagie 
ren, aber Wahrheitsfanatismus kann 
sich ja sehr ins Gegenteil verkeh 
ren und genauso schlimm sein wie 
die Vertuschung. Auch Fanatismus, 
der scheinbar für eine gute Sache 
steht, ist gefährlich. 
KULTUR: Andrerseits wollte Ibsen 
aber wohl kaum der Lebens lüge das 
Wort reden. 
FREIHART: Überhaupt nicht, deshalb 
muß man ja auch so aufpassen, daß 
die Figur des Relling nicht zu 
symphatisch gerät. Sonst wird er 
zum Allheilmittel hochstilisiert, 
obwohl er ein Kurpfuscher ist. Die 
richtige Therapie wäre ja wohl, 
einen Menschen so weit zu bringen, 
daß er sich mit der Zeit selbst 
erkennt und eine Therapie für sich 
selbst findet. Man darf ihm ja 
nicht einfach etwas aufpfropfen.
	        

Zitieren und Nachnutzen

Zitieren und Nachnutzen

Hier finden Sie Downloadmöglichkeiten und Zitierlinks zum Werk und aktuellem Bild.

Ausgabe

METS METS (Gesamtwerk) MARC XML Dublin Core RIS Mirador ALTO TEI Volltext PDF (komprimiert) PDF (Originalgröße) DFG-Viewer OPAC
TOC

Artikel

PDF (komprimiert) PDF (Originalgröße) RIS

Bild

PDF ALTO TEI Volltext
Herunterladen

Bildfragment

Link zur Seite mit Hinweisbox im Bild Link zu einem IIIF Bildfragment

Zitierlinks

Zitierlinks

Ausgabe

Um dieses Werk zu zitieren, stehen die folgenden Varianten zur Verfügung:
Hier kann eine Goobi viewer eigene URL kopiert werden:

Artikel

Um dieses Strukturelement zu zitieren, stehen die folgenden Varianten zur Verfügung:
Hier kann eine Goobi viewer eigene URL kopiert werden:

Bild

Um dieses Bild zu zitieren, stehen die folgenden Varianten zur Verfügung:
Hier kann eine Goobi viewer eigene URL kopiert werden:

Zitierempfehlung

Zeitschrift Für Kultur Und Gesellschaft 1987-02. 1987-02-01.
Bitte das Zitat vor der Verwendung prüfen.

Werkzeuge zur Bildmanipulation

Werkzeuge nicht verfügbar

Bildausschnitt teilen

Wählen Sie mit der Maus den Bildbereich, den Sie teilen möchten.
Bitte wählen Sie aus, welche Information mit einem Klick auf den Link in die Zwischenablage kopiert werden soll:
  • Link zur Seite mit Hinweisbox im Bild
  • Link zu einem IIIF Bildfragment

Kontakt

Haben Sie einen Fehler gefunden, eine Idee wie wir das Angebot noch weiter verbessern können oder eine sonstige Frage zu dieser Seite? Schreiben Sie uns und wir melden uns sehr gerne bei Ihnen zurück!

Wie lautet der fünfte Monat des Jahres?:

Hiermit bestätige ich die Verwendung meiner persönlichen Daten im Rahmen der gestellten Anfrage.