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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Montfort
Untertitel:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Größe der Vorlage:
Online-Ressource

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Veröffentlichungsjahr:
1989-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Klein, Kurt
Titel:
Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
Beteiligte Personen:
Klein, Kurt

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Volltext

Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750—1850 
VON KURT KLEIN 
Einleitung 
Die jüngere Bevölkerungsgeschichte Vorarlbergs 
ist von drei Zeiträumen starker Bevölkerungszu 
nahme geprägt: 
1. Etwa 1770-1848: Nach der Hungersnot von 
1770/72 setzt starke Bevölkerungszunahme 
ein. Hohe Geburtlichkeit und relativ hohe 
Geburtenüberschüsse, die schon die frühere 
Bevölkerungsgeschichte Vorarlbergs bestimmt 
hatten, setzen sich fort und werden durch eine 
verbesserte Agrarstruktur gefördert (Verein- 
ödung, Aufteilung der Almende, Schaffung 
neuer Bauemstellen, Teilungsverbotej. Die 
Hausweberei schafft Nebenerwerb und ermög 
licht auch bäuerlichen Kleinwirtschaften noch 
ein Auskommen. Nach Abschluß der Franzo 
senkriege beginnt ein neuer Bevölkerungs 
schub, der sich besonders durch hohe Geburt 
lichkeit und deutliche Zuwanderung in die 
jungen Industriegebiete auszeichnet. Diese Be 
völkerungswelle verebbt gegen Mitte des 
19. Jahrhunderts (Wirtschaftskrise 1846/47, 
Zusammenbruch der Hausweberei, Agrarkrise 
in den Berggebieten, Übergang zur reinen Vieh 
wirtschaft, Freisetzung und Abwanderung von 
Arbeitskräften, Rückgang der Geburtenratej. 
Die Bevölkerung Vorarlbergs steigt von etwa 
61.000 (1770) auf fast 106.000 (1848). 
2. 1880-1914: Ein zweiter Industrialisierungs 
schub, wieder höhere Geburtenüberschüsse 
und die Zuwanderung zahlreicher Arbeitskräf 
te aus dem Trentino erhöhen die Bevölkemng 
Vorarlbergs von 107.000 (1880) auf 145.000 
(1910). 
3.1939-1981: Die Zuwanderung von Südtiroler 
Optanten während des Zweiten Weltkrieges, 
von Volksdeutschen Flüchtlingen nach 1945, 
der Zustrom aus anderen österreichischen Bun 
desländern in den fünfziger und sechziger Jah 
ren und von Gastarbeitern seit den sechziger 
Jahren erhöht, zusammen mit hohen Gebur 
tenüberschüssen, die Bevölkerung Vorarlbergs 
von 158.000 (1939) auf 305.000 (1981). Seither 
hat sich die Bevölkerungszunahme verlang 
samt. 
Der zweite und dritte Bevölkemngsschub Vor 
arlbergs sind statistisch gut dokumentiert. 1 Die 
Bevölkerungswelle 1770 bis 1848 fällt hingegen 
in die „frühstatistische" Phase, in der nur unvoll 
ständige und nicht allgemein zugängliche Quel 
len zur Verfügung stehen. Der Verfasser hat 
deshalb in früheren Arbeiten die Bevölkerungs 
entwicklung Vorarlbergs seit dem 16. Jahrhun 
dert, insbesondere aber den Zeitraum von der 
ersten Volkszählung 1754/55 bis zum Einsetzen 
der modernen Zählungsreihe im Jahre 1869 be 
sprochen. 2 Diese Arbeiten beschäftigten sich je 
doch nur mit der Ermittlung von Bevölkerungs 
ständen. Ob der Zuwachs auf Geburtenüberschuß 
oder Zuwanderung, der Abgang auf Sterbeüber 
schuß oder Abwanderung beruhte, wurde nicht 
erörtert. Dieser Beitrag stellt sich deshalb die 
Aufgabe, Geburtlichkeit und Sterblichkeit knapp 
vor und während der frühindustriellen Phase 
Vorarlbergs zu besprechen. 
Zur Datenlage 
Die Datenlage zur demographischen Frühge 
schichte Vorarlbergs ist bis zum späten 18. Jahr 
hundert ausgesprochen schlecht. Bevölkerungs 
zählungen fanden seit 1754 regelmäßig statt, sind 
im 18. Jahrhundert aber nur unvollständig erhal 
ten. Für die Zeit davor bieten nur Wehrmann 
schaftszählungen und Schätzungen über die Häu 
serzahl einige Hinweise auf Bevölkerungsstand 
und -entwicklung. 3 
Das Konzil von Trient schrieb 1563 die Füh 
rung von Kirchenbüchern in allen Pfarren und 
anderen Seelsorgesprengeln vor, in denen zu 
nächst nur Eheschließungen und Taufen (Sakra 
mente!), bald aber auch die Sterbefälle verzeich 
net wurden. In Vorarlberg ist eine Reihe älterer 
Kirchenbücher erhalten, deren älteste etwa in den 
Jahren 1620/50 beginnen. 4 Sie sind weder zusam 
menfassend bearbeitet noch für eine größere Zahl 
von Pfarren in Form langer Zeitreihen ausgezählt, 
die als Indikatoren für die Entwicklung der Hei- 
rats-, Geburten- und Sterbehäufigkeit verwendet 
werden könnten. Eine jährliche Auszählung und 
Meldung an die staatlichen Behörden wurde 1784 
von Josef II. angeordnet. 5 Bruchstücke dieser Mel 
dungen sind für das späte 18. Jahrhundert im 
Vorarlberger Landesarchiv erhalten, zudem einige 
ältere Daten aus den Jahren 1767/69. 6 Platter hat 
Geburtenraten für den Durchschnitt der Jahre 
182
	        

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