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Mein System

Bibliografische Daten

fullscreen: Mein System

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Jaeger, Gustav
Titel:
Mein System
Untertitel:
zugleich vierte, völlig umgearbeitete Auflage von "Die Normalkleidung als Gesundheitsschutz"
Beteiligte Personen:
Jaeger, Gustav
Publikationsort:
Stuttgart
Veröffentlichungsjahr:
1885
Verlag:
Verlag von W. Kohlhammer
Größe der Vorlage:
IV, 332 Seiten

Physikalischer Standort:
EBH, Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=4849403

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Zweiter Theil. Naturwissenschaftliches.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Mein System
  • Titelseite
  • Inhalts-Verzeichniß.
  • Einleitung
  • I. Theil. Historisches.
  • Zweiter Theil. Naturwissenschaftliches.
  • Dritter Theil. Praktisches.
  • Fachbegriffsregister
  • Druckfehler.

Volltext

- 98 - 
Zweiter Theil. 
Naturwissenschaftliches. 
6. Krankheit und Gesundheit. 
Jede Maßregel auf dem Gebiete der Gesundheitspflege, 
heiße sie Heilung ober Vorbeugung, trifft nur dann ins Ziel, 
wenn ihr ein klares Verständniß des Wesens jener zwei Haupt- 
zustände, um die es sich handelt, nämlich des Wesens Von 
Krankheit und Gesundheit zu Grunde liegt. Ueberblickt man 
die vorhandene Literatur, so findet mau ungeheuer viel übel 
einzelne Krankheiten, aber auf die einfache Frage, was Krank- 
hei l abgesehen dun jeder Lasuistik ist, erhält man keine Ant- 
wort, und auf die Frage von dem, was Gesundheit ist, gibt 
es entweder gar keine Antwort oder bloß die negative: man ist 
gesund, wenn man nicht krank ist! 
Mit dieser Hilflosigkeit und Verwirrung in den Büchern 
contrastirt die Proinptheit und Sicherheit, mit welcher der ein- 
fachste Mensch auf die Frage nach seinem Befinden die Antwort 
ertheilt: ich bin gesund, oder ich bin krank. Woher kommt das? 
.Antwort: Gesundheit uud Krankheit sind Gemcingefühl»' 
zustände, über die ein Mensch ebenso sicher an sich selbst 
orieutirt ist wie über jeden andern Oemeingefühlsznstand. So 
sicher ei» Mensch weiß, ob er hungrig ist oder satt, traurig oder 
lustig, müde oder arbeitsfrisch, so sicher weiß er, ob er krank ist 
oder gesund, und notn, k«nß er ist darüber, daß er überhaupt 
krank oder gesund ist, unbedingt genauer unterrichtet, als der 
sachverständigste Arzt. 
Wenn wir nun einen Einblick in das Wesen dieser zwei? 
Zustände gewinnen wollen, so ist nöthig, daß wir uns von jeder 
— 9!) — 
Casuistik fern halten. Bei der Frage nach der Gesundheit ist 
dies selbstverständlich, denn es gibt nur eine Gesundheit. Aller- 
dings auf dem Gebiete der Krankheit haben wir eine außer- 
ordentliche Vielheit, aber um diese handelt es sich nicht, sonder» 
um das, was bei allen Krankheiten gemeinschaftlich ist. 
Es greife doch jeder nur in seine eigeue Erfahrung, Wie oft 
frägt man einen Kranken, was ihm fehle, d. h, an welcher be- 
sonderen Krankheit er leide, und erhält die Antwort: „ich weis; 
nicht", trotzdem daß er ganz gut weiß, daß er überhaupt krank 
ist, uud wie «st ist der Arzt, der zu einem Kranken gerufen 
wird, um kein Haar klüger. (!r ist auch keinen Augenblick 
darüber zweifelhaft, daß der Mensch krank ist, aber welche 
specielle Krankheit vorliegt, weiß er anch nicht und erklärt, man 
müsse abwarten, was daraus werden wolle, ob ein Thphns, eine 
Lungeneutzünduug ?c. I n diesem Fall ist doch klar, daß die 
specielle Krankheit, deren Eintritt der Arzt abwarten will, 
nicht das Wesen der Krankheit bildet, nicht die Ursache der 
Störung des Gemeiugefühlszustandes ist, sondern erst die Folge 
dieser Störung: die Störung des Allgemeinbefindens 
lst stets das Erste, also Wesentliche, die Störung i n 
ben einzelnen Organen, Funktionen uud Abson- 
derungen dagegen — das, was der Arzt die Lokali- 
Nrung nennt — das Sekundäre. 
Turin liegt der große Fehler unserer medicinischen Wissen- 
schaft und Piaris, daß sie erst dann von einer Krankheit spricht, 
^enn eine anatomische, d. h, an der Leiche nachweisbare Ver- 
änderung des groben Mechanismus vorhanden ist. Alles 
bos, womit unsere medicinische Gelehrsamkeit ihre monströsen 
Bücher nnd Zeitschriften anfüllt, bezieht sich fast blos auf die 
«olgezustände des Umstandes, daß in den Gang der Körpei- 
lnaschine ein falscher »Mritu^ i-e^ai- eingegriffen hat und in 
Folge des falschen Gangs an irgend einer Stelle die Maschine 
eine Schädigung erfahren hat. Tas Wesentliche der Krankheit 
^ nicht der Schaden an der groben Maschine, sondern jener 
^pirnu8 i'cewr, der den falschen Gang hervorgerufen hat. Der 
Zustand der ganzen ärztlichen Praxis ist der: weil weder das
	        

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Jaeger, Gustav. Mein System. Verlag von W. Kohlhammer, 1885.
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