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Die Homöopathie

Bibliografische Daten

fullscreen: Die Homöopathie

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Jaeger, Gustav
Titel:
Die Homöopathie
Untertitel:
Urtheil eines Physiologen und Naturforschers
Beteiligte Personen:
Jaeger, Gustav
Publikationsort:
Stuttgart
Veröffentlichungsjahr:
1888
Verlag:
Selbstverl.
Größe der Vorlage:
48 S.

Physikalischer Standort:
EBH, Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=424452

Vorwort

Strukturtyp:
Vorwort
Titel:
Vorwort.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Die Homöopathie
  • Titelseite
  • Vorwort.
  • Ueber Homöopathie.

Volltext

Mir fiel's wie Schuppen von den Augen: die unsichtbaren Po­ 
tenzen des Hungers und der Liebe, das leitende auf der Spur nach 
der Nahrung und den Genossen sind — homöopathische Ver­ 
dünnungen! Das Feine, diese charakteristische und gesuchteste 
Eigenschaft einer Speise, eines Getränkes ist nichts anderes als ein 
homöopathisch verdünnter Stoff und die Finessen (nicht die Roh­ 
heiten) der Liebe wurzeln wieder in nichts anderem! 
Kurz gesagt, ich sah: die Sprache der lebenden Natur predigt 
laut und überlaut die Lehren der Homöopathie; aber wie kommt 
es, dass in ganz Europa — in Amerika, dem Land der Praxis, nicht 
— die Homöopathie wissenschaftlich für eine Ketzerei erklärt wird? 
Das ist sehr einfach und wieder sehr komplizirt. Einfach dessbalb: 
die Sprache der Natur lernt man weder auf der Schulbank in der 
verstunkenen Schulluft, noch an der Leiche im Seziersaal, noch am 
geschundenen Thier im Laboratorium, noch am siechen Cultur- 
menschen im Spital, sondern nur in der Natur selbst. Unsere 
Naturwissenschaften sind nichts weiter als Scholastik und blei­ 
ben daher nach der Richtung der lebendigen Natur todtes Wissen 
und absolut unfähig, ein Verständniss für die lebendige Natur zu 
erzeugen. Also das ist sehr einfach, das Komplizirte beginnt aber 
bei der Frage: wie soll man es machen, um der Natur den Sieg 
über die Schulmeinung zu verschaffen, an die Stelle der Macht der 
Gewohnheit die Macht der Wahrheit zu setzen? 
Da antworte ich resignirt und durch Erfahrungen belehrt: das 
wird in Europa, speziell in Deutschland, niemals geschehen. Eher 
kommt es dahin, dass der letzte Bauernbube bei uns chinesisch oder 
Volapük lernt, als dass auch nur in den leitenden Kreisen die 
Jugend mit der Sprache der Natur vertraut gemacht wird. Bei uns 
bleibt der verachteten, mit Füssen getretenen, für unsalon- und un­ 
kommentmässig erklärten Natur nur das eine übrig, sich an ihren 
Peinigern und Steinigem zu rächen, indem sie dieselben elendem 
Siechthum und jämmerlichem Tod überantwortet. Und die wenigen, 
welche wie die Homöopathen der Natur etwas abgelauscht haben, 
werden in Deutschland ewig zur Rolle des höchstens geduldeten 
Ketzers verurtheilt bleiben. Darüber mache ich mir keine Illusionen. 
Wenn ich trotzdem nochmals meine Stimme für diese Sache erhebe, 
so geschieht es blos desshalb, weil ich hoffe, hiedurch die Zahl der 
Ketzer um einige Stimmen zu mehren und das ist solamen miserum, 
socios habuisse malorum. 
G. Jaeger.
	        

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Zitierempfehlung

Jaeger, Gustav. Die Homöopathie. Selbstverl., 1888.
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