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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliographic data

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort
Subtitle:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Year of publication:
1989-02-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Article

Structure type:
Article
Author:
McEwan, Robin
Title:
Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
People involved:
McEwan, Robin
McEwan, Dorothea

Contents

Table of contents

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Title page
  • Contents
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Full text

löste, daß ihr Verhältnis zu Reynolds sehr herz 
lich war und daß alle drei gute Freunde blieben. 
Reynolds anerkannte in Angelika ihr durchge 
bildetes technisches Können und ihre fließende 
Erfindungsgabe hinsichtlich figuraler Darstellun 
gen und Kompositionen, etwas, das im damaligen 
England kaum seinesgleichen fand. Es war genau 
so in seinem Interesse, diese Fähigkeiten für sich 
und die Londoner Kunstszene zu gewinnen, als es 
für sie wichtig war, von Reynolds gefördert zu 
werden. Sie beherrschte vor allem die Kunst, 
historische Bilder, oft nach antiken Themen, 
genau im englischen Geschmack herzustellen. 
Die englische Künstlerkolonie in Rom hatte be 
sonders diese letztgenannte Kategorie im Zeichen 
des aufkommenden Klassizismus entwickelt, je 
doch bei der Verpflanzung nach Großbritannien 
äußerst wenig Erfolg damit gehabt, Angelika war 
es nun, die diese Aufgabe bewältigen konnte. Sie 
entwickelte dafür im Laufe der Zeit einen Stil, der 
teils vom Klassizismus bestimmt war, anderer 
seits so grazil und dekorativ war, daß er als eine 
Art britisches Rokoko gilt, obwohl er von der 
frivolen, krausen, mondänen, festländischen Art 
formell weit entfernt ist. 
Außer mit Reynolds war sie mit Dr. Samuel 
Johnson, dem Mittelpunkt der literarischen Welt 
Londons, David Garrick, dem führenden Schau 
spieler und Theateruntemehmer, dessen Frau Eva 
übrigens eine Wienerin war, eng befreundet - um 
bloß die bekanntesten der reichen Palette an 
Intellektuellen zu nennen, von der hohen Gesell 
schaft der Aristokratie ganz zu schweigen. Später 
sollte sie in Rom die geschätzte Vertraute Goe 
thes werden. Warum dann, so müssen wir uns 
fragen, ließ sie sich herab, unter diesen acht 
verblichenen Paramusen zu erscheinen? 
Heute ist nichts über die Entstehungsgeschich 
te des Bildes oder die Absichten Richard Samuels 
bekannt. Es ist anzunehmen, daß weder Angelika 
noch ihre Mitschwestern um Erlaubnis gebeten 
wurden, zumal die Bezeichnung „Muse" einen 
schmeichelhaften Vergleich voraussetzt. Unsi 
cher ist auch wie weit die besondere Zusammen 
setzung der Musengruppe Sache der zeitgenössi 
schen Mode oder ein persönliches Anliegen von 
Samuel war. Das Bild bestätigt die Erkenntnis, die 
wenigstens unter den Vorurteilslosen und Intel 
lektuellen in der britischen Gesellschaft verbrei 
tet war, eine gewisse Verwunderung obwohl die 
Selbstverständlichkeit der Tatsache irgendwie in 
Frage stellt: Frauen hatten Bewundernswertes auf 
dem Gebiet des Geisteslebens erbracht. Mag sein, 
daß die Wahl der Neun einiges Kopfzerbrechen 
bereitet hat. Hat man vielleicht aus Mangel an 
Qualifizierten weniger Ausgezeichnete hineinge 
schwindelt oder aus Überfluß berechtigte Anwär 
terinnen um ihr Recht gebracht, um die klassi 
sche Ziffer neun zu bewahren? Wer waren nun die 
acht Frauen, die hier mit Angelika als klassische 
Musen angesprochen wurden, was verband sie, 
wodurch hatten sie sich ausgezeichnet? 
Am linken Bildrand, hinter der Staffelei, steht 
Elizabeth Carter (1717-1806), Tochter eines an 
glikanischen Geistlichen und einer Landadeligen, 
die früh vom Vater Latein, Griechisch und Hebrä 
isch lernte. Sie lernte im Laufe der Zeit Franzö 
sisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch, Portugie 
sisch und Arabisch, interessierte sich besonders 
für Astromomie, Geschichte und Geographie der 
antiken Welt und war auch musikalisch gebildet. 
Dabei aber lernte sie nicht leicht und verdarb in 
ihrer Jugend durch verbissene Anstrengungen 
ihre Gesundheit. Wie so manche andere wurde sie 
von Dr. Johnson gefördert, sie hatte aber auch 
Förderer im hohen Klerus und in der Aristokratie. 
Johnson sagte, daß, obwohl sie nicht mit brillan 
tem Geist ausgestattet war, nur Wenige so gründ 
lich gebildet und gelehrt waren wie sie (und 
zugleich bewunderte er, daß sie eine äußerst 
tüchtige Haushälterin war). Sie verfaßte Gedichte 
und Aufsätze für literarische Zeitschriften. Die 
Mutter starb als Elizabeth 10 Jahre alt war und sie 
lebte mit dem Vater bis er 1774 starb in einem 
Haus, das sie selbst gekauft hatte. 
Die zweite Stehende von links ist Anna Letitia 
Barbauld, geborene Aikin (1743-1825). Ihr Vater 
war Lehrer an einem nonkonformistischen Gym 
nasium in Nordengland, wo sich Anna Letitia im 
Umgang mit anderen kultivierten Lehrerfamilien 
und mit dem Studium von Französisch, Italie 
nisch und Griechisch Bildung erwarb. 1773 über 
wand ihr ebenfalls literarisch interessieter Bruder 
John ihre Bescheidenheit und regte sie an, Ge 
dichte und Aufsätze zu veröffentlichen. 1774 
heiratete sie Rochemont Barbauld, einen Pastor 
hugenottischer Herkunft. Sie hatten keine Kin 
der, adoptierten aber einen Neffen von Anna 
171
	        

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