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Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Bibliographic data

fullscreen: Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort
Subtitle:
Zeitschrift für Geschichte, Heimat- und Volkskunde Vorarlbergs
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Vorarlberger Verl.-Anst.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
Year of publication:
1989-02-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz278241670_1989_02_mont_05_10_02

Article

Structure type:
Article
Author:
Alge, Rudolf
Title:
Ökologie und Heimatbücher
People involved:
Alge, Rudolf

Contents

Table of contents

  • Montfort
  • Montfort : Zeitschrift f. Geschichte u. Gegenwart Vorarlbergs 1989-02
  • Title page
  • Contents
  • Mag. Dr. Reinhold Bernhard zum Gedenken
  • Ökologie und Heimatbücher
  • Die spätmittelalterlichen Fresken am ehemaligen Bregenzer Gesellenspital
  • Das „Marienlied" in Vorarlberg
  • Der Mailänder oder Lindauer Bote
  • Ob blaue Strümpfe einer berühmten Vorarlbergerin zustehen
  • Der Musiker Elias Klein aus Jöhlingen
  • Geburtlichkeit und Sterblichkeit in Vorarlberg 1750-1850
  • Der „Kampf um Bregenz": Ein „episches Finale"?
  • Schrifttum

Full text

Ökologie und Heimatbücher 
FÜR EIN ERWEITERTES SELBSTVERSTÄNDNIS DER HEIMATKUNDEN 
VON RUDOLF ALGE 
„In Heimatbüchein liest man üblicherweise viel über 
die Geschichte, das Gemeinwesen, die Kultur. Man 
findet Kapitel über das Brauchtum, die Tracht, das 
Sport- und Schulwesen und vieles andere mehr. Immer 
steht der Mensch im Mittelpunkt. Und das ist im 
Prinzip gut so. Was aber meist zu kurz kommt, ist die 
belebte Natur, ist die Schilderung der Pflanzen- und 
Tierwelt in ihrer mannigfachen Beziehung zum Men 
schen. Man denke hier nur allein daran, was eigentlich 
die Landschaft prägt. Sicher sind es auch Kirche und 
Häuser, die Straßen und Gehöfte. Sie machen ein Dorf 
unverwechselbar, Genauso unverwechselbar wird es 
aber_ auch durch die prägenden Landschaftsformen, 
durch seine Wälder und Wiesen, durch Hecken und 
Rieder. Gerade sie sind es, die ein Dorf oder Tal zur 
Heimat werden lassen. ” 
Univ.-Prof. Dr, Georg Grabherr 1 
Vorbemerkungen 
Schlagworte wie „Ökologie", „Umweltver 
schmutzung", „Waldsterben" etc. sind heute in 
aller Munde - und das leider zu Recht, wie uns 
die besorgniserregende Entwicklung unserer Um 
welt täglich neu vor Augen führt. Die immer 
dringlichere Durchführung von Umweltschutz 
maßnahmen setzt indes in einem demokrati 
schen Staatsgefüge Einsicht und Verständnis der 
betroffenen Bevölkerung für mitunter unpopuläre 
Maßnahmen voraus, ln diesem Sinne kommt 
einer entsprechenden Aufklärung und Umwelter 
ziehung höchste Bedeutung zu, sollen gute Ideen 
und Konzepte, wie etwa das nunmehr fertigge 
stellte Biotopinventar für Vorarlberg, auch tat 
sächlich ihren Zweck, nämlich die Erhaltung 
einer lebens- und liebenswerten Heimat, erfüllen. 
Hier hätten Heimatbücher eine wichtige Funk 
tion zu erfüllen. Daß sie jedoch nur in sehr 
bescheidenem Maße zum Umweltbewußtsein der 
Bevölkerung beitragen, dessen konnte sich der 
Verfasser dieses Beitrages im Rahmen seiner Lite 
raturrecherchen für das Vorarlberger Biotopinven 
tar vergewissern. Daraus entstand der Gedanke, 
die vorhandenen Heimatbücher kritisch zu sich 
ten und Empfehlungen zu einer zeitgemäßen 
Gestaltung auszuarbeiten. 
Dank gebührt in diesem Zusammenhang insbe 
sondere den Herren DDr. Karl Heinz Burmeister, 
Dipl.-Ing. Dr. Mario F. Broggi und Univ.-Prof. 
Dr. Georg Grabherr für die Durchsicht des Ma 
nuskripts sowie der Vorarlberger Landesregie 
rung, vertreten durch Herrn Dr. Reinhold Bern 
hard, für die gewährte finanzielle Unterstützung. 
130 
Heimatbücher und Ökologie 
Heimatbücher haben in Vorarlberg Tradition. So 
datieren die frühen Klassiker des Genres - „Der 
Mittelberg” von Fink & Klenze oder die Heimat 
kunde von „Au im Bregenzerwald” von Pfarrer 
Hiller - noch aus den neunziger Jahren des 
vergangenen Jahrhunderts. Diese Frühwerke der 
Heimatforschung in Vorarlberg sind im Lichte 
der aufkommenden Heimatschutzbestrebungen 
in den Ländern Mitteleuropas im ausgehenden 
19. Jahrhundert zu sehen. So war etwa in der 
benachbarten Schweiz die lokalgeschichtliche 
Forschung bereits sehr rege, als Prof. Dändliker 
im Jahre 1897 seine richtungsweisende Schrift 
über „Ortsgeschichte und historische Heimat 
kunde in Wissenschaft und Schule, ihre Methode 
und Hilfsmittel" herausgab 2 . In Deutschland war 
es etwas später Hans Stieglitz, der mit seinem 
Buch „Der Lehrer auf der Heimatscholle" (1909) 
wichtige Anstöße zur Heimatforschung im Be 
reich der Schule gab, nachdem zuvor Wilhelm 
Heinrich Riehl und sein Schüler Christian Frank 
der Heimatbewegung Sinn und Richtung gewie 
sen hatten 3 . 
Sollte auch im Idealfall einer Heimatkunde 
„die gesamte Erkenntnis über einen Ort in Buch 
form ” vorliegen 4 , so finden sich in den Heimatbü 
chern der damaligen Zeit doch in aller Regel nur 
spärliche Hinweise auf die Naturkunde des be 
schriebenen Ortes und wenn, dann nahezu aus 
schließlich aus der Sicht der land- und forstwirt 
schaftlichen Produktion: Natur per se existiert in 
den Heimatbüchem bis herauf in die sechziger 
und siebziger Jahre unseres Jahrhunderts (fast) 
nicht. 
Das braucht weiter nicht zu verwundern, wenn 
man bedenkt, daß der Begriff „Ökologie” erst 
1866 von Ernst Haeckel in die Wissenschaft 
eingeführt und die „Landschaftsökologie” gar 
erst 1939 „geboren" wurde. 
Überdies kann und konnte man bei den Hei 
matbuchautoren universelles Wissen ganz ein 
fach nicht voraussetzen. Ihnen allen gebührt den 
noch ausnahmslos größter Respekt vor ihrer oft 
mals aufopferungsvollen Tätigkeit, die - wenn 
auch selten naturkundlich - so doch lokalge 
schichtlich Interessantes in reichem Maße zutage 
förderte. Der angesprochenen Unvollkommen-
	        

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