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Das Bewusstsein

Bibliografische Daten

fullscreen: Das Bewusstsein

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Schlegel, Emil
Titel:
Das Bewusstsein
Untertitel:
Grundzüge naturwissenschaftlicher und philosophischer Deutung
Beteiligte Personen:
Schlegel, Emil
Publikationsort:
Stuttgart
Veröffentlichungsjahr:
1891
Verlag:
Frommann
Größe der Vorlage:
128 S.

Physikalischer Standort:
Europäische Bibliothek für Homöopathie (EBH), Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=532567

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Pathologie des Bewusstseins.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Das Bewusstsein
  • Titelseite
  • Wer als Naturforscher...
  • Vorwort.
  • Einleitung
  • Physiologie des Bewusstseins.
  • Pathologie des Bewusstseins.
  • Der mechanische Wert der Bewusstseinserscheinungen.
  • Inhalts-Uebersicht.

Volltext

— 74 - 
selbst nicht verstehen, an welcher sie aber wirksamsten An- 
teil und Gewinn nehmen. Es ist durchaus nicht ausge- 
schlossen, dass die Beziehungen, welche zwischen den Einzel- 
wesen des grossen Lebensreiches und zwischen den uns 
unbekannten Zielen des universalen Prozesses und den Lebe- 
wesen existieren, ebenfalls wieder irgendwo und irgendwie 
zu einem Bewusstsein gelangen und in einer idealen Einheit, 
als im absoluten Sein, erscheinen. Die Idee Gottes, von 
dieser Seite her betrachtet, dürfte nicht als eine unwürdige 
bezeichnet werden. 
Hat uns die Cellularphysiologie den früheren Begriff des 
Individuums geraubt und an seine Stelle den „Zellenstaat", 
das Gemeinwesen innerhalb des tierischen Organismus, ge- 
setzt, so ist insbesondere von M e y n e r t in seinem Vortrage 
„Das Zusammenwirken der Gehirnteile" (X. internationaler 
medizinischer Kongress) das Gehirn als „eine Kolonie durch 
Fühlfäden und Fangarme sich des Weltbildes bemächtigender 
lebender bewusstseinsfähiger Wesen" dargestellt worden und 
die Gestalt, zu welcher diese soziale Zellenkolonie in der 
Hirnrinde sich anordnet, erscheint diesem Forscher als „eine 
taktische Aufstellung zur Bewältigung, zum Einfangen der 
äusseren Natur". Diese nach einer geistvollen Ausführung 
wohlberechtigten Anschauungen erfordern um so mehr die 
psychologische Parallele. Sie fällt einer unmittelbaren Be- 
trachtung nicht schwer: was wir an Bewusstsein in uns ge- 
wahren, ist ein ganzes Nest von Empfindungen und Regungen, 
in welchem das „Wir" sich zum „Ich" erklärt und gestaltet. 
Diese ideale Resultante, welche doch gleichzeitig in den 
realen Naturbeziehungen die beherrschende Stelle einnimmt 
und sich mit den metaphysischen Weltzwecken verwachsen 
zeigt, entschädigt uns für den verlorenen Individualitäts- 
begriff, wie er substanziell gefasst worden war. Das Ich ist 
ein ewig Werdendes; ein Sein nur im absoluten Sein und 
durch dasselbe. 
Pathologie des Bewusstseins. 
Auch auf dem Gebiete des Bewusstseins gehen die Er- 
scheinungen der Lebensthätigkeiten in schwer festzustellenden 
Grenzen auf das Pathologische über. Der Begriff des letz- 
teren ist an sich ein Leiden, eine Störung des Lebens, welche 
ihm aus Ursachen erwächst, die in der gegebenen Form nicht 
im Bereich seiner Zwecke liegen. Es drängt sich also eine 
Hemmung oder ein nicht zweckdienlicher Reiz in den Nexus 
der Lebensbedingungen, welche das Bewusstsein ermöglichen. 
Zunächst treten uns die Defekte des Bewusstseins entgegen. 
Wie im Schlafe kann die Selbsterscheinung mehrweniger 
eliminiert sein, doch ist für das pathologische Gebiet be- 
zeichnend, dass die Erweckbarkeit durch solche Reize auf- 
gehoben ist, welche den Schlafenden zur Wahrnehmung seiner 
Weltbeziehungen zurückrufen würden. Es ist klar, dass ein 
solch defektes Verhalten den Naturzwecken der belebten 
Masse widerspricht, sie vielmehr den grössten Gefahren aus- 
setzt. Die eingetretene Hemmung ist hier erfahrungsgemäss 
eine physikalische, welche sich auf das Gehirn erstreckt: 
starke Erschütterung, Druck, Verhinderung des Blutverkehrs 
im Gehirn, oder sie ist eine chemische: Anwesenheit hin- 
reichender Mengen von Substanzen im Blute, welche wir 
als betäubende kennen: Alkohol, Opium u. s. w. 
Femer sind es Krankheitsreize, welche wir im einzelnen 
nicht kennen, die wir uns aber ebenfalls vorstellen müssen 
als aus physikalischen und chemischen Ursachen bestehend, 
oder aus beiden kombiniert. Die Krankheitsformen, welche 
hier besonders in Frage kommen, sind die epileptischen, apo-
	        

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Schlegel, Emil. Das Bewusstsein. Frommann, 1891.
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