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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Montfort
Untertitel:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Größe der Vorlage:
Online-Ressource

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Veröffentlichungsjahr:
1989-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Dobras, Werner
Titel:
Der Mailänder oder Lindauer Bote
Beteiligte Personen:
Dobras, Werner

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Volltext

Der Mailänder oder Lindauer Bote 
VON WERNER DOBRAS 
Der Mailänder, Lindauer oder Fußacher Bote zog 
jahrhundertelang allwöchentlich von der alten 
Reichsstadt Lindau über den See und das Gebirge 
nach Mailand, wo man ihn als Lindauer oder 
Fußacher Boten empfing, um Briefe, Geld, Waren 
und Passagiere abzuliefern und in Empfang zu 
nehmen. Als Mailänder Bote erwartete man ihn 
in der Inselstadt zurück. Johann Wolfgang von 
Goethe war wohl der berühmteste Passagier, der 
sich dem Boten anvertraute, als er aus dem Land 
seiner Sehnsucht ins rauhe Nordland zurückrei 
ste. Wann der Bote erstmals gegen Mailand wan- 
derte, entzieht sich unserer Kenntnis. Möglich, 
daß sich aus einer einstmals sporadischen Ein 
richtung, die sich bewährte, schließlich eine feste 
Institution entwickelte. Als zuverlässig jedenfalls 
war der Mailänder Bote weithin bekannt. 
Daß eine zumindest lose Verbindung nach 
Italien schon sehr früh bestand, steht außer Zwei 
fel. Im Jahre 1309 beschlagnahmte - um nur ein 
Beispiel zu nennen, — die Stadt Lindau veneziani 
sche Waren, um sich so für den Verlust eigener 
Waren, die man in Mailand festhielt, zu rächen 1 . 
Hundert Jahre später werden die Lindauer Kauf- 
leute Hans Ledergerber und Konrad Müder auf 
dem Weg nach Italien ihrer Habe durch Graf Hans 
von Werdenberg-Sargans beraubt 2 . 1430 bevoll 
mächtigte der Lindauer Handelsmann Welti sei 
nen Sohn Johannes zu Geschäften in Mailand 3 . 
Einem im Lindauer Stadtarchiv liegenden, leider 
undatierten, aber jedenfalls viel später geschriebe 
nen Brief wird man nur eingeschränkt Glauben 
schenken können. Dort heißt es: Schon im 15,ten 
Seculo findet man, daß zum Behuff des Com- 
(m)ercii zwischen der Lombardie et Oberdeutsch 
land Reithende Botten von Lindau nach Milano et 
viceversa wöchentlich abgegangen et nebst denen 
Briefschaften auch Gelder et feine oder Eyl-Güt- 
her hin und her transportiret, dieße Botten j . . .) 
seynd entweder Bürgere von Lindau, oder aber in 
dem benachbarten Fussach ansäßig geweßen; sel 
bige wurden nicht alleine von Lindau angenom 
men, sondern auch von dem Handelsstand in 
Milano begnehmigt und bey daßselbstigen Came 
ra dei Mercanti in Pflicht gestehet. " 4 . Auch die 
Angabe von Klaudia Helbok, der Mailänder Bote 
werde im Jahr 1445 erstmals urkundlich erwähnt, 
läßt sich bis jetzt durch Archivalien nicht stüt 
zen 5 . Für das Jahr 1458 gibt es aber immerhin 
wieder einen Beleg für einen Warentransport: 
damals war Handelsgut Mailänder Handelsherren 
in Feldkirch festgehalten worden 6 . 1492 reisten 
Venezianische Kaufleute von Lindau - sie hatten 
hier in der „Krone" Quartier genommen - über 
Feldkirch (wo sie erstmals übernachteten), 
Maienfeld, Chur, Parpan, Bivio und den Septimer 
nach Como. Sie brauchten dafür neun Tage. Den 
Weg von Como nach Mailand schafften sie inner 
halb eines Tages 7 . Auch der 1496 für Kaiser 
(damals noch König) Maximilian I. von Mailand 
nach Lindau eingerichtete Postlauf hatte nichts 
mit dem späteren Mailänder Boten zu tun. Er war 
vielmehr nur zur besseren Unterrichtung des 
Kaisers über den in diesem Jahr in Lindau stattfin 
denden Reichstag gedacht 8 . Dieser von Taxis 
eingerichtete Kurs, der von Mailand über Lindau 
bis Worms und Brüssel lief, wurde schon bald - 
vor allem war der Schwabenkrieg daran schuld - 
wieder eingestellt 9 . Dafür, daß es damals auch 
schon eine — zumindest kameradschaftliche — 
Verbindung der Fuhrleute von Lindau und Fußach 
gab, spricht ein Vorfall, der sich 1497 ereignete. 
Wegen Spielschulden waren Sebald Näf von Bre 
genz und Hieronymus Vischer von Lindau in 
Streit geraten. Bei der Vernehmung sagte letzterer 
aus, er habe nicht mit Näf, sondern mit dem 
Spediteur Spechler von Fußach gespielt 10 . Direkte 
Beweise für die frühe Existenz des Mailänder 
Boten sind dies freilich nicht. Eher dürfen wir da 
wohl einer Note des Grafen von Kaunitz vom 
6. Mai 1771 an die Hofkammer in Wien Glauben 
schenken, daß der Mailänder Bote schon zu 
Karls V. Zeiten (reg. 1519-1556) existiert habe 11 . 
Gleichen Inhalts ist ein Schreiben, das heute im 
Mailänder Staatsarchiv aufbewahrt wird und in 
dem es heißt, daß Simone Tassis vom späteren 
Kaiser Karl V. das Privileg, im Herzogtum Mai 
land Posten aufzustellen erhalten habe. Sofort 
habe daraufhin Tassis die privaten Posten verbo 
ten, doch hätten sich die anderen Postbetriebe 
erfolgreich zur Wehr gesetzt. Sowohl die Handels 
kammer von Mailand als auch die Stadt Lindau 
hätten damals ebenfalls von Karl ein (wie es 
schon damals heißt) leider verlorengegangenes 
Privileg erhalten. Es habe sich früher in den 
Händen eines sich in Mailand aufhaltenden deut 
schen Kaufmanns befunden 12 . Spätestens zu 
Karls V. Zeiten also hat es schließlich den Mai- 
159
	        

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