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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
Veröffentlichungsjahr:
1986-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1986_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Titel:
Interview mit Hanns Dieter Hüsch

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1986-02
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Bludenz: "s'Städle für Dich und ..." - aber wo ist der Kultursaal, bitte?
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 1. Kaputte Seelenwelt
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert
  • Oper/Oratorium/Kammerkonzert: 3. Die neuen Braven
  • Wer war Rudi D.?
  • Interview mit Hanns Dieter Hüsch
  • Film Schnipsel
  • Hoamatle?
  • Frauen-Studien

Volltext

INTERVIEW MIT HANNS 
DIETER HUSCH 
Der bekannte deutsche Kabarettist 
Hanns Dieter Hüsch gastierte am 
28. 2. auf Einladung der Jeunesse 
Musical Dornbirn im Dombimer 
Kulturhaus, wo er sein neues Pro 
gramm "Und sie bewegt mich doch!" 
präsentierte. Peter FCßl führte 
mit ihm das folgende Gespräch. 
KULTUR: Sie sind seit beinahe 40 
Jahren in der Kleinkunstszene tä 
tig, hat sich in dieser Zeit We 
sentliches verändert am Stellen 
wert des Kabaretts in der Ge 
sellschaft? 
HÜSCH: Das Kabarett ist nach dem 
Zweiten Weltkrieg ja wohl sehr 
gesellschaftsfähig geworden. Ich 
könnte mir vorstellen, daß davor 
der Begriff Kabarett auch bei 
vielen gebildeten Bürgern doch 
immer etwas von Hinterhof und 
Tingeltangel hatte. Durch unsere 
großen Kabaretts in Deutschland 
und Österreich - nicht nur die 
Gruppen, sondern auch die Soli 
sten - hat es einen großen Auf 
schwung gegeben. Mittlerweile 
gehört es fast zur bürgerlichen 
Tradition, daß Eltern ihre Kinder 
ins Kabarett schicken - man hat 
eben festgestellt, daß das doch 
etwas mehr ist als Hinterhofva 
riete. 
Für das Kabarett - ich sehe den 
Begriff ja weit, vom krassen, ra 
dikalen Agitationskabarett bis 
zun reinen Unterhaltungskabarett 
ohne Anspruch - hat es natürlich 
schon Veränderungen gegeben: ei 
nerseits von außen durch die Po 
litik, und andrerseits eben durch 
immer neue Künstler und Künstle 
rinnen. Im großen und ganzen kann 
ich aber nicht sagen, daß das Ka 
barett in den fünfziger Jahren 
anders aussah als in den sechzi 
ger Jahren - es gab selbstver 
ständlich andere Inhalte, aber 
formal kann man nicht sagen, es 
sei heute ganz anders als vor 
dreißig Jahren. 
Kabarett wird nie nur darrt eine 
Blütezeit haben, wenn sagen wir 
mal eine Regierung ist, die den 
Kabarettisten nicht paßt, sondern 
es wird immer dam eine Blütezeit 
haben, wenn gute Kabarettisten 
auf die Wett kommen. Eigentlich 
wird auf dieser Erde ja Kabarett 
gemacht seit Adam und Eva und 
nicht erst seit Herrn Hitler und 
seit Kaiser Wilhelm oder seit dem 
Ersten Weltkrieg, oder seit Herrn 
Brandt oder Herrn Kohl.Es ist ei 
gentlich schon alles, was wir un 
tereinander machen, Kabarett, 
wem man es so kraß sehen will. 
Das Leben, hab 1 ich einmal ge 
sagt, ist schon an sich eine Pa 
rodie, wir brauchen es gar nicht 
mehr zu parodieren. Es ist doch 
in vielen Fällen eine Farce, wie 
überhaupt die Einrichtung Leben 
und Menschsein so tragisch ist, 
wie sie auch komisch ist. Das 
macht natürlich speziell meine 
Thematik aus. Ich bin ja kein po 
litischer Kabarettist, wie es 
Freund Hildebrandt oder Freund Rü 
ge oder wie es Gruppen wie das 
"Kommödchen" oder die "Lach- und 
Schießgesellschaft" sind, son 
dern ein literarischer. 
KULTUR. Wie wollen Sie Ihre Art 
von Kabarett verstanden wissen - 
ist es didakatisch, ist es unter 
haltsam, oder ist es beides? 
HÜSCH: Es ist eigentlich beides. 
Aber ich würde es zunächst einmal 
als künstlerisches Erlebnis an 
den Mam bringen. Die Leute sol 
len hinausgehen und sagen: "Es 
war interessant, es war auch 
schön, es hat uns gefallen. Viele 
Fragen bleiben offen, manches hat 
uns inhaltlich nicht zugesagt, 
aber es war doch ein sehr guter 
Abend." Ich stelle mich nicht da 
oben hin, im die Leute zu beleh 
ren. Ich möchte schon ein bißchen 
analytisch arbeiten - aber sehr, 
sehr behutsam. Vielleicht hatte 
ich das auf die Dauer für die 
bessere, pädagogische Vorgangs 
weise, wem man als Kabarettist 
überhaupt davon sprechen darf. 
Aber es wird ja den Kabarettisten 
unterstellt. Neulich konnte es 
eine Kollegin von Ihnen gar nicht 
fassen, als ich Ihr antwortete, 
ich hätte keine Botschaft, keine 
Mission. Ich möchte doch nicht 
unbedingt etwas bewirken. Wem es 
bei den Leuten etwas bewirkt, 
gut, dam freue ich mich. Aber 
ich kerne doch die Leute gar 
nicht, das Publikum ist doch völ 
lig anonym, ich kerne doch die 
Vorgeschichten, die Biographien 
dieser Menschen gar nicht, die da 
kommen. Ich habe ja auch nie eine 
Zielgruppe gehabt. 
KULTUR: Wenn Sie sagen, Sie wol 
len nichts bewirken, stellt sich 
natürlich die Frage, warun Sie 
dam überhaupt Kabarett machen. 
Haben Sie nicht gewisse Erwartun 
gen? 
HÜSCH: Es ist schon fast so: wem 
man sagt, man wolle nichts bewir 
ken, wirkt man schon fast wie ein 
Krimineller. Nein, ich habe einen 
ganz anderen Grund, den ich auch 
einmal klar aussprechen möchte: 
ich bin ein Bühnenmensch. Ich ma 
che Kabarett, un auf die Bühne zu 
gehen. Ich habe nicht angefangen, 
um die Welt zu verändern, vor 38 
Jahren, sondern weil mich mein 
Prodiziertrieb auf die Bühne ge 
bracht hat. Und das andere ist 
sehr, sehr viel später gekommen, 
das sogenannte Verändern und das 
Engagement. Natürlich habe ich 
privat eine sehr dezidierte poli 
tische Meinung, aber diese hat 
mich nicht unbedingt auf die Büh 
ne gejagt. 
KULTUR: Sie haben aber beispiels 
weise bei der Aktion "Künstler
	        

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