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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
Veröffentlichungsjahr:
1986-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Gabriel, Ulrich
Titel:
Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
Beteiligte Personen:
Gabriel, Ulrich

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Bludenz: "s'Städle für Dich und ..." - aber wo ist der Kultursaal, bitte?
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
  • Wer war Rudi D.?
  • Interview mit Hanns Dieter Hüsch
  • Film Schnipsel
  • Hoamatle?
  • Frauen-Studien

Volltext

OPER/ORATORIUM/ KAMMERKONZERT 
Ulrich Gabriel besuchte für KUL 
TUR drei wichtige Eigenprodukti 
onen der Vorarlberger E-Musik- 
szene im März. 
I. 
KAPUTTE 
SEELENWELT 
Erich Wolfgang Komgold: "Die to 
te Stadt", Oper in 3 Akten frei 
rach Georges Rodenbachs Roman 
"Bruges la morte". 
Aufführung im Rahmen der 2. In 
ternationalen Vorarlberger Operrr 
werkstatt in der Stadthalle Feld 
kirch am 27. Februar. Paul Flie 
der führte Regie. Es sangen 
internationale Nachwuchskräfte 
diverser Opernhäuser. 
Krajze an der Wand, Kreuze in den 
Boden gespießt, Kreuze als Gitar 
ren, Kreuze als religiöse Lei 
denssymbole. Sie angeben Paul, 
der in der für ihn toten Stadt 
Brügge nur in Erinnerung an seine 
tote Frau Marie lebt. Er kommt 
nicht los von ihr, bleibt see 
lisch verstrickt zwischen ihrer 
Haarflechte, die er in einem 
Schrein aufbewahrt, ihrem Bild 
nis, ihrer Mandoline. Die Oper 
schildert den fatalen, wahnvollen 
Lösungsprozeß dieses Mannes, sei 
nen Selbsterfahrungstrip, der in 
seiner erotischen Morbidität an 
die Mahler'sehe Geisteswelt erin 
nert, an so mehr, wenn man Ken 
Rüssels Verfilmung kennt. 
Sexualität, moralischer Druck, 
mystisches Brimboriun, Sarg, rote 
Rosen, Leichentuch, Bajazzofigu 
ren, Tänzer, fahles Licht, Mini 
strantenaufmärsche stellen vor 
dem perspektivisch verzerrten 
Bild der Stadt Brügge samt Löwerr 
fratzen den Müllkübel der Seele 
Pauls dar. Der in jüngster Zeit 
(Auff. in Amerika, Wien) wieder 
entdeckte Komponist Komgold 
(1897 Brünn - 1957 Amerika), er 
hat die Oper 1920 komponiert, 
leert dieses traumatische See- 
lengerümpel mit süßlichem Lei 
chengeruch spätromantischer Me 
lodiebögen ins Publikum. Seine 
Musik streift Puccini, Mahler, 
Richard StratiT, er zitiert an der 
Schlüsselstelle des irrealen Hor 
rortrips von Paul original aus 
Meyerbeers Oper "Robert der Teu 
fel". Da genau beginnt Pauls See 
le wieder zu ordnen. Das Irreale 
erreicht hier die dritte und 
vierte Bewußtseinsebene. Die Tote 
erhebt sich scheinbar aus dem 
Sarg. Paul verfällt Mariettas 
Körper. Marietta die Tänzerin hat 
er neu kemengelemt. Ihre Kör 
perlichkeit, ihre Ähnlichkeit mit 
Marie ud ihre erotische Ausstrah 
lung stürzen ihn in jenen Kon 
flikt, der ihn schließlich wieder 
in die Realität zurückführt, in 
der die Kreuze wenigstens wieder 
an der Wand hängen. Mit den 
geringen Mitteln der Opemwerk- 
statt hat Paul Flieder mit seiner 
Inszenierung genau auf den Inhalt 
geachtet. Oper als Bildungsthea 
ter, klare Personenführung, die 
Handlung steht im Vordergrund, 
die Musik darf sich an den emo 
tionalen Punkten der Handlung 
voll entfalten. Regisseur Paul 
Flieder arbeitet sehr differen 
ziert mit dem Licht, das er in 
Ermangelung eines teuren Büh 
nenbildes viel und gekonnt ein 
setzt. Beim Betreten des Saales 
ist die Bühne offen, Paul raucht 
vor dem Bild seiner Marie, der 
Zuschauer betritt mit dem Zimmer 
die kaputte Seelenwelt Pauls. 
Durchwegs ausgezeichnete Sänge 
rinnen und Sänger. Alten voran 
der Hauptdarsteller Fred Silla 
als Paul, dann folgen mit der 
selben Qualität Jagna Sokorska 
(Marietta, Marie). Hartmut Singer 
(Frank, Fritz), Györgyi Dombradi 
(Brigitta), der Kinderchor Wei 
ler-Klaus, die vielen Beteiligten 
an Bühnenbild, Ton, Choreogra 
phie, Maske, sowie die übrigen 
Solistinnen und Solisten machten 
die Aufführung zu einem sehr per 
sönlichen Erlebnis. Im österrei 
chischen Jugendorchester unter 
Gerd Meditz wirkten viele heimi 
sche Kräfte mit. Das Orchester 
hatte eine schwere Aufgabe zu 
erfüllen, die im wesentlichen gut 
bewältigt wurde. DIE TOTE STADT 
wurde in der Inszenierung Paul 
Flieders im Rahmen der Opemwerk-
	        

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