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Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>

Bibliographic data

fullscreen: Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>

Structure type:
Monograph
Collection:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Author:
Jaeger, Gustav
Title:
Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>
Subtitle:
Notschrei eines misshandelten Naturgesetzes
People involved:
Jaeger, Gustav
Place of publication:
Stuttgart
Year of publication:
1891
Publisher:
Jaeger
Scope:
IV, 62 S.

Physical location:
EBH, Köthen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=38392022

Chapter

Structure type:
Chapter
Title:
Der Zug zu Gleich und Ähnlich.

Contents

Table of contents

  • Gleich und Ähnlich <Ison und Homoion>
  • Title page
  • Vorwort.
  • Introduction
  • Der Zug zu Gleich und Ähnlich.
  • Essen und Trinken.
  • Die Flucht vor dem Gleichen.
  • Gleich und Ähnlich in der Heilkunst.
  • Aus der Geschichte der Medicin.
  • Gleich und Ähnlich
  • Anmerkungen.
  • Inhaltsverzeichnis.

Full text

— 8 — 
nungen richtig sei, was allerdings schwer sein werde zu bestreiten, 
so handle es sich beim Raucher um die Beseitigung des durch die 
Tabaksverdünnung entstandenen Hungerzustandes durch Ein- 
wirkung des konzentrierten Tabakrauchs, während bei der homöo- 
oder isopathischen Behandlung von Krankheiten umgekehrt be- 
hauptet werde, mit dem verdünnten Aequale oder Simile könne 
man die Krankheit d. h. einen Zustand beseitigen, der durch ein 
Zuviel entstanden sei. 
Ganz richtig, allein zunächst beweist die Geschichte des 
Rauchers, dass das Gleichheits- oder Ahnlichkeitsprinzip nicht wie 
die Gegner behaupten ein Unsinn, ein Phantom ist, sondern zum 
mindesten nach seiner einen Seite hin, welche ich die Iso- und 
Homöophilie zu nennen mir erlaubte, eine Thatsache ist. Wenn 
das so ist, ist es von vornherein ein Faustschlag ins Gesicht der 
Wissenschaft, eine unwissenschaftliche Verirrung in das Gebiet des 
Mysticismus und wie die liebenswürdigen Bezeichnungen sonst 
lauten, anzunehmen, die andere Hälfte sei auch wahr? Legt nicht 
die Wahrheit der einen Hälfte einem denkenden Menschen, vollends 
einem Fachmann, die Pflicht nahe, wenigstens vorurteilslos zu 
prüfen, ob sein Gegner nicht am Ende doch recht hat? Doch eins 
um das andere: der Einwand ist ein doppelter, a) es handle sich 
hier nur um einen besonderen Fall, jedenfalls nicht um den der 
Krankheit, b) die Sache liege auf den verschiedenen Gebieten ver- 
schieden. Vorläufig wollen wir auf dem Gebiet bleiben, auf welchem 
wir die Sache beim geschicktesten Zipfel erwischten, das Gebiet 
der Krankheit kommt zum Schluss; also zunächst: 
Sonderfall oder nicht? Die Frage kann nur auf dem Weg 
der vergleichenden Prüfung sicher erledigt werden, also gehen wir 
zu weiterem und zwar dem nächstliegenden, dem Opium- und 
Haschischraucher (Haschisch ist Hanfextrakt). 
Dieser Fall liegt in einer Richtung nicht so auffallend klar 
wie beim Tabakraucher: weil diese beiden Stoffe keinen so auf- 
fallenden Geruch haben wie Tabak, kann man sich hier nicht so 
gut wie bei letzterem davon überzeugen, dass Gewöhnung an einen 
Stoff Folge einer Durchtränkung von Fleisch und Nerven mit 
demselben ist, aber fürs erste: eine feine Nase kann sich auch 
hier davon überzeugen, fürs zweite sind die übrigen Erscheinungen 
genau so, wie bei dem Tabakraucher, ja sogar noch stärker aus- 
geprägt : der Tabakshunger erreicht nie die ausserordentliche manch- 
mal bis zur Raserei und Mordwut sich steigernde Nervenaufregung. 
Q 
Doch Hauptsache ist: der Opium- und Haschischhunger 
verlangt zu seiner Beseitigung eben wieder das Ison, Aequale d. h. 
wieder Opium oder Haschisch. Vollständig, klipp und klar kann 
dieser krankhafte Zustand nur durch isopathische Behandlung be- 
seitigt werden und das Homöon (Ahnliche) leistet hier noch weniger, 
als beim Tabak. 
Einwand: Tabak, Haschisch, Opium sind keine einfachen Stoffe, 
sondern Stoffgemische, und da ist es denn doch möglich, dass die 
Aufregungserscheinungen eine andere Deutung beanspruchen, nämlich 
nicht als Wirkungen der Verdünnung des gleichen Stoffes, sondern 
als Folge von Verschiebungen des Mischungsverhältnisses oder vom 
Auftreten neuer Zersetzungsprodukte. 
Ja um was handelt es sich denn ? Doch um zweierlei: erstens 
um eine Thatsache, zweitens um die Erklärung derselben, 
die letztere kann z. B. falsch sein, womit aber die Thatsache nicht 
umfällt, und diese Thatsache ist: der Hunger nach diesen Stoffen 
kann nur durch sie selbst gestillt werden und umgekehrt: Haben 
Sie jemals erlebt, dass ein Mensch Tabakhunger, Opiumhunger 
u. dergl. geäussert hatte, der noch nie im Leben Tabak oder 
Opium geraucht hat, oder dass ein Mensch Bierdurst äusserte, der 
noch nie Bier getrunken? Übrigens kann man obigen Einwand 
auch unmittelbar auf doppelte Weise beseitigen. 
1) durch den Vergleich: Morphium und Cocain sind 
keine Stoffgemische und zeigen doch die ganz gleichen Erschei- 
nungen bei Leuten, die sich an sie gewöhnt haben, der Morphinist 
und der Cocainist sind eben so strenge Isophilen wie die obigen 
Raucher. 
2) durch den Versuch: Man bereite von einem dieser nar- 
kotischen Stoffe und Genussmittel nach der Manier der Berufs- 
Homöopathen eine Reihe verschiedener Verdünnungsstufen und prüfe 
sie an Nichtrauchern und Nichtmorphinisten u. s. f., so wird 
man sich überzeugen, dass alle diese Stoffe, die in grossen Mengen 
beruhigend und einschläfernd wirken, in stärkerer Verdünnung 
Aufregungs-Erscheinungen hervorrufen, wie sie jenen Hunger- 
zuständen eigen sind. 
Verlangt man noch weitere Beweise? 
Zur sachlichen Erweiterung führe ich noch an, dass auch die 
eigentlichen Schlafmittel, wie Chloral und andere, den gleichen 
circulus vitiosus hervorbringen, wenn man sich an sie gewöhnt, und 
so haben wir jetzt schon eine recht stattliche Zahl von Stoffen,
	        

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