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Der Kampf um die Homöopathie

Bibliografische Daten

fullscreen: Der Kampf um die Homöopathie

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Planer, Reinhard
Titel:
Der Kampf um die Homöopathie
Untertitel:
pro et contra
Beteiligte Personen:
Planer, Reinhard
Publikationsort:
Leipzig
Veröffentlichungsjahr:
1926
Verlag:
Hügel
Größe der Vorlage:
VII, 353 S.

Physikalischer Standort:
Europäische Bibliothek für Homöopathie (EBH), Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=4638930

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Der Kampf um die Homöopathie

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Der Kampf um die Homöopathie
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Der Kampf um die Homöopathie

Volltext

352 Friedländer, Irrungen und Wandlungen. 
zinischen Wissenschaft irre. Möglicherweise kommt es zu einer Be= 
wegung, die dahin abzielt, daß wir wie Jod=(Kropf=)Prophylaxe, so 
auch Schwefel=(Karzinom=)ProphyIaxe treiben. Arme — oder 
glückliche Kinder! Die Bedeutung der Mineralsalze für den Aufbau 
des Körpers ist bekannt. Die neuzeitliche Medizin bedient sich der 
gewonnenen Erkenntnisse in reichem Maße. Sie verordnet Kalzium, 
Phosphor usw. — sie weiß aus den Beobachtungen der Hundezüchter, 
daß dem Trinkwasser, das (besonders jungen) Hunden gereicht wird, 
Schwefel beigemengt werden soll. (Ich verweise auf die schöne Arbeit 
von Matthes: über Biochemie und die sog. biochemische Heil= 
methode, Zeitschr. f. ärztl. Fortbild. 1925, Nr. 9.) 
Aber: wenn Grummes Annahme, die er durch wesensähnliche 
Feststellungen anderer Forscher zu stützen versucht, zutrifft, dann 
wäre diese eine medizinische Großtat ersten Ranges. Ungesäumt 
müßte die Arbeit an allen Orten beginnen. Alles muß aufgeboten 
werden — „daß es nicht jahrzehntelanger Beobachtungen" bedarf 
(wie Grumme schreibt), bis diese Frage geklärt ist; zu allererst muß 
verhütet werden, daß eine wilde prophylaktische „Schwefelvorbe= 
handlung bei Krebskranken unter Ausschaltung des Chirurgen 
ausbricht." Diese „Proph ylaxe der Schwefelproph ylaxe" ist 
um so ernster zu betreiben, als beispielsweise von dem in allopathi= 
sehen Mengen gegebenen Catamin (Schwefel mit Zinkoxyd) berichtet 
wird, daß es Krätze, Ekzeme in „durchschnittlich j Tagen prompt 
heilte" und weil Grummes Veröffentlichung zeitlich zusammen: 
trifft mit der Bierschen Frage: „Wie sollen wir uns zu der Homöo= 
pathie stellen?" Bier antwortet: Wir sollen das Wertvolle aus der 
Hahnemannschen Lehre hervorsuchen und verwenden. Bier 
macht die Nachprüfung seiner erstaunlichen Mitteilungen jedem 
Vorurteilslosen leicht: Er hat die hartnäckigsten Fälle von Furun= 
kulose durch V100 mg (!) Schwefel geheilt. Er hat Kranke, die 
alle anderen bekannten Mittel erfolglos versuchten, mit 
Hilfe der Homöopathie von einem schweren oder min = 
destens sehr lästigen Leiden befreit. 
Die von einem Forscher wie Bier stammenden Veröffentlichungen 
können in ihrer Tragweite nicht hoch genug bewertet werden. Bier 
hat nicht nur, wie er schreibt, „in ein Wespennest gestoßen". Von 
dem Ergebnis der Nachprüfung hängt — meiner Ansicht nach — das 
wissenschaftliche Ansehen Biers (und manch eines anderen!) ab. 
Friedländer, Irrungen und Wandlungen. 353 
Die Bestätigung seiner Befunde (woran vernünftigerweise eigentlich 
kaum gezweifelt werden dürfte, denn Bier weiß doch, was er be= 
hauptet) bedeutet einen besonderen Zeitabschnitt in der Heil= 
künde. Verlangt gegebenenfalls eine Umwertung unserer 
Schulmedizin, gebietet eine Neuorientierung. 
Das Gebot ist ernst und dringend. Es muß erfüllt werden im 
Interesse der auf uns vertrauenden Kranken, der dea „Hoch = 
schulen" anvertrauten studierenden Jugend. 
Die jetzt zu erwartende Verwirrung muß um so rascher beseitigt 
werden, als die „Autorität" auch sonst vielfach wankt oder unter= 
graben wird; als alte Traditionen zusammenbrachen; als Wunder= 
glaube sich breit und erhöhte Suggestibilität empfänglich macht für 
alles Absonderliche, Neuartige (und oft so Alte). 
Heute darf nicht unfruchtbares Zanken entstehen; auch Verhüllen 
oder Totschweigen wäre überaus gefährlich. Waren wir befangen, 
eingeengt, blind — so geben wir es im Interesse der Wis = 
senschaftlichkeit und Wahrheit, die eins sind, eins sein 
müssen, zu. 
Nicht kämpfen und streiten — arbeiten, nachprüfen ist die Losung. 
Jeder Forscher ist verpflichtet, zu den neuen Fragen Stellung zu 
nehmen, um mitzuhelfen: daß erkannt wird, wo wir stehen: ob etwa 
der, vorläufig von einzelnen, berannte Bau unserer stolzen medizi= 
nischen Wissenschaft auf neue, andere, breitere Grundlagen gestellt 
werden muß; ob die Allopathie zu überprüfen, Homöopathie zum 
Gegenstand sorgfältigster, klinischer Untersuchung zu machen ist. 
Kolloid=Serum=Strahlungslehren=Anaphylaxie — gemahnen sie nicht 
an die Bedeutung des „nicht Meß= und Wägbaren"? (0,0000000001 
ccm Alttuberkulin können eine Wirkung zeigen!) 
Es mag wünschenswert sein, in heutiger Zeit vor der Ergreifung 
der ärztlichen Tätigkeit zu warnen. Doch soll diese Warnung logi= 
sehen, psychologischen, sozialen, ökonomischen Erwägungen entsprin= 
gen. Nicht entspringen dem Uexküllschen Ausspruch: Wissen = 
schaftliche Wahrheit von heute kann morgen ein Irrtum 
sein; nicht entspringen der Anschauung: Alles (medizinische) Wissen 
ist eitel. 
Es geht um mehr als um die Frage: Heilt der Schwefel 
in homöopathischen Dosen — die Furunkulose? 
Planer, Der Kampf um die Homöopathie. 25
	        

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Planer, Reinhard. Der Kampf Um Die Homöopathie. Hügel, 1926.
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