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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
Veröffentlichungsjahr:
1986-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Gabriel, Urlich
Titel:
Oper/Oratorium/Kammerkonzert
Beteiligte Personen:
Gabriel, Urlich

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Bludenz: "s'Städle für Dich und ..." - aber wo ist der Kultursaal, bitte?
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
  • Wer war Rudi D.?
  • Interview mit Hanns Dieter Hüsch
  • Film Schnipsel
  • Hoamatle?
  • Frauen-Studien

Volltext

OPER/ORATORIUM KAMMERKONZERT 
statt ein wertvoller Markstein 
innerhalb der hierzulande selte 
nen Opemaufführungen. 
KURZCHRONIK UND 
FINANZIERUNGSAUSWEIS DER 
2.OPERNWERKSTATT: Die Darsteller 
agieren alle ohne Gage. Die not 
wendigen Geldmittel wurden wie 
folgt aufgebracht: Land: 
200.000,— Bund: 200.000,— 
Sparkasse Bregenz: 100.000,— 
ORF: 25.000,- Kulturreferat 
Feldkirch: 25.000,- Arbeiter 
kammer: 70.000,- Mittelberg: 
80.000,- und Eintritte. 
Die Stadthalle wurde 3 Wochen mit 
Unterbrechung belegt. Das Orche 
ster probte in Raggal (Keine 
Gagen, nur Verpflegung/Unter 
kunft). Großer Motor des Unter 
nehmens: Paul Flieder. 
Aufführungen der TOTEN STADT 
fanden am 27.2. und am 1.3. in 
der Stadhalle Feldkirch statt. 
Die ebenfalls im Rahmen der 
Opemwerkstatt produzierte kon 
zertante Aufführung von DON GIO 
VANNI von W.A.Mozart, wurde am 
14.2. im Festspielhaus Bregenz 
und in einer zweiten Vorstellung 
in Mittelberg aufgeführt. Ein 
gutes Beispiel einer qualität- 
vollen, billigen Produktion, die 
durch optimales Zusammenwirken 
privater und öffentlicher Geld 
geber ermöglicht wurde. 
Komgold-Karikatur von Alfred 
Gerstenbrand 
II. 
DER MENSCH, 
EIN MANN 
"Die Schöpfung" von Joseph Haydn, 
aufgeführt am Sonntag, 17.3. von 
der Vorarlberger Oratorienverei 
nigung. Leitung: Edgar Odo Pol- 
zer, Orchester der Musikfreunde 
St.Gallen, Elisabeth Polzer, Hel 
mut Holzapfel, Walter Fink. 
Festspielhaus (ausverkauft). 
Walter Fink, Baß 
Und es ward Licht. Gut gelungen 
in der musikalischen Umsetzung, 
nicht jedoch vor Beginn des Kon 
zerts. Da klappte weder die 
Lichtregie noch der Kartenver 
kauf. 48 Personen suchten mit be 
zahlter Karte in der Hand ihren 
Platz, der dem hochgefahrenen Or 
chestergraben zun Opfer gefallen 
war. Die "Vorstellung des Chaos" 
nennt sich auch die erste Nunmer 
Joseph Haydns, in der eigentlich 
nicht das Kulturreferat Bregenz, 
sondern die doch recht brave 
Tonvorstellung Haydns gemeint 
ist. Schöpfung, "creation", "la 
creation" meint einen immerwäh 
renden Prozeß und nicht nur einen 
punktuellen, religiös idealisti 
schen Akt (voll Pathos und Sen 
timentalität). Die Textvorlage 
Haydns ist eine miserable Über 
setzung (van Swieten) und gehört 
in ihrer Diktion und ihren mono 
manen Mannvorstellungen überholt. 
"Der Mensch, ein Mann"; die Frau 
gehorcht in melodiösen Bücklingen 
sklavisch dem Gebieter und ist 
schmückendes Beiwerk zur "breit 
gewölbt erhabnen Stirn". Sie lä 
chelt ihm Liebe, Glück und Wörme 
zu. Daß noch niemand die Idee ge 
habt hat, den Schöpfungstext neu 
zu gestalten, ist eigentlich ver- 
wjnderlich. Sonst ist das Werk 
durch und dirch positiv, harmo 
nisch, schön, und es kommt der 
ewig hoffenden Kleinbürgerseele 
idyllisch entgegen. Die Natur, 
die Fülle ihrer Erscheinungsfor 
men, Meer, Sonne, Mond, Sterne, 
Flüsse, Tiere werden tormalerisch 
beschrieben. Vielleicht ist es 
gerade auch deshalb so populär 
und beliebt. In Anbetracht des 
sen, daß das "große" Werk gegen 
wärtig vom "Mensch, dem Mann rnd 
König der Natur" wieder vielfach 
zerstört wird, kam aber gerade 
diese Komposition auch neuen 
(grünen) Missionaren wieder Mut 
verschaffen. Die Musik ist immer 
noch mitreißend genug. Die beste 
Leistung des Abends bot der Chor, 
der sichtlich mit viel Einsatz, 
die zwar sehr sanglichen, nicht 
immer leichten Passagen kraftvoll 
bewältigte. Walter Fink breitete 
die enorme Klangfülle seines Bas 
ses aus und erwies sich als zug 
kräftiger Gestalter seines Parts. 
Elisabeth Polzer (Sopran) und 
Helmut Holzapfel (Tenor), verfü 
gen über schöne lyrische, aber 
doch kleinere Stimmen, die im 
Saal nicht immer klar vernehmbar 
waren. Der ORF-Aufnähme kamen sie 
jedoch entgegen. Edgar Odo Polzer 
hatte das Unternehmen gut in der 
Hand, man spürte seinen Gestal 
tungswillen und seine Ausstrah 
lung. Sehr durchschnittlich blieb 
das Orchester der Musikfreunde 
St.Gallen. Ungenaue Einsätze, In 
tonationsmängel, ein spröder 
Streicherklang. Im Continuo über- 
tcnte das Cello leider den sich 
mühenden Jörg Brunner am Cembalo. 
Die Aufführung war aber insgesamt 
gut gelungen und machte der Ora 
torienvereinigung alle Ehre. Viel 
Applaus und zahlreiche Verneigun 
gen. Warum nur eine Aufführung?
	        

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