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Das Bewusstsein

Bibliografische Daten

fullscreen: Das Bewusstsein

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Schlegel, Emil
Titel:
Das Bewusstsein
Untertitel:
Grundzüge naturwissenschaftlicher und philosophischer Deutung
Beteiligte Personen:
Schlegel, Emil
Publikationsort:
Stuttgart
Veröffentlichungsjahr:
1891
Verlag:
Frommann
Größe der Vorlage:
128 S.

Physikalischer Standort:
Europäische Bibliothek für Homöopathie (EBH), Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=532567

Vorwort

Strukturtyp:
Vorwort
Titel:
Wer als Naturforscher...

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Das Bewusstsein
  • Titelseite
  • Wer als Naturforscher...
  • Vorwort.
  • Einleitung
  • Physiologie des Bewusstseins.
  • Pathologie des Bewusstseins.
  • Der mechanische Wert der Bewusstseinserscheinungen.
  • Inhalts-Uebersicht.

Volltext

eigenes gewiss, durch den Analogieschluss, durch den psycho- 
logischen Anthropomorphismus. Hier zeigt sich schon, dass 
das Bewusstsein in den einfachsten Tierformen dem Be- 
wusstseinsorgan, dem Nervensystem überhaupt vorangeht, 
und dass, wo ein Bewusstseinsorgan besteht, wie das Bienen- 
und Ameisenhirn, wir der gewagtesten Unterstellungen be- 
dürfen, den Anthropomorphismus, das Forschungsmittel des 
eigenen Bewusstseins durch den Analogieschluss abzulehnen. 
Dem schönen Satze von Quetelet entgegen, dass in der 
Statistik die menschlichen Handlungen hohe Gesetzmässig- 
keit gewinnen, während sie vereinzelt ganz individuell 
erscheinen, so wie man aus der Nähe vom Bord eines 
Schiffes lauter Einzelkräuselungen der Meereswellen be- 
merkt, durch kleine Wechsel volle Bewegungsanstösse, da- 
gegen von der Höhe des Mastes ein gleichmässiges, regel- 
mässiges Wogen der Wellen, verwundert man sich, in den 
so mangelhaften Beobachtungen eines socialen Tierlebens 
nicht genug Individualismus wahrnehmen zu können, um 
dem Einzelbewusstsein einen genügenden Spielraum geben 
zu dürfen, ähnlich dem menschlichen, wobei wir als Re- 
sultat des hier so gross angenommenen Individualismus 
sich doch ergeben sehen, dass die Zahl der Heiraten stati- 
stisch weniger Schwankungen unterliegt, als die Sterbe- 
fälle, und dass der Hass der kriegerischen Menschenstämme 
gegen einander ein die Massenbewegung beherrschendes 
Motiv ist, fast uns selbst so rätselhaft, als die Feindschaft 
unter den Ameisenstämmen. Wenn man aus Babinets 
Abhandlung über die Bewohner der Sterne weiss, dass 
unser Teleskop uns auf einem so nahen Gestirne die Be- 
wegungen von Herden, von Heeren nicht vorenthalten 
würde, so könnte ein fingierter Mondbewohner im allge- 
meinen über die grossen Bewegungen der Menschen nahezu 
mit so viel oder wenig innerer Einsicht orientiert sein, 
- 5 - 
wie wir über die Feindschaft unter den Ameisen. Seit 
Kant ist das abstrakte Denken naturwissenschaftlich und 
sein Interprete Schopenhauer machte auf die Un- 
wesentlichkeit der Terminologie aufmerksam, indem Kant 
unter Seelenvermögen doch nur Gehirnleistungen verstehe, 
nachdem er über Locke hinaus, nebst dem Anteil der 
Sinnesorgane an der Anschauung auch noch die der Ge- 
hirnassociation von dem Hintergrund des Weltbildes ab- 
zog. Fechner sagt: Ob einem alles Wesen geistig oder 
anschaulich erscheint, hängt nur vom Standpunkt ab. 
Der auf dem Erdball Stehende erblickt die Ptolemäische 
Welt, ein auf der Sonne Fussender würde die Kopernika- 
nische erblicken, einem in einer Linie Stehenden würde 
die konvexe Seite unter der Decke des Innern verborgen 
sein und ebenso verschwände dem die Konvexität derselben 
äusserlich Anschauenden die konkave Seite der Linie unter 
der Decke ihrer Aussenseite. Nicht minder wahr und 
gelungen ist Rokitanskys Gleichnis über das Weltbild, 
verglichen einem Mosaik, dessen Steine nicht nur für unsre 
Anschauung die erheblichsten Lücken bieten, sondern bei 
dem vor allem der Untergrund unbekannt ist, auf welchem 
es aufliegt. 
Die Forschung der Psychologen ist von der naturwissen- 
schaftlichen nur in einem Punkte verschieden, sie strebt 
weiter. Die Naturwissenschaft ist begnügt mit den Er- 
scheinungen und glaubt sich nirgends der Kräfte zu be- 
mächtigen. Der Psychologe aber glaubt, etwas über die Kraft 
aussagen zu können. 
Darin liegt aber keine Scheidung des Wissens noch 
der Forschungswege und die nächste Aufgabe ist, dass die 
etwaigen Bewahrer eines verschieden ausgestalteten, wenn 
auch in jedem ruhenden Bedürfnisses miteinander gern und 
verständnisvoll sich austauschen. In solchem Sinne kann
	        

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Schlegel, Emil. Das Bewusstsein. Frommann, 1891.
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