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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-10

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-10

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-10
Year of publication:
1986-10-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_10

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-10

Full text

Ratsei: ’ : 
FRAGE: WO IST DER 'RECHTSRUTSCH GRÖSSER ALS IN 
DER ÖSTERREICHISCHEN BUNDESPOLITIK? 
NaoNMiazsaDVi aaDHaaaHVHOA Naa ni :-ihominv 
Jörg Haider sei nichts anderes als 
der Kulminationspunkt, der die in 
unserer Gesellschaft gern ver 
drängten aber eben doch vorhande 
nen Strömungen ans Tageslicht be 
fördert habe, meinen viele. Im 
Aufspüren und Nutzbarmachen solch 
latent vorhandener Strömungen 
ebenso geschickt zu sein, glaubt 
offensichtlich "der Aufwecker" der 
NEUEN, der in seiner Kolumne 
Standpunkte vertritt, die sogar 
die Altparteien bereits vor Jahren 
- teils freiwillig, teils gezwun 
gen - aufgegeben haben. Ob man 
selbst nun ein "Grüner" ist oder 
nicht, sein oberflächlicher und 
leichtfertiger Umgang mit Argu 
menten und Scheinargumenten muß 
jedem Menschen, der die Entwick 
lung in den letzten Jahren kri 
tisch verfolgt hat, sauer auf 
stoßen. 
Auf dunm-dreiste Art unterstellt 
er "Grünen" und "grünfühlenden 
Menschen" eine unüberlegte Tech 
nologiefeindlichkeit und ein nai 
ves Aussteigertum, wobei nur ver 
wunderlich ist, wie jemand, der 
sei Jahren im Mediengeschäft ist, 
fern jeglicher Realität auf einer 
blinden Fortschrittsgläubigkeit 
verharren kann. 
Beispiel: "Die Ware Stron" (NEUE, 
14.11.1986) 
Der "Aufwecker" ist infam genug, 
den 1 •Grünen" zu unterstellen, sie 
freuten sich darüber, wenn der 
tatsächliche Stromverbrauch hinter 
den Verbrauchsprognosen der E- 
Wirtschaft zurückbleibe, um dann 
"blindwütige Tiraden gegen die 
Stromproduzenten" loszulassen, und 
er wirft ihnen vor,es als "Schand 
tat" zu empfinden, "daß Öster 
reichs Elektrizitätswirtschaft 
mehr Strom exportiert als impor 
tiert. Pfui, wie garstig!" 
Der "Aufwecker" kennt auch den 
Grund für diesen Unverstand: "Die 
Empörung darob blockiert offenbar 
manch grünes Gehirn so vollstän 
dig, daß in keiner Windung mehr 
Platz ist für ein paar vernünftige 
Überlegungen." 
In einer Zeit der "starken 
Sprüche" darf man sicherlich als 
Redakteur der NEUEN rund 15.000 
Vorarlberger bzw. mehr als 200.000 
Österreicher diffamieren. Stellt 
sich nur die Frage, wer oder was 
blockiert Bertram Burtschers 
ansonsten aufgewecktes Gehirn? Man 
darf wohl vermuten, es sei die 
Gier nach den Werbemillionen der 
Elektrizitätswirtschaft, der er 
sich offensichtlich anbiedert, in 
dem er dem NEUE-Leser die Gret 
chenfrage des "g'hörigen" Vorarl 
bergers stellt: "Soll sich Vor 
arlbergs Wirtschaft die Verstaat 
lichte zum Vorbild nehmen, oder 
haben unsere Vorstellungen vom 
’ Schaffa', die uns zum Muster 
ländle werden ließen, noch Gül 
tigkeit?" 
Darauf folgt ein Loblied auf 111- 
werke und VKW, die "bei Gott oft 
genug bewiesen, daß sie sehr be 
hutsam mit unserer Natur umzugehen 
verstehen, und notwendige Eingrif 
fe wurden durch vielerlei Annehm 
lichkeiten mehr als ausgeglichen." 
Selbstverständlich. Man denke nur 
daran, daß beinahe jedem Rinnsal 
ein schickes Betonkleidchen ver 
paßt wurde, an all die lustigen 
vielärmigen, mit Drähten verbun 
denen "Stahlmännlein", die beson 
ders im Walgau und im Rheintal 
entlang der Autobahn die eintönige 
Landschaft auflockern, und - last 
but not least - an die herrlichen 
Staumauern, iii denen unsere Ex 
tremkletterer fabelhafte "Übungs 
wände" finden. 
Was haben dagegen die "Grünis" 
(Burtscher) schon zu bieten, abge 
sehen davon, daß man von ihnen 
nicht einmal ein ordentliches Wer 
bebudget erwarten darf? 
"Händchenhalten in Menschenketten, 
Basteln von Holzkreuzchen fürs 
Ried, sowie Demonstrationstouris- 
mus ,für Arbeitslose zu Verhinde 
rungsschauplätzen in ganz Europa." 
- Davon kann eine Vorarlberger Ta 
geszeitung natürlich nicht leben. 
Der "Auf wecker" ist aber auch 
sonst ein aufgewecktes Bürschchen, 
dürfte sogar den "Spiegel" - pfui, 
pfui und nochmals pfui - gelesen 
haben. Jedenfalls verwendet er am 
19.11. die gleiche Argumentation 
wie der katastrophengeschüttelte 
Sandoz-Manager Hans Winkler in ei 
nem "Spiegel"-Interview am 17.11., 
der die großen Urnweltkatastrophen 
(Bhopal, Basel, Tschernobyl etc.) 
mit dem Vergleich zu den Verkehrs- 
unfällen auf den Straßen abtut. 
Auch der "Aufwecker" meint in An 
betracht dieses wahrlich treffen 
den Vergleichs, bei den Grünen 
herrsche "nichts als blanke Hy 
sterie" und eine "Aussteigermenta 
lität, die das Funktionieren unse 
rer westlichen Industriegesell 
schaft samt Demokratie gefährdet". 
Kein Wunder, daß da dem "Wappen 
tier" von Dieter Zehentmayr - der 
dem Wecker in prophetischer Vor 
aussicht ein naives Gesichtchen 
verpaßt hat - der Zylinderhut 
hochgeht. Sollte aber jemand mei 
nen, Bertram Burtscher könnte sei 
ne ehemaligen "Lehrmeister" in den 
VN rechts überholen, so wird er 
spätestens seit dem 26.11.1986 
eines Besseren belehrt. Dort macht 
nämlich 1 VN-Haushis tor iker'' Dr. 
Benedikt Bilgeri Dr. Burmeister 
herunter, der sich mit kritischen 
Berichten zu Bilgeri und Alt-LAD 
Grabherr unbeliebt gemacht hat. 
Diese Historikerfehde wäre ja noch 
nicht besonders schlimm, wenn 
nicht Franz Ortner in einer An 
merkung der Vorarlberger Landes 
regierung, dem Dienstgeber Burmei 
sters, empfehlen würde: "Die Vor 
arlberger Landesregierung sollte 
sich dieses Interview anhören und 
Burmeister zur Entschuldigung auf- 
fordem oder ihm nahe legen, das 
Ländle zu verlassen. Was soll ihn 
denn hier halten, auf Kosten der 
Herabgesetzten?' 1 
Wenn es nun schon wieder so weit 
ist, daß verschiedenen Füreisen 
nicht genehme Wissenschafter öf 
fentlich des Landes verwiesen 
werden dürfen, dann wird ver 
gleichsweise aus dem "Aufwecker" 
ein "Aufweckerle" und aus Jörg
	        

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