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Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees u. seiner Umgebung 2010

Bibliographic data

fullscreen: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees u. seiner Umgebung 2010

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung
Place of publication:
Ostfildern
Year of publication:
1869
Publisher:
Thorbecke

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz408032952
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees u. seiner Umgebung 2010
Year of publication:
2010-01-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz014854767_2010

Article

Structure type:
Article
Author:
Oettinger, Klaus
Title:
Freiherr Ignaz Heinrich von Wessenberg. Zu seiner Geltungsgeschichte in der kirchlichen Öffentlichkeit
People involved:
Oettinger, Klaus

Contents

Table of contents

  • Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung
  • Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees u. seiner Umgebung 2010
  • Binding
  • Title page
  • Imprint
  • Contents
  • Jahresbericht des Präsidenten über das Vereinsjahr 2008/09
  • Bericht über die 122. Hauptversammlung am 20. September 2009 in Ravensburg
  • Nachruf Arnulf Benzer
  • Die Lindauer Patriziergesellschaft Zum Sünfzen. Eine neue Namensdeutung
  • Die Chronik des Klosters Isny. Historiographie und Wirklichkeit
  • Germanus est hic mos. Die ethnographischen Betrachtungen des Humanisten Ventura Pontano in einem Brief aus Konstanz (1459)
  • Pilgerwege durch Bayern und Vorarlberg in Richtung Schweiz. Zur Reaktivierung historischer Hauptrouten
  • Ist der Italiener ein Deutscher? Aufgespürt: Ein Altarbild des Manierismus im Überlinger Münster
  • Freiherr Ignaz Heinrich von Wessenberg. Zu seiner Geltungsgeschichte in der kirchlichen Öffentlichkeit
  • Die Villa Leuchtenberg in Lindau. Zur Geschichte des Hauses und seiner Bewohner
  • Wilhelm von Scholz. Die Familie des Dichters und die Odenwaldschule
  • Das unbekannte Gesamte. Zur Baugeschichte der Universität Konstanz
  • Industriekultur und Kulturtourismus am Bodensee. Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte zwischen Marketing und Geschichtskultur
  • Buchbesprechungen
  • Buchanzeigen
  • Other
  • Binding

Full text

120 KLAUS OETTINGER 
Prämissen wird man aber davon auszugehen haben, daß er sich weltanschaulich in je 
nem Horizont bewegen würde, welchen der Aufklärungskatholizismus gegen Ende des 
18. Jahrhunderts markiert hatte. 2 In seinem kirchenpolitischen Handeln wie in seinen 
umfangreichen pastoralen Reforminitiativen griff er auf und führte fort, was Joseph II. 
eingeleitet und dessen Anhänger, die »Josephinisten«, in radikalen oder auch milderen 
Varianten allerorts umzusetzen getrachtet hatten. 3 Diese katholischen Aufklärer wollten 
die Kirche im Sinne einer Kompatibilität mit dem Zeitgeist der Moderne verändern und 
scheuten sich auch nicht, von Fall zu Fall das Risiko eines innerkirchlichen Konflikts mit 
den beharrenden Kräften in Kauf zu nehmen. Bemerkenswert ist dabei, daß die kriti 
schen Auseinandersetzungen den Kernbereich der Theologie, die Dogmatik, nur gering 
berührten, primär jedoch die institutionelle Verfaßtheit der Kirche betrafen. 
Vorab ging es den katholischen Aufklärern darum, 4 die im Zuge der Gegenreforma 
tion ausgebaute Geltung des päpstlichen Primats zurückzudrängen und den Machtans 
pruch der Vatikanischen Jurisdiktion in den Diözesen nördlich der Alpen zu brechen. 
Institutionstheologisch erfuhr das Episkopalsystem eine Aufwertung gegenüber dem 
Römischen Kurialismus und konsequenterweise rückte damit auch das Konzil als funda 
mentales Gesetzgebungsorgan der Kirche in den Vordergrund. Regionale Probleme im 
Verhältnis zwischen Kirche und Staat, aber auch religiöse Probleme der regional differi 
erenden katholischen Gesellschaften sollten vor Ort geregelt werden. So forderte man 
eine »Deutsche Kirche« mit einem deutschen Primas, der mit weitgehenden Kompeten 
zen ausgestattet sein sollte. Die Rolle des Papstes als primus inter pares wurde indes 
sen nicht in Zweifel gezogen, seine Funktion als Repräsentant der Gesamtkirche und als 
Garant der Einheit des Glaubens blieb uneingeschränkt respektiert. 
In ekklesiologischer Hinsicht prononcierte man den sozialutilitaristischen Auf 
trag der Kirche, womit zahlreiche Orden in das Sichtfeld der Kritik gerieten, insbeson 
dere jene, die ausschließlich in Kontemplation und Askese ihre Daseinsberechtigung 
behaupteten. Zahlreiche Klöster wurden geschlossen oder zur Wahrnehmung pastoraler 
Aufgaben gedrängt, in der Pfarrseelsorge, in der Schule, in der Krankenpflege. 
Eine partnerschaftliche Kooperation zwischen Klerus und Laien, die bei der gege 
benen Frontstellung wahrscheinlich sinnvoll gewesen wäre, ließen die Aufklärer außer 
Betracht. Das Volk war lediglich als Gegenstand der pastoralen Bemühungen der Kleri 
ker im Blick, denen die Aufgabe zugewiesen war, die ubiquitär herrschende vermeint 
lich heidnische Unterfutterung der volkstümlichen Frömmigkeit auszumerzen. In jedem 
Traditionselement eines sinnenfrohen religiösen Brauchtums witterte man magische 
Praktiken und blanken Aberglauben. Kurzum, das Volk sollte zu einer rational verant 
wortbaren (und abstrakten) Religiosität erzogen werden. 
Nicht zuletzt sei daraufhingewiesen, daß eine interkonfessionelle Toleranz zwi 
schen Katholiken und Protestanten angepeilt wurde, die auf das Fernziel einer Überwin 
dung der Spaltung hinauslaufen sollte.
	        

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Schriften Des Vereins Für Geschichte Des Bodensees U. Seiner Umgebung 2010. 2010-01-01.
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