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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliographic data

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort
Subtitle:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Year of publication:
1989-02-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Article

Structure type:
Article
Author:
McEwan, Robin
Title:
Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
People involved:
McEwan, Robin
McEwan, Dorothea

Contents

Table of contents

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Title page
  • Contents
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Full text

Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin 
zustehen 
ZUM BILD RICHARD SAMUELS „DIE NEUN LEBENDEN MUSEN GROSSBRITANNIENS" 
VON ROBIN UND DOROTHEA McEWAN 
1779 stellte der Maler Richard Samuel in der 1768 
gegründeten Königlichen Akademie (der schönen 
Künste) in London sein Bild „Die neun lebenden 
Musen Großbritanniens" aus. Es stellte neun 
zeitgenössische Frauen dar, die aufgrund ihrer 
geistigen Leistungen die Hochachtung der dama 
ligen kunst- und literatursinnigen Gesellschaft 
Großbritanniens genossen. Eine jener Frauen war 
eigentlich eine Ausländerin, die sich bloß seit 
zwölf Jahren in Großbritannien aufgehalten hat 
te, und gerade diese ist es, die von allen Abgebil 
deten heute noch einen Namen hat, der über die 
Grenzen Großbritanniens hinausgeht, während 
ihre Musenschwestem - außer unter Speziali 
sten - auch in Großbritannien nur ein Schatten 
dasein fristen. Sie wird von Österreich mit leicht 
überraschender Selbstverständlichkeit und von 
Vorarlberg mit etwas mehr Berechtigung als eines 
ihrer Landeskinder angesehen. Sie heißt Angelika 
Kauffmann. 
Ästhetisch verkörpert dieses Bild keine ausge 
zeichnete künstlerische Leistung. Die Linienfüh 
rung ist technisch mittelmäßig, die Figuren er 
scheinen steif und schemenhaft, wie es in der 
britischen Malerei in der ersten Hälfte des 18. 
Jahrhunderts nur zu oft der Fall gewesen ist. Die 
Komposition ist wenig erfinderisch und unein 
prägsam. Nach diesen Einschränkungen ist es fast 
nebensächlich, daß auch die Gesichter als Por 
träts nicht viel Wert haben. Kurzum, das Bild 
liegt ziemlich unter dem Niveau, das die Grün 
dung der Königlichen Akademie erreichen wollte. 
Seine Bedeutung besteht nicht in der künstleri 
schen Qualität, sondern darin, daß es eine Gesin 
nung und eine Erkenntnis dokumentiert, die uns 
heute besonders vordringlich erscheinen. 
Angelika und ihr Vater sind Beispiele einer ty 
pisch österreichischen Wirtschaftserscheinung, 
die allerdings damals vorwiegend auf den Alpen 
raum zutraf, daß Wissenschafter, Techniker, 
Künstler und Handwerker ihren Lebensunterhalt 
außer Landes suchen oder ergänzen mußten. So 
verbrachte sie mit dem Vater, einem Maler an 
spruchsloser Heiligenbilder, fast ihre ganze Ju 
gend in Italien und wenn sie sich auch eine 
Zeitlang zwischen Malerei und Gesang als mögli 
chen Berufen nicht entscheiden konnte, gaben 
frühreife Erfolge im Porträtieren den Ausschlag 
für die Malerei. Mitglieder der vermögenden und 
170 
gebildeten Familien Europas, vor allem aus Groß 
britannien, bereisten in jenen Jahren Italien, um 
durch die „Grand Tour" ihre klassische und 
ästhetische Bildung zu vervollkommnen. Angeli- 
kas deutsche, italienische, französische und eng 
lische Sprachkenntnisse sowie ihre Intelligenz, 
ihr angenehmes Wesen und ihr Talent schafften 
ihr Zugang zu aristokratischen und künstleri 
schen Kreisen der italienischen wie der „touristi 
schen" Prominenz. Dieser Umgang in jungen 
Jahren vermittelte ihr Einfühlungsvermögen, 
Wendigkeit und Anpassungsfähigkeit, die ihr ein 
ganzes Leben von Nutzen sein sollten. 
Schon vor ihrer Ankunft in England hatte die 
junge Angelika die Bewunderung führender Per 
sönlichkeiten, vor allem der römischen Gesell 
schaft wie Winckelmann und Batoni, auf sich 
gezogen. In einer Stadt, die von vielen angesehe 
nen wie aufstrebenden Künstlern aus ganz Europa 
aufgesucht wurde, wurde sie als 24jährige Mit 
glied der Accademia di San Luca. 
Sicherlich war es für Ihre Aufnahme und für ihr 
Weiterkommen in England nicht unwesentlich, 
daß sie in Italien Engländer wie Schotten und 
Irländer kennengelemt hatte, die in Großbritan 
nien maßgebend waren oder werden sollten. Bos- 
well erwähnte sie - allerdings entging ihm kein 
weibliches Wesen, noch weniger so ein bemer 
kenswertes - und mit dem jungen englischen 
Maler Nathaniel Dance, der sich in Rom weiter 
bildete, verlobte sie sich. 
Nachdem sie in 1765 in London ankam, faßte 
sie mit solcher Geschwindigkeit und Leichtigkeit 
Fuß, daß bereits im nächsten Jahr ihre Unter 
schrift auf der Bittschrift von 22 Künstlern er 
schien, welche den König veranlassen sollte, eine 
Akademie der bildenden Künste zu gründen. Als 
1768 die Gründung der Akademie tatsächlich 
stattfand, war sie unter den 40 Gründungsmit 
gliedern. Sehr entscheidend für diesen Erfolg war 
die Unterstützung des Porträtmalers Joshua Rey 
nolds, der mit verblüffender Beharrlichkeit und 
strategischem Sinn zuerst die eigene Karriere und 
dann die Gründung einer Art künstlerischer Infra 
struktur in Großbritannien orchestrierte. Die ge 
nauen menschlichen Hintergründe ihrer Bezie 
hung sind nicht deutlich dokumentiert. Wir wis 
sen nur, daß sich die Verlobung mit Dance bald
	        

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