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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
Veröffentlichungsjahr:
1986-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Titel:
Interview mit Hanns Dieter Hüsch

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Bludenz: "s'Städle für Dich und ..." - aber wo ist der Kultursaal, bitte?
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
  • Wer war Rudi D.?
  • Interview mit Hanns Dieter Hüsch
  • Film Schnipsel
  • Hoamatle?
  • Frauen-Studien

Volltext

für den Frieden" mitgemacht. War 
das die Privatperson Husch - das 
Läßt sich doch wohl kaum trennen? 
HUSCH: Eigentlich ja, es ist die 
Privatperson Hüsch, die politisch 
arbeitet und sich natürlich mit 
solchen Bewegungen solidarisiert. 
Natürlich wollen wir Frieden, sie 
wollen das auch, ohne Kabarettist 
zu sein. Und darun tut man was 
dafür. Ich mache Benefizveran 
staltungen für Terre des Hommes 
oder für Amnesty International, 
aber ich miß deswegen nicht unbe 
dingt meine Arbeit als Kabaret 
tist, die ja auch unterhaltungs 
mäßig einen hohen Stellenwert 
hat, immer nur als eine neue Re 
ligion verkünden. Das liegt mir 
auch gar nicht, wäre mir viel zu 
emst. 
Ich bin schon emst genug, man 
wirft mir oft genug vor, daß ich 
moralinsauer, zu sakral oder zu 
edel-humanistisch wäre. Aber ich 
möchte nicht so einfach sagen: 
ja, ich möchte die Welt verän 
dern, ich will auf die Barrikaden 
gehen und die Leute müssen jetzt 
schleunigst bessere Menschen wer 
den. Und wenn ich hier noch drei 
mal auftrete, dann ist in Südame 
rika alles besser usw. So geht's 
ja nicht, sondern man muß an den 
Menschen arbeiten, Freundlichkeit 
herstellen und Höflichkeit, und 
vielleicht ein bißchen darüber 
nachdenken, daß wir alle auch nur 
sterblich sind. Dies aber in un 
terhaltender Form - und immer 
sich selbst auch zurücknehmen und 
sich selbst ironisieren und sich 
selbst analysieren. Das ist eine 
dialektische Methode, die ich ei 
gentlich habe. Damit will ich den 
Leuten zwischen den Zeilen auch 
sagen, ich weiß auch nicht viel 
mehr als ihr da unten. Ich weiß 
es nicht besser und will es auch 
nicht besser wissen, weil es gar 
nicht stimmen kann, daß ich es 
besser weiß. 
KULTUR: Ist der Hanns Dieter 
Hüsch ein Moralist? 
HÜSCH: Ja, würde ich schon sagen. 
An ihrer Liebe messe ich die Men 
schen. Wern Sie einen Satz hören 
wollen, un meine politische Reli 
gion zu erfahren, dam miß ich 
Bert Brecht zitieren: "Wollt 
nicht in Zorn verfallen, dem al 
le Kreatur braucht Hilf von al 
len." Das ist eigentlich meine 
politische Botschaft, wobei der 
erste Teil nicht unwichtig ist 
"wollt nicht in Zorn verfallen", 
habt Geduld, geht freundlich 
miteinander um, laßt den anderen 
ausreden, hört dem anderen zu, 
fallt nicht über ihn her usw. 
KULTUR: Welches sind für Sie die 
wesentlichen Themen? 
HÜSCH: Eigentlich habe ich immer 
nur ein Thema gehabt, das Zusam 
menleben von Menschen. 
KULTUR: Das Thema hat sich im 
Laufe der vierzig Jahre praktisch 
nicht geändert? 
HÜSCH: Im großen und ganzen 
nicht, vielleicht höchstens in 
dem Sim, daß ich sehr persönlich 
angefangen habe, sehr privat, und 
ich habe später - als das Hand 
werk dazukam - versucht, das al 
les mehr zu objektivieren, zu 
verallgemeinern, zu abstrahieren. 
Aber das Thema blieb. Mein Thema 
ist nicht Herr Kohl und die Bun 
desrepublik oder Herr Straiß und 
Bayern. Mein Thema ist natürlich 
der Frieden, weil es da un die 
Menschen geht, aber Frieden, 
habe ich einmal geschrieben, 
fängt beim Frühstück an - da se 
hen Sie, wo die Thematik hingeht 
bei mir. 
KULTUR: Sie haben sich vorher 
selbst - und die Kritik macht das 
ständig - als literarischen Ka 
barettisten bezeichnet. Wie 
sieht Ihr Verhältnis zur Sprache 
aus - einerseits ja wohl kri 
tisch, andrerseits bleibt sie ja 
doch Ihr hauptsächliches Kommu 
nikationsmittel? 
HÜSCH: Es ist so, daß ich natür 
lich versuche, Sprachklischees zu 
entdecken und die mit auf die 
Bühne zu zerren und das zu paro 
dieren - das ist das eine. Das 
ist aber nicht das, was ich mit 
literarischem Kabarett meine. Das 
andere ist eben, daß ich immer 
versucht habe, Kabarett in die 
Nähe von Literatur zu bringen, 
ohne den Anspruch zu erheben, Li 
terat zu sein. Aber dem Kaba 
rett eine neue Sprache, meine 
Sprache - gut, sie ist vielleicht 
nicht die alleredelste - einzu-
	        

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