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Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>

Bibliografische Daten

fullscreen: Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Autor:
Jaeger, Gustav
Titel:
Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>
Untertitel:
Notschrei eines misshandelten Naturgesetzes
Beteiligte Personen:
Jaeger, Gustav
Publikationsort:
Stuttgart
Veröffentlichungsjahr:
1891
Verlag:
Jaeger
Größe der Vorlage:
IV, 62 S.

Physikalischer Standort:
EBH, Köthen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=38392022

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Die Flucht vor dem Gleichen.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>
  • Titelseite
  • Vorwort.
  • Einleitung
  • Der Zug zu Gleich und Ähnlich.
  • Essen und Trinken.
  • Die Flucht vor dem Gleichen.
  • Gleich und Ähnlich in der Heilkunst.
  • Aus der Geschichte der Medicin.
  • Gleich und Ähnlich
  • Anmerkungen.
  • Inhaltsverzeichnis.

Volltext

— 30 — 
Also läuft die Flucht vor dem natürlichen Feind auf die 
Flucht vor dem eigenen Exkrement hinaus: der natürliche 
Feind stinkt und zwar im Uebermass nach dem spezifischen 
Exkrement des Gefressenen und das ist letzterem, d. h. seinem 
Artgenossen, fürchterlich. 
Welchen Geruchseindruck der menschenfressende Tiger auf 
den Menschen hervorbringt, kann in „Entdeckung der Seele" nach- 
gelesen werden, hier führe ich nur noch zur weiteren Ver- 
allgemeinerung des Gesetzes an : 
Dass die Bettwanze stinkt, wird niemand bestreiten, dass das 
auch von Läusen und Flöhen gilt, davon möge sich, wers nicht 
glaubt, selbst überzeugen, und dass der Krätzkranke eine sehr 
widerliche Ausdünstung hat, kann in jedem grosseren Spital er- 
mittelt werden. Also gilt das Gesetz der Isophobie nicht bloss für 
den natürlichen Feind im Grossen, das Raubtier, sondern auch 
für das Verhältnis von Wirt und Parasit: Aus dem Parasiten, 
der sich von den Säften des Wirtes nährt, stinkt diesem sein 
eigenes Exkrement entgegen und deshalb ist ihm der Parasit, ab- 
gesehen von allem andern, ekelhaft. 
Davon macht auch der Krankheitsbacillus keine Ausnahme, 
derselbe nährt sich von der Körpersubstanz des Kranken, indem 
er sie zersetzt und hiebei entsteht unter allen Umständen auch 
das spezifische Exkrement des Kranken. Thatsächlich verbreiten 
auch fast alle Bacillenkranken einen lebhaften Exkrement- 
geruch, dem natürlich der spezifische, der Selbstexkrementsduft 
des Bacillus beigemengt ist. (Die Volksanschauung von den „ver- 
schlagenen Winden" trägt dieser Thatsache Rechnung, hat übrigens 
auch noch in anderem ihre Begründung.) 
Dass solch allgemeine mächtige Naturgesetze, wie die Iso- 
philie und die Isophobie denen, welche sich mit praktischen Mass- 
nahmen bei Lebewesen befassen, besonders berufsmässig befassen, 
bis auf die Neuzeit entgangen sein sollten, ist von vornherein un- 
denkbar und dass es nicht geschah, davon kann man sich auf 
zweierlei Weise überzeugen. 
Erstens: Wenn man sich zu Naturvölkern begiebt, so 
findet man zahlreiche Kunstkniffe isophiler und isophober Art. 
Zweitens: Wenn man etwas thut, was leider von unserer 
neuzeitlichen Scholastik, namentlich der ärztlichen, in bedauerns- 
wertem Masse unterlassen oder vernachlässigt wird, wenn man 
nämlich die Geschichte, und zwar "besonders die Geschichte 
— 31 - 
der Medizin studiert. Man findet da, dass in verschiedenen 
Jahrhunderten Anläufe genommen wurden, teils das isophile, teils 
das isophobe Gesetz im Dienst der Heilkunst, teils zu Heil-, teils 
zu Vorbeugemassregeln zu verwerten. Daneben laufen Massnahmen, 
die sich mit den beiden Gesetzen nicht decken, sondern einem 
andern Naturgesetz entsprechen, das ich hier nicht erörtern will 
— in meiner III. Auflage von „Entdeckung der Seele" kann das 
Einschlägige nachgelesen werden — das aber neben den zwei hier 
besprochenen Gesetzen herläuft. 
Aber merkwürdig: die Geschichte der Medizin zeigt auch 
folgendes: Wie es Irrtümer giebt, die nicht auszurotten sind, so 
giebt es auch Wahrheiten, die jedesmal wieder aufleben, wenn 
man glaubt, sie längst totgeschlagen zu haben. Die andere Seite 
der Sache ist dann die, dass das Wiederaufleben jedesmal einen 
ungeheuren Krawall verursacht. Eine solche ist der schon von 
den egyptischen Priestern des Altertums ausgeübte Heilmagne- 
tismus, der vor hundert Jahren als Mesmerismus wieder auf- 
lebte, glücklich totgeschlagen und neuerdings wieder lebendig ge- 
worden ist, natürlich mit dem Erfolg, dass die Totschläger des- 
selben schon wieder eifrigst an ihrer Arbeit sind. 
Eine zweite dieser Unglückswahrheiten ist die sogenannte 
Isopathie, besser gesagt die Isotherapie, denn die Verwen- 
dung der eigentlichen Isophilie, wie sie das erste Kapitel schildert, 
zu Heilzwecken, lasse ich aus Raummangel unbesprochen, der 
Wissende findet sie unter den Schriften des Paracelsisten (auch 
in „Entdeckung der Seele," II. Band). Doch ehe wir uns um das 
geschichtliche Schicksal des Ison in der Heilkunst kümmern, sehen 
wir es uns an der Hand der Naturgesetze an. 
Gleich und Ähnlich in der Heilkunst. 
(Iso- und Homöotherapie.) 
Wir sahen, dass es Bacillenkrankheiten giebt, die kraft des 
Isophobiegesetzes selbst heilen, der Bacillus wird durch sein eigenes 
Exkrement vertrieben, das sind die sogenannten akuten Formen, 
wie Typhus, Scharlach, Masern u. s. f. 
Eine zweite Gruppe bilden die chronischen, wie Tuberkulose, 
Lupus, Aussatz, u. s. f. Der schleppende Verlauf dieser Krank- 
heitsgruppe liegt offenbar darin: Ihre Bacillen haben in der 
Regel eine so langsame Vermehrung, dass ihr spezifisches Exkre-
	        

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Jaeger, Gustav. Gleich Und Ähnlich <Ison Und Homoion>. Jaeger, 1891.
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