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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
Veröffentlichungsjahr:
1986-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Längle, Ulrike
Titel:
Hoamatle?
Beteiligte Personen:
Längle, Ulrike

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Bludenz: "s'Städle für Dich und ..." - aber wo ist der Kultursaal, bitte?
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
  • Wer war Rudi D.?
  • Interview mit Hanns Dieter Hüsch
  • Film Schnipsel
  • Hoamatle?
  • Frauen-Studien

Volltext

Mundartdichtung angemessen zu 
vertreten, liegt der Schwerpunkt 
deutlich auf dem modernen Mund 
artgedicht mit literarischen 
Qualitätsansprüchen. So stammen 
von den 178 Texten 93, also un 
gefähr die Hälfte, von 10 
Autorinnen und Autoren (Wä- 
ger-Häusle, Bitschnau, Vallaster, 
Dapunt, Grabher, Häusle, Borger, 
Gabriel, Gehrer, Schwendinger), 
von denen lediglich Hannes Gratr 
her ganz zur traditionellen 
Mjndartdichtung zählt. Ebenfalls 
in die Auswahl aufgenommen wurden 
Mundartsongs und Kabarettexte. 
Wer Mundartgedichte bisher für 
schlichte Reimereien mit senti 
mentaler Heimatverklärung oder 
scherzhafte Anekdoten gehalten 
hat, der wird bei der Lektüre des 
Textteils gründlich, aber ange 
nehm enttäuscht. Die Rezeption 
moderner, z.T. experimenteller 
literarischer Verfahrensweisen 
und die Erweiterung und kritische 
Modifizierung der Inhalte haben 
in den 70er Jahren auch die Vor 
arlberg er Mundartdichtung ergrif 
fen und zu einer ganz beacht 
lichen Vielfalt an Themen und an 
Ausdrucksformen geführt, die in 
dieser Sammlung dokumentiert 
sind. Der Textteil ist nach in 
haltlichen Gesichtspunkten in elf 
thematische Gruppen gegliedert, 
wobei die Eigenaktivität des 
Lesers durch die übertitelung mit 
Gedichtzeilen (statt mit Begrif 
fen wie "Heimat", "Arbeit" etc.) 
angeregt werden soll. Eine Erwei 
terung gegenüber traditionellen 
Anthologien stellen die Themen 
Acßenseiter/Verhaltensnormen ("An 
Pfohl im Hag...") und Privates/ 
Intimes ("So lang du seal si") 
dar. Geändert hat sich aber auch 
die Behandlung üblicher Themen: 
Als Beispiel sei das Kapitel "No 
ischt Saft im Stingl" herange 
zogen, das idyllische Naturge 
dicht mit Texten verbindet, die 
die Zerstörung der Natur zun In 
halt haben oder Naturbilder zun 
Ausdruck existentieller Situa 
tionen verwenden und die sich 
moderner, auch experimenteller 
literarischer Mittel bedienen. 
Kritische Gedichte wie Vallasters 
"Oobad am Rhi" sind idyllischen 
wie StadeLmanns '"Z'Obod uf-om 
See" direkt gegenübergestellt; 
ganz eigenständig zeigt sich Her 
bert Häusles surrealer Wohnblock 
alptraum "d ANDREA DORIA". 
Wer die Gedichte des Bandes 
gelesen hat, stellt fest, welch 
vielgestaltige und vielschichtige 
Gattung die oft unterschätzte 
Mundartlyrik auch in Vorarlberg 
geworden ist. Neben der Tradition 
des "klassischen" Dialektgedichts 
(heile, idyllische Welt und Na 
tur, Heimattob) zeigt sich ganz 
stark die Befreiung aus dem 
Ghetto des Heimatlich-Provin 
ziellen und die Verringerung der 
Distanz zur hochsprachlichen 
Lyrik. Gegen das Vorurteil der 
Nicht-Literaturfähigkeit des 
Dialekts stehen Gedichte, deren 
Themen nicht aus dem unmittel 
baren Lebens- und Arbeitsbereich 
stammen, sondern die unsenti 
mental über existentielle Themen 
reflektieren (z.B. Gehrer, 
Hutter). Stark vertreten sind 
Texte mit sprachspielerischen 
Verfahrensweisen ( u.a. Klara 
Schwendinger, Inge Dapunt) und 
solche, die Kritik an sozialen 
Zuständen in knappste sprachliche 
Formulierungen verpacken (Wäger— 
Häusle, Moser). Ein Zug zur Ent- 
tabuisierung zeigt sich auch in 
der Enthüllung der Stammtisch 
mentalität und in den z.T. zu 
aktuellen Anlässen verfaßten per 
litischen Gedichten von Gasser, 
Hagen und Gabriel, in der Entlar 
vung der Brutalität der Alltags 
redewendungen bei Linder oder in 
den schwarzen Aißenseiterballaden 
von Sohm oder den makabren Texten 
von Häusle. Es bleibt nur zu hof 
fen, daß der angestammte Leser 
kreis von Mundartdichtung die 
Anregungen und Denkanstöße, die 
dieser Band gibt, aufnimmt und 
daß auch Leser zu diesem Buch 
greifen, die die Mundartdichtung 
zu Unrecht unterschätzen. 
Ulrike Längle
	        

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