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Der Kampf um die Homöopathie

Bibliografische Daten

fullscreen: Der Kampf um die Homöopathie

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Planer, Reinhard
Titel:
Der Kampf um die Homöopathie
Untertitel:
pro et contra
Beteiligte Personen:
Planer, Reinhard
Publikationsort:
Leipzig
Veröffentlichungsjahr:
1926
Verlag:
Hügel
Größe der Vorlage:
VII, 353 S.

Physikalischer Standort:
Europäische Bibliothek für Homöopathie (EBH), Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=4638930

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Der Kampf um die Homöopathie

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Der Kampf um die Homöopathie
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Der Kampf um die Homöopathie

Volltext

2 Bier, Wie.sollen wir uns zu der Homöopathie stellen? 
milia similibus 
curantur)1). 
Hahnemann wandte sie nicht etwa 
nur auf Arzneimittel an, denn er nahm die Pockenimpfung, die 
Behandlung der frischen Erfrierungen mit Kälte, der frischen Ver= 
brennungen mit Hitze als homöopathische Heilmittel in Anspruch. 
Vor mir behandelte man die Entzündung im wesentlichen im 
Galenschen Sinne Contraria contrariis, indem man die Blutfülle, 
die Hitze, die Geschwulst zu bekämpfen suchte. Ich verstärkte da= 
gegen durch physikalische Mittel die Entzündung, in der ich die 
Selbsthilfe des Körpers sah: Similia similibus. 
Heftig wetterte Hahnemann gegen die Behandlung der. Ent= 
zündung durch Derivantia und Revulsiva, denn er hatte die allgemein 
verbreitete Ansicht, daß diese die Entzündung dämpfen sollten, also 
allopathische Mittel seien. Hätte er damals schon meine Auffassung 
von diesen Maßnahmen als entzündungsverstärkenden gekannt, so 
hätte er sie wohl zweifellos als eine wertvolle Stütze der Ahnlich= 
keitsregel angesehen. 
Schließlich folgte ich (1900) — damals ebenfalls noch unbewußt — 
dieser Regel, als ich den Sinn der Tierbluttransfusion in das Gegen= 
teil verkehrte mit der Vorstellung: nicht der Ersatz von Blut und 
Körperteilen ist dabei das Wesentliche, sondern die Zersetzung 
(Eiweißzerfall), die den Körper zu der Abwehrtätigkeit reizt, die 
wir mit den Worten Entzündung und Fieber bezeichnen. Die wei= 
tere Erfahrung zeigte, daß man mit den verschiedensten Reizkörpern 
eiweiß= und nichteiweißartiger Zusammensetzung (z. B. Yatren, 
Schwefel) dasselbe erreicht. 
Mit diesen Reizkörpern will ich mich zunächst beschäftigen und 
zeigen, daß sie auch weit über die Ahnlichkeitsregel hinaus in Wir= 
kung und Anwendungsweise durchaus an homöopathische Vorstel= 
lungen erinnern oder ihnen entsprechen. 
Hahnemann wählte seine Mittel weniger nach bestimmten 
Krankheitsformen als nach Symptomähnlichkeit, und behandelte 
die Gesamtheit der Symptome. Dasselbe tun wir bei der Reizkörper= 
behandlung auch. Wir wenden sie bei jeder chronischen Entzündung 
an, mag sie nun traumatischer, rheumatischer, gichtischer, gonor= 
rhoischer, tuberkulöser oder sonstiger Natur sein. Immer sind die 
Symptome der Entzündung grundsätzlich gleich und nur dem Grade, 
J) Ich will mich hier nicht auf den mehr philologischen Streit einlassen, 
ob es curantur oder curentur heißen soll. 
Bier, Wie sollen wir uns zu der Homöopathie stellen? 3 
nicht aber dem Wesen nach verschieden, und werden auch mit glei= 
chen oder ähnlichen Mitteln behandelt. Auch darin folgen wir der 
Homöopathie, daß wir den Reizmitteln ihre höchste und nutzbrin= 
gendste Wirkung bei den chronischen Erkrankungen zuschreiben und 
bei den 
akuten1) 
Krankheiten, in denen wir sie verwenden, höhere 
Gaben verabreichen. 
Ganz klar hat Hahnemann ausgedrückt, daß der Kranke schon 
auf viel kleinere Gaben eines Arzneimittels als der Gesunde, und 
beim ersteren wieder der kranke — und besonders der chronisch 
kranke — Körperteil viel stärker als der übrige Körper reagiert. Das 
aber ist, nachdem ich mehrmals nachdrücklich darauf hingewiesen 
habe, jetzt wohl allgemein bei der Reizkörperbehandlung anerkannt. 
Außerdem zeigte mein Assistent A. 
Zimmer2), 
daß der Gesunde 
250.000mal so viel Ameisensäure nötig hat, wie der Gichtkranke, um 
Krankheitserscheinungen zu bekommen. Diese erhöhte Reizbarkeit 
des Krankheitsherdes nennen wir die Herdreaktion. 
Was ist die allgemeine und örtliche Reaktion anders als Hahne = 
manns Erstwirkung, was die Besserung des Leidens nach dieser 
anders als Hahnemanns Nachwirkung. 
Es war lange Zeit ein Grundsatz Hahnemanns, niemals eine 
zweite Gabe eines Arzneimittels zu verabreichen, bevor nicht die 
Wirkungen der ersten verklungen sind. Ebenso fordern wir bei der 
Reizkörperbehandlung, daß die Reaktion verschwunden sein muß, 
ehe das Mittel von neuem verwandt wird. 
Hahnemann verwirft die hohen Gaben von Arzneimitteln, da 
sie leicht Verschlimmerungen hervorrufen. Die Dosen sollen so klein 
sein, daß die Erstwirkung (die Verstärkung der Symptome) —• oder, 
wie wir jetzt sagen, die Reaktion — kaum oder gar nicht bemerkbar 
wird. Wir selbst haben viele Jahre gebraucht, um bei den Reiz= 
körpern zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Mehrere Fälle von gerade= 
zu furchtbarer Verschlimmerung chronischer und subakuter Gelenk= 
rheumatismen, die, durch von anderer Seite gegebene zu hohe Gaben 
hervorgerufen, in kürzester Zeit die Kranken, die vorher noch leid= 
1) Ich habe schon früher beschrieben, daß ich bereits vor mehr als 20 Jahren 
glaubte feststellen zu können, daß die einzige hochakute Krankheit, auf die die 
eingespritzten Reizkörper unzweifelhaft günstig wirken, die Tripperinfektionen 
sind. Ich glaube, daß das im allgemeinen auch heute noch behauptet werden kann. 
2) Siehe Bier: Der Reizverzug. Münchn. med. Wochenschr. 1922, Nr. 31.
	        

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Planer, Reinhard. Der Kampf Um Die Homöopathie. Hügel, 1926.
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