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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliografische Daten

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Montfort
Untertitel:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Größe der Vorlage:
Online-Ressource

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Veröffentlichungsjahr:
1989-02-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Schneider, Erich
Titel:
Das „Marienlied" in Vorarlberg
Beteiligte Personen:
Schneider, Erich

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Volltext

Das „Marienlied" in Vorarlberg 
VON ERICH SCHNEIDER 
Seit den Tagen des Urchristentums wird Maria 
verehrt und besungen. Die Theologie gab jeweils 
den Tenor der Marienlehre (Mariologie) an. Zu 
nächst folgte das Abendland dem Marienbild der 
Ostkirche (Maria Ecclesia), Maria als Sinnbild der 
Kirche, als Mittlerin und Fürsprecherin im Him 
mel. Im Früh- und Hochmittelalter folgte in 
Westeuropa die höfische Marienverehrung: Maria 
nicht mehr „Magd des Herrn", sondern „Königin 
des Himmels". Die aristokratisch-höfische Ge 
sellschaftskunst gipfelt im Minnesang in der 
Huldigung eines unerreichbaren Ideals. Analog 
dazu entwickelt die religiöse Kunst im Marien 
bild ein göttliches Urbild fraulicher Schönheit 
und Reinheit (denken wir beispielsweise an die 
„schönen Madonnen" in der gotischen Kunst). In 
Maria verehren die Gläubigen die „Mia Donna", 
die Italiener die „Madonna", die Franzosen „N6- 
tre Dame", die Deutschen „Unsere liebe Frau". 
Die Mariendichtung des Mittelalters wird von 
den Mönchsorden getragen, vor allem von den 
Benediktinern, deren Klöster auch im Bodensee 
raum (St. Gallen, Reichenau, Mehrerau, Weingar 
ten) die Marienverehrung aufs stärkste beeinfluß 
ten. In den berühmten Hymnen des Mittelalters 
war bereits die Thematik vorgezeichnet, der wir 
heute noch in den bekanntesten Marienliedern 
begegnen: „Ave maris stella" (Heil dir, Stern des 
Meeres, 7.-8. Jahrhundert), Salve regina (Sei ge 
grüßt Königin der Barmherzigkeit, 10. Jahrhun 
dert) und Stabat mater dolorosa (Unterm Kreuz 
die Schmerzensreiche, Jacopone da Todi, 1306). 
In Vorarlberg kann der geistliche Volksgesang 
im Spätmittelalter bereits vor der Reformation 
nachgewiesen werden. Frühester Beleg dafür ist 
das Marienlied „Maria zart, von edler Art". Im 
Herbst 1506 wurde von Martin Kisling und Hans 
Fohner aus Biberach für die Pfarrkirche Bludenz 
eine Glocke gegossen. Die frommen Stifter ließen 
auf die Glocke die erste Strophe des obgenannten 
Marienliedes anbringen, woraus geschlossen wer 
den kann, daß sie das Lied kannten. Der vollstän 
dige Text findet sich zu dieser Zeit auf Liedflug 
blättern. Ein solches Blatt wurde 1505 zu Nürn 
berg gedruckt. Exemplare davon werden in der 
Staatsbibliothek in München und in der Stiftsbi 
bliothek von Kremsmünster aufbewahrt. 1567 
erscheint das Lied im Gesangsbuch von Johann 
Leisentrit und wird auch in Nicolaus Beuttners 
„Catholisch Gesang-Buch" des Jahres 1602 aufge 
nommen. 
Ein Marienlied, das nicht dem Volksgesang 
zuzurechnen ist, stammt von dem Bregenzer 
Musiker und Komponisten Hieronymus Bild 
stein. Wir kennen von ihm weder das Geburtsda 
tum noch den Sterbeort. Paul Zinsmaier hat sich 
mit dem Problem beschäftigt und meint, daß 
Bildstein etwa in den 70er Jahren des 16. Jahrhun 
derts geboren wurde. Sein Sterbedatum ist der 
12. Juli 1634. Es scheint in der Besoldungsliste 
des Klosters Salem auf, doch der Sterbeort ist 
nicht angegeben. Da das Kloster 1634 von den 
Schweden besetzt und ausgeplündert wurde, 
kommen nach Zinsmaiers Ansicht als Sterbeort 
Mimmenhausen, Überlingen und Konstanz in 
Frage. Hieronymus Bildstein war Hoforganist des 
Fürstbischofs Jakob Fugger von Konstanz und an 
dessen Meersburger Residenz angestellt. Die ein 
zige Komposition Bildsteins in deutscher Sprache 
ist seine fünfstimmige Motette „Maria Fraw 
hilf", die der Augsburger Domkapellmeister Bern 
hard Klingenstein (1545-1614) in seine Samm 
lung von Marienliedern, genannt „Rosetum Ma- 
rianum" (Dillingen 1604) aufgenommen hat. 
Hieronymus Bildstein gehört damit in die Reihe 
der „drey und dreißig beriemte Musicos und 
Componisten", woraus hervorgeht, welche Stel 
lung der Bregenzer Bildstein im Musikleben sei 
ner Zeit eingenommen hat. Bildstein behauptet 
dort seinen Platz neben Hans Leo Haßler, Ferdi 
nand di Lasso, Gregor Aichinger, Christian Er 
bach, Jacobus Regnart, Johann Stadlmayr und 
anderen. 
Die Gegenreformatin als innerkirchliche Er 
neuerungsbewegung der katholischen Kirche ge 
gen den Protestantismus förderte die Marienver 
ehrung, deren Träger im Zeitalter des Barocks im 
besonderen die Jesuiten waren. Vorarlberger Prie 
ster und solche aus dem Bodenseeraum, die an der 
Jesuiten-Universität in Dillingen studiert hatten, 
setzten sich für die Marienverehrung in unserer 
Region ein. Bezeichnenderweise wurde auch in 
Dillingen das Büchlein „Mirantische Mayen- 
pfeiff" von Laurentius von Schnifis 1692 ge 
druckt, das ihm den Ruf eines „Mariensängers" 
eingetragen hat. Laurentius von Schnifis, mit 
dem bürgerlichen Namen Johann Martin (geboren 
1633 in Schnifis, gestorben 1702 in Konstanz), 
147
	        

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