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Der Landbote. Blätter für den Bürger und Landmann, Jg. 1847 (1)

Bibliografische Daten

fullscreen: Der Landbote. Blätter für den Bürger und Landmann, Jg. 1847 (1)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Der Landbote
Untertitel:
Blätter für d. Bürger
Publikationsort:
Stockach
Verlag:
Gulde

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=345199-9
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Der Landbote. Blätter für den Bürger und Landmann, Jg. 1847
Band, Heft, Nummer:
1
Publikationsort:
Stockach
Veröffentlichungsjahr:
1847
Verlag:
F. S. Gulde
Größe der Vorlage:
folio

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=345199-9_1847

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Der Landbote
  • Der Landbote. Blätter für den Bürger und Landmann, Jg. 1847 (1)

Volltext

reicherem Maße sich ruͤhmen. Der Handwerker haͤngt 
von seinen Kunden ab, der Staatsdiener von der 
Regierung, der Adelige, wenn er nicht zugleich ein 
Brundbesitzer, also Bauer ist, von der Hofgunst, der 
Schriftsteller von der Censur oder dem Geschmadk des 
Publikums, der Bauer aber von Niemand als dem 
lieben Herrgott, der das Wetter macht. Selbst keine 
Concurrenz hat er zu scheuen, denn seine Erzeugnisse 
haben Alle nöthig. Freilich, wo das Gut zu klein 
ist oder voll Schulden, da ist's mit der Unabhaͤngigkeit 
vorbei, da kommen die Glaͤubiger und der Exequent, 
und das ist leider allzuhäufig der Fall. Darum sollte 
man vor Zerstückelung der Güter wahren, nicht durch 
das an manchen Orten übliche Zweikindersystem, son⸗ 
dern dadurch, daß ein Bauer, der mehrere Söhne hat, 
die Einen einem andern Berufe widmet. Wie es die 
Hofbauern auf dem Walde haben, will es uns auch 
nicht gefallen. Die theilen zwar ihr Gut nicht, aber 
der jüngste Sohn ist der einzige Erbe, und seine Brüder 
sind gezwungen, ihm als Knechte zu dienen. Warum 
laͤßt sie der Vater nicht was Anders werden? Aber 
freilich — und da kommen wir auf die Schattenseite — 
dazu fehlt's gewöhnlich an Gelegenheit. Der Bauern⸗ 
stand hat die wenigsten Mittel zur Bildung, und darum 
herrschen auch unter ihm am meisten Unwissenheit, 
Vorurtheil und Aberglauben. Zwar nicht ausschließlich. 
Gerade Vorurtheil und Aberglauben haben ihre Woh⸗ 
nung oft eben so sehr in Palaͤsten aufgeschlagen. 
Auch ist der teutsche Bauernstand verhaͤltnißmäßig der 
bildetste, was wenigstens den Unterricht belrifft. 
Aber doch beschraͤnkt sich eben dieser in der Regel auf 
die Dorfschule, und die Mittel höherer Bildung sind 
ihnen unzugänglich. Daher das starre Festhalten aw 
Alten, der Widerwille gegen alles Neue, der Mangel 
an höherem Interesse, an nationalem Aufschwung, die 
große Macht besonders religiöser Vorurtheile und die 
blinde Abhängigkeit von denen, die diese Vorurtheil zu 
benutzen wissen. Wie ist da zu helfen? Unmöglich kann 
man in jedem Dorfe eine hoͤhere Buͤrgerschule gründen. 
Ist's oft der Gemeinde an dem zu viel, was sie dem 
einfachen Dorfschulmeister geben soll. Und doch ließe 
einigermaßen, sich helfen durch Errichtung von Lese⸗ 
bibliotheken in jeder Gemeinde. Freilich dürften's 
keine Pietistentraktaͤtlein sein, aber Volksschriften im edel⸗ 
sten Sinne, die durch Belehrung die Unwissenheit, durch 
Aufklaͤrung den Aberglauben verdrängen. An vielen Orten 
sind bereits solche Leseanstalten eñtstanden, und wo 
der Pfarrer der rechte Mann dazu ist, da laͤßt sich's 
machen, und die guten Fruͤchte werden nicht aus— 
bleiben. Aber freilich an den Pfarrern fehlt's oft 
gerade. Wo Pietisten oder Mucker zu Haus 
sind, da wird die Dummheit gepflegt und vor der Auf⸗ 
klaͤrung das Kreuz geschlagen. Ihr aber, denen das 
Licht lieb ist, bringet das Licht anch in die niederste 
Hütte, ihr könnt dem Vaterland nicht besser dienen, 
als wenn ihr Bildung und Gesittung verbreitet. 
Deutschland. 
In den Fabrikbezirken Schlesiens ist die Noth der 
unbeschaͤftigten, verdienstlosen Arbeiter so groß, daß 
von Langenbielau aus militaͤrischer Schutz verlangt 
worden ist. Hat denn der Staat den Armen nichts 
Besseres zu senden, als Bayonnette? 
In Freibuxg haben bei der am 28. Dezember 
vorgenommenen Ergaͤnzungswahl in den kleinen Aus— 
schuß die Anhaͤnger des Rückschritts gestegt. Die 
diberalen, von deren Dasein in Freiburg vor nicht 
langer Zeit kaum eine Spur zu finden war, haben 
uͤbrigens eine so ansehnliche Stimmenzahl zufammen⸗ 
gebracht, daß sie in nicht ferner Zukunft hoffen dürfen, 
hre Anstrengungen vom Erfolg gekrönt zu sehen. 
Nach dem schwaäb. Merkur waͤre der gr. badische 
Bundestagsgesandte Freiherr v. Blittersdorff um Ver— 
setzung in den Ruhestand eingekommen und nach der 
Koͤlnischen Zeitung wären in Baden, außer den bereits 
bekannten, noch andere „höchst wichtige“ Veränderungen 
in der Besetzung höherer Staatsstellen, die zum Theil 
durch Versetzungen in den Ruhestand bewirkt würden, 
zu erwarten. 
„Mannheim, 4. Jan. Gestern Abend gegen 
—D 
hier in Arbeit stehenden Schuhmachergesellen ermordet; 
26 Stiche am Oberkorper und ein Schnitt in die 
Gurgel wurden ihr beigebracht. Nach vollbrachter 
schändlicher That wollte der Moͤrder auch seinem Leben 
ein Ende machen und versuchte sich den Hals abzu—⸗ 
schneiden, was ihm aber nicht gelang. Er befindet 
sich noch am Leben. Die Veranlassung zu dem Ver⸗ 
brechen ist bis jetzt nicht ermittelt. 
Vom Rhein, im Januar. — „Mannh. Abdztg.“ 
Die erste Nummer des „Tagesherold“ liegt nun 
vor uns, und es lassen sich aus ihr bereits auf die 
Richtung des Blattes hinreichende Schluͤsse ziehen. 
Darnach haben sich die Gerüchte, als werde diese 
Zeitung dem gemaͤßigten Fortschritt huldigen — durch⸗ 
aus Nischtbestätigt. Vom gemaͤßigten. Fortschrit 
haben wir in der ganzen Nummer Richts bemerkt; 
auch erklärt sich Stromeier entschieden gegen 
denselben. Vielmehr ist der Tagesherold, wie Das 
schon die Verordnung über die ihm zugewendeten öffent⸗ 
lichen Anzeigen vermuthen ließ, vollständig der Re⸗ 
gierungspresfe einzureisenn. 
Vom Bodensee, 15. Dezbr., wird der „Augsb. 
Posizg.“ geschrieben: Es vergeht kein Tag, wo nur 
in Konstanz gegen 30 bis 50 Centner Brod auf Schlit⸗ 
ten und Waͤgen nach Zürich, St. Gallen und über⸗ 
haupt in die östliche Schweiz verfüͤhrt werden. Wenn 
nun diese Brodausfuhr, wie sie gegenwärtig in 
stteigendem Maße betrieben wird, bis Ende Juni fort⸗ 
bestehen sollte, so muͤßte dieselbe auf mehrere. Tau⸗ 
send Malter Getreide berechnet werden, wobei 
aicht nur der Zollvereins⸗Kasse der tarifmäßige Aus⸗ 
gangs-Zoll entgehen, sondern neben andern noch be⸗— 
deutenderen Nachtheilen die Brodpreise, ungeachtet der 
ausländischen Getreidezufuhr, auf gleicher Höhe sich 
halten würden. Welchen Einfluß, fragen wir, kann 
wohl das Herbeischaffen fremden Getreides auf das 
Sinken der Getreidepreise für das kommende Fruͤhjahr 
ausüben, wenn man jetzt vom eigenen Getreide das 
Brod in Masse ausfuͤhren läßt? Unsere benach⸗ 
barten Schweizer, da sie laͤngs des Rheins amPfund 
Mehl 2 kr. gewinnen, haben groͤßtentheils das Brod⸗ 
backen aufgegeben, indem sie es vorziehen, gebackenes 
Brod von Constanz und den benachbarten badischen 
Ortschaften entweder selbst oder durch Zwischenhaͤndler 
einkaufen zu lassen. Wenn man auch diese Brodab⸗
	        

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