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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliographic data

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort
Subtitle:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Year of publication:
1989-02-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Article

Structure type:
Article
Author:
Klein, Kurt
Title:
Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
People involved:
Klein, Kurt

Contents

Table of contents

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Title page
  • Contents
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Full text

1785/90 und 1825 angegeben. 7 Günther hat die 
Bevölkerungszählungen der bayerischen Zeit be 
arbeitet und daraus Heirats-, Geburten- und Ster 
beraten für die Jahre 1809/10 und 1811/12 errech 
net. 8 Erst für die Jahre 1828 und 1830 bis 1848 
liegt in den „Tafeln zur Statistik der österreichi 
schen Monarchie" 9 eine komplette Reihe für ganz 
Vorarlberg vor. Danach verschlechtert sich die 
Datenlage neuerlich, da nur Angaben für das 
gesamte Kronland Tirol vorhanden sind. Erst für 
den Zeitraum ab 1869 liegen wieder komplette 
Bevölkerungsbilanzen für Vorarlberg vor. 
Die „demographische Verfassung” Vorarlbergs in 
der vorindustriellen Zeit 
Die Bevölkerungsgeschichte der vorindustriellen 
Zeit war überall in Europa von relativ hoher 
Geburtlichkeit und Sterblichkeit (besonders Kin 
dersterblichkeit), im Zeitvergleich infolge von 
Krieg, Seuchen und Hungersnot stark schwan 
kenden Geburten- und Sterberaten und insgesamt 
geringer Bevölkerungszunahme gekennzeichnet. 
In Vorarlberg wurden Bevölkerungsentwicklung 
und Bevölkerungsstruktur der vorindustriellen 
Zeit zudem von dem in der Landwirtschaft domi 
nierenden Erbsystem der Realteilung bestimmt. 
Dieses Erbsystem, bei dem der Hof nicht einem 
Alleinerben übertragen, sondern unter den vor 
handenen Söhnen (manchmal auch Töchtern) 
geteilt wird, führt fast immer zu niedrigen Ledi- 
genquoten, relativ früher Eheschließung, hoher 
Kinderzahl und relativ rasch wachsenden Bevöl 
kerungen - solange, bis keine weitere Teilung 
der Güter mehr möglich ist und mit der Änderung 
der Agrarverfassung meist auch eine Änderung 
der „demographischen Verfassung" einhergeht. 
Im Anerbensystem, bei dem der Hof geschlossen 
weitergegeben wird, wurden die „weichenden 
Erben" entweder in die ländliche Unterschicht 
der Taglöhner, Söllner oder Keuschler verdrängt, 
gingen als Wanderarbeiter in die Fremde, als 
Dienstboten in die Städte oder blieben als Gesin 
de am Hof des älteren Bruders. Alle diese Lebens 
lagen sind durch geringe Heiratschancen charak 
terisiert, vor allem für Frauen. Die Kinderzahl 
bleibt relativ gering. Die Teilung des Hofes erfor 
dert hingegen zusätzlichen Arbeitsaufwand: neue 
Wohn- und Wirtschaftsgebäude müssen errichtet, 
die geteilten Flurstücke müssen neu abgegrenzt 
und eingezäunt, die Bewirtschaftung des kleiner 
gewordenen Gutes muß intensiviert werden. All 
dies erfordert Arbeitskraft: es wird früh geheiratet 
und viele Kinder erhöhen das Arbeitspotential am 
Hof. 
Es ist charakteristisch, daß die Vorarlberger 
Agrargeschichte die Gruppe der Söllner, Keusch 
ler oder Kleinhäusler kaum kennt, die in den 
anderen österreichischen Ländern seit dem spä 
ten Mittelalter, besonders aber seit dem 16. Jahr 
hundert neben die älteren Bauerngüter tritt. Diese 
Söllhäuser wurden auf Ausbrüchen aus dem Ge 
meindeland oder aus älteren Bauerngütern erbaut, 
hatten meist nur den Hausgrund mit einem Obst 
oder Gemüsegarten, manchmal auch kleine Flur 
stücke. Ihre Inhaber waren Taglöhner, Handwer 
ker, Forst- oder Bergarbeiter und stellten eine von 
der bäuerlichen Bevölkerung deutlich abgegrenz 
te ländliche Unterschicht dar. Diese Unter 
schicht entstand in den Alpenländem vor allem, 
weil die Grundherrschaft die Zerstückelung der 
älteren bäuerlichen Güter zu verhindern suchte. 
Nur dort, wo viel freies Eigen bestand, wie etwa 
im Tiroler Oberinntal, oder wo die Grundherr 
schaft mit ihren Ehebeschränkungen relativ ge 
ringen Einfluß hatte, wie etwa im größten Teil 
Vorarlbergs, ging die seit der früh- und hochmit 
telalterlichen Besiedlung im Gange befindliche 
Güterteilung weiter, bis sie - ohne Bildung einer 
streng abgegrenzten Unterschicht - insgesamt zu 
einer Verarmung der bäuerlichen Bevölkerung 
führte und teils durch regulierende Eingriffe des 
Staates, teils durch wirtschaftliche Krisen been 
det wurde. 
Diesem Modell folgte weitgehend die Agrar- 
und Siedlungsgeschichte Vorarlbergs. Obwohl 
Wein- und Getreidebau schon seit dem 17. Jahr 
hundert zugunsten der weniger arbeitsintensiven 
Viehzucht zurückgingen, kam es durch die Real 
teilung zu keiner dauernden Freisetzung von 
Arbeitskräften. Besonders deutlich läßt sich die 
Güterteilung zum Beispiel im Bregenzerwald ver 
folgen, wo aus manchen Urhuben der Kolonisa 
tionszeit Dörfer, Großweiler oder Reihensiedlun 
gen herangewachsen sind. 10 Im Vorderen Bregen 
zerwald wurden diese Sammelsiedlungen durch 
die Vereinödung nach 1770 zum Teil aufgelöst. 
183
	        

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