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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
Veröffentlichungsjahr:
1986-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Gabriel, Ulrich
Titel:
Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
Beteiligte Personen:
Gabriel, Ulrich

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Bludenz: "s'Städle für Dich und ..." - aber wo ist der Kultursaal, bitte?
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
  • Wer war Rudi D.?
  • Interview mit Hanns Dieter Hüsch
  • Film Schnipsel
  • Hoamatle?
  • Frauen-Studien

Volltext

OPER/ORATORIUM/KAMMERKONZERT 
1 
DIE 
NEUEN 
BRAVEN 
Das Forun heißt nicht mehr Food 
zeitgenössischer Musik, es trägt 
den Titel "Musik des 20. Jahrhun 
derts". Das ist für die Veran 
stalter offenbar angenehmer, denn 
"Musik des 20. Jahrhunderts" er 
möglicht immerhin eines: Ferdi 
nand Andergassen aufzuführen. Der 
Feldkircher Tonurahne mag ein 
verdienstvoller Komponist gewesen 
sein, in ein Programm mit Neuer 
Musik gehört er jedoch nicht. Er 
braucht zuviele Töne, um zun epi 
gonalen Schlüsse zu finden. Mit 
der ewigen Danksagergeste des Fo- 
runs an Andergassen wird dieser 
durch inkonsequente Programmie 
rung in ein Licht gestellt, das 
ihn von der falschen Seite her 
beleuchtet. Und ewig spielen sie 
Andergassen. Das macht die zeit 
genössische Luft in Feldkirch 
halt schwer und spätromantisch. 
Richard Dünser 
Mit drei Werken und als Pianist 
war der junge Feldkircher Gerold 
Heitz (1959) vertreten. Er hat 
sich zuviel zugemutet. "Bestimmt" 
hieß der 1. Satz des Duos für 
Violoncello und Klavier. Das Cel 
lo turnt sich in Sequenzen nach 
oben, das Klavier kontrastiert 
"unbestimmt". An seiner Klavier 
sonate Nr.3 (Satz der Akkorde, 
Satz des Klanges, Satz der Laute, 
Smoke on the Water-Variationen) 
bewundere ich, daß er sich die 
Mühe macht, das alles aufzu 
schreiben. Das Horten schneller 
Effekte, viel virtuoses Blend 
werk, Zierrat, sentimentale 
Klanghaufen, das gefällt den 
Feldkirchem, das kommt viel 
leicht an. Unangenehm anbiedemd 
wirken die "Smoke on the Water- 
Variationen" im 4. Satz. Als Par 
tyeinlage, gut. Aber Komposition? 
Das ist doch etwas anderes. In 
seiner Biographie lese ich, daß 
er bei Gattermeyer Komposition 
studiert hat. So klingt es auch. 
Richard Dünser (1959, Bregenz) 
wird von Gerold Heitz am Klavier 
mit "Drei Inventionen" vorge 
stellt. Ich lese, daß Dünser nach 
einem Meisterjahr bei Prof. Fran 
cis Burt derzeit bei Hans Werner 
Henze lernt. Das läßt Gutes er 
hoffen. Leider ertönen dann nicht 
mehr als drei kontrapunktische 
Hausaufgaben, die den Hörer 
vollends im Ungewissen lassen. 
Ist das Dünsers letzter Schrei? 
Wann schrieb er dieses Werk? Wie 
so wird gerade das vorgestellt? 
Ein Entstehungsjahr ist im Prcr 
gramm nicht angegeben. Herbert 
Willi (1956, Montafon) ist mit 
dem "Klaviertrio 1984" vertreten. 
Er ist raffinierter, routinierter 
als seine Kollegen. Er setzt so 
ziemlich alle Klangeffekte ein, 
die heute am Markt sind. Diffe 
renzierte thematische Arbeit im 
1. Satz, der 2. Satz ist sicht 
lich aufs Publikun geschrieben. 
Impressionistisch, sanfte Verei 
nigung der Klänge. Was das frei 
lich mit der Musik der Tuareg 
(Nomadenvolk Sahara) zu tun hat, 
wo da die angekündigte Synthese 
zwischen europäischer Tradition, 
Naturstudien und Tuareg versteckt 
ist, bleibt mir verborgen. Im 3. 
Satz kommt Kraft zum Vorschein. 
Er traut sich was. Doch zun 
Schluß wird auch der letzte Aus 
ritt wieder in hübsches Geschenk 
papier gepackt. Willi lenkt seine 
Tcne im Stil der neuen Einfach 
heit clever und erfolgreich in 
den Konzertsaal. Seine Botschaft 
bleibt mir unklar. Der überfüllte 
Saal zeigte sich von dieser Art 
Neuer Musik natürlich sehr begei 
stert und applaudierte über 
schwenglich. Sehr gut Rainer Ho- 
neck (VI), Gut Elisabeth Pfef 
ferkorn. Gerold Heitz hatte einen 
großen Klavierpart zu bewältigen. 
In Anbetracht der erfreulich gro 
ßen Anzahl junger Vorarlberger 
Komponisten ist dem Forum zu em 
pfehlen, künftig konzentrierter 
und programmatisch durchdachter 
dieser an sich erfreulichen Ent 
wicklung gegenüberzutreten. In 
stallation von Werkstattkonzer 
ten, Einladung eines oder mehre 
rer renommierter Komponisten zur 
Auseinandersetzung mit den ent 
standenen Werken. Dem: Nicht 
alles, was von einem jungen Vor 
arlberger komponiert wird, mJ3 
gleich aufgeführt und gefeiert 
werden. Das Forum sollte sich 
auch über Qualitätskriterien bei 
Newcomern Gedanken machen. 
Gerold Heitz
	        

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