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Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1895 (54)

Bibliografische Daten

fullscreen: Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1895 (54)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Publikationsort:
Engen
Verlag:
Anton Roos

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1895
Band, Heft, Nummer:
54
Publikationsort:
Engen
Veröffentlichungsjahr:
1895
Verlag:
Theophil Schneider's Buchdruckerei
Größe der Vorlage:
28,0 x 40,6 cm

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1895

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Zeitungen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1895 (54)
  • Zeitungen

Volltext

deilage 32 
r 12 des KSöhgauer Erzahler. 
— — 
„*ncen Samstag, den 26. Januar 
— — —1“ 
sammeln konnte. Doch mit dieser ersten Hülfe an Hin⸗ 
terbliebene ließ es der Deutsche Werkmeister-Verband 
nicht bewenden, sondern wendet jeder Witwe, sechs Mo— 
— nate nach dem Ableben ihres Ernährers, noch eine ein— 
o8) (Fortsetzung.) malige Unterstützung zu, welche sich nach der Mitglieds— 
Jetzt erst dachte sie wieder an die erleuchteten Fenster dauer des Verstorbenen berechnet und z. B. 60 Mark 
ind strich sich, aus dem Traum der Kindheit erwachend, beträgt, wenn sünf Mitgliedsjahre zuruͤckgelegt waren. 
ingstlich über die Stirn. Hatte sie denn das wütende So oft zwei Mitgliedsjahre mehr in Betracht kommen, 
dundegeheul überhört, welches jetzt drohend an ihr so oft werden auch 50 Mark mehr gewährt, sodaß auf 
fOhr schlug? Sie vernahm eine feste Stimme, welche neun Mitgliedsjahre 150 Mark, auf elf Mitgliedsjahre 
dem Hunde Ruhe gebot, worauf eine andere Stimme 200 Mark u. s. w. als Zuschuß gezahlt werden. Mil 
meinte, daß der Brutus jedenfalls etwas Verdächtiges dieser Hülfe soll jeder Witwe der Uebergang in beschei— 
wittere und es wohlgethan sei, ihn loszuketten. dene, aber geordnete Verhältnisse erleichtert werden. 
Brutus! — Das Herz der Heimatlosen erbebte, es Außerdem erhält jede Witwe alljährlich eine Jahres⸗ 
var ihr eigener Hund, den sie sich großgezogen hatte unterstützung vom Verbande und zwar ebenfalls im Ver⸗ 
Er würde sie finden — und dann? — hältnis zur Mitgliedsdauer ihres verstorbenen Mannes 
Todesangst überfiel sie, mußten die Fremden sie stehend. Diese Unterstützung beträgt 420 Mark, wenn 
nicht für eine Diebin halten und den Gerichten über— der Verstorbene dem Verbande nur ein Jahr angehörte 
liefern? Entsetzt eilte sie im Schatten der Großmauer resp. die statutgemäße Wartezeit überlebt hatte. Sie 
dahin, tastete nach einer Seitenthür, welche offen stand, —— 
stürzte hinein und schlug die Thür hinter sich in's sodaß bei sechs Jahren 60 Mark und bei neun Jahren 
Schloß. Einen Augenblick stand sie hier schweratmend, 72 Mark u. s. w. zur Auszahlung gelangen. Im Jahre 
die Hand aufs Herz gepreßt. Sie hörte noch, wie der 893 wurden 951 Witwen mit 46592 Mark und im 
hund mit großen Saätzen und lautem Geheul heran⸗ Jahre 1834 wurden 1150 Witwen mit 57000 Mark 
fürmte, herumschnupperte und winselnd an der Thür aunterstützt. Voraussichtlich vermag der Verband für 
kratzte. Brutus hatte seine einstige Herrin gewittert die Folge noch mehr für seine Witwen zu thun, weil 
und war nicht von der Thür fortzubemgen. ja die Ueberschüsse der Sterbekasse zu diesem Zwecke 
„Es ist ein Bekannter!“ sprach der Knecht, denn zur Verfügung stehen. War dergestalt das erste Be—⸗ 
dieser war es mit dem Kastellan des Schlosses, „sonst streben des Deutschen Werkmeister⸗Verbandes auf Ver⸗ 
würde er anders ins Geschirr gehen. Zum Kuckuck, sorgung von Witwen und Waisen gerichtet, so vergaß 
Herr!“ setzte er erschreckt hinzu, nachdem er vergebens er dabei doch nicht seine invaliden und erwerbslosen 
versucht hatte, die Thür zu oöffnen, „jetzt find wir Mitglieder. Alljährlich giebt er 20000 -30 000 Mark 
richtig ausgeschlossen, der Schlüssel steckt drinnen und zum Zwecke der Unterstütung der durch Alter, Krank⸗ 
wird jedenfalls umgedreht worden sein.“ heit oder sonstige Schicksalsschläge in Not geratenen 
„Dann ist die Geschichte auch nicht geheuer,“ ver⸗ Mitglieder aus. Insgesamt hat der Verband schon 
setzte der Kastellan, „und wir müssen um jeden Preis 301800 Mark zu Unterstützungszwecken verausgabt, 
hinein. Ruhig Brutus! sollst uns suchen helfen.“ habei aber auch noch ein Berbandsvermögen von 380000 
Gabriele, welche den Schlüssel wirklich umgedreht Mark angesammelt, welches als Grundstock zukünftiger 
und damit sich vorerst gesichert hatte, geriet jetzt in Pensionskassen in der Reichsbank sicher angelegt ist. 
eine fieberhafte Aufregung. Da ein Licht hier brannte, Finer Gesamtleistung von 1626 500 Mark schließt sich 
so konnte sie rascher vorwärts kommen, auch befand somit ein Gesamtvermögen von 900 (00 Mark an. Man 
sie sich ja in bekannten Räumen und wandte sich des⸗ uche einen zweiten Stand im Reiche, der innerhalb 10 
halb sofort dem ersten Siock zu, dessen teppichbelegte Jahren über 2*/23 Millionen Mark mit minimalen 
Treppe sie rasch und geräuschlos emporstieg. Beiträgen sammelte und zu so segensreichen Ein— 
Sie war ja daheim im Vaterhause, wo alles ihr so richtungen für seine Mitglieder anlegte! Ferner 
vertraut erschien, als ob der furchtbare Zwischenraum besitzt der Verband eine recht wirksame Stellen⸗ 
pon zehn Jahren nur ein grauenhafter Traum ge⸗ permittlung für seine Mitglieder und in seiner „Werk—⸗ 
wesen sei. neister⸗Zeilung“ ein vorzügliches und in der Industrie 
Das helle Mondlicht beleuchtete die Gestalt, welche in gutem Ansehen stehendes Organ. Waren die 
zeisterhaft leicht durch den oberen Corridor huschte. materiellen Erfolge des deutschen Werkmeisterverbandes 
Jetzt blieb sie stehen und legte die heftig zitternde Hand schon so beachtenswert, so sind die moralischen Er— 
auf einen Thürdrücker, derselbe gab nach, die Thür cungenschaften derselben noch weit größer und in 
war offen, sie stand in ihrem Zimmer, das sie einst Beldeswert gar nicht auszudrücken. Wenn heute jeder 
in glücklicher Zeit bewohnt. Betriebsbeamte den gesetzlichen Schutz des Z 133 4a der 
Hatte sie denn wirklich nur einen schweren Traum Bewerbeordnung genießt, so hat er diese Anerkennung 
gehabt? — Hier war ja alles noch wie sonst, — die⸗ seines Standes lediglich dem jahrelangen Bemühen des 
selbe Einrichtung in wunderbar erhaltener Ordnung Deutschen Werkmeister-Verbandes zu danken. Als vor 
wie sie es so sehr geliebt, zwei Wachskerzen brannten zwei Jahren die neue Novelle zum Krankenversicherungs⸗ 
auf schweren silbernen Leuchtern und erhellten ihren Besetze durch eine, vom Gesetzgeber gewiß nicht beab⸗ 
Schreibtisch, worauf die Photographie ihres Vaters sichtigte Härte den Ausschluß alter Werkmeister aus 
sich befand. Auf dem großen runden Tisch stand ihre ihren Krankenkassen, denen sie oft schon Jahrzehnte 
Lampe, auch die Leuchter hatte sie stets im Gebrauch als Mitglied angehört hatten, bewirkte, da vermochte 
gehabt, von der breiten Wand blickten die Oelportraits eine sachliche Eingabe des Deutschen Werkmeister⸗Ver— 
hrer Eltern ihr entgegen. bandes an den Herrn Reichskanzler die drohenden 
Sie stand wie verzaubert und strich sich über die Ausschlüsse einzustellen und abzuwenden; zur ZSeit 
Stirn, um das Blendwerk zu verscheuchen. Es war ist der Verband bemüht, auch hinsichtlich des Unfall⸗ 
umsonst, das Wunder blieb, wer konnte eine solche versicherungs-Gesetzes Härten, welche besonders die Be— 
Pietät gegen sie, die Verurteilte, geübt, wer ihr An— triebsbeamten betreffen, abzustellen und bei der devor— 
venken so heilig gehalten haben? stehenden Aenderung dieses Gesetzes seine Stimme bei 
Eine unsägliche Rübhrung, etwas wie die Ahnung zustehenden Behörden und gesetzgebenden Körperschaften 
ines Glackzefuhis ein Dankgebet kam über Gabriele, zur Geltung zu bringen. So vertritt der Verband 
sie wandie sia, um in das nebenan brefiabdlich Bo die Interessen seines Standes nach jeder Richtung 
doit zu weien und eblicktt in das Antlitz eine. Manges und auf friedlichen gesetzlichen Wegen. Von Königs— 
der auf der Sahwelle stand. berg bis Metz, von Flensburg bis München 
Mit einem herzerschütternden Schrei streckte sie beid erstreckt sich die in 560 einzelne Bezirksvereine fest 
hände abwehrend aus und brach bewußtlos zusammen —2 — 52— — — gegliederte Organisation. Fern von dem politischen 
* Der Deutsche Werkmeister⸗Verband und religiösen Getriebe der Zeit erstrebt der Deutsche 
Betty Hansen, welche keine Ahnung von den Vor- st eine auf Selbsthülfe basierende Vereinigung von faß Werkmeister-Verband nur das Wohl seiner Mitglieder, 
fällen in ihrem Häuschen hatte und ihre Baronin in 27000 deutschen Werkmeistern und Betriebsbeamten sowie deren hinterlassenen Witwen und Waisen. Immer 
sicherer Obhut hinter Schloß und Riegel wähnte, be- der Industrie ꝛc, seit dem Jahre 1884 bestehend, und näher rückt er seinen großen Zielen! Bald wird kein 
gab sich am selben Abend von ihrer Arbeit, wo sie jat seinen Sitz in Düsseldorf. Der Deutsche Werk. Standeskollege mehr im Vaterlande zu finden sein, der 
sich länger als gewöhnlich aufgehalten, direkt nach dem neister-Verband hat innerhalb der zehn Jahre seines ullein seine Wege geht. Wer bisher vom Bestehen des 
Hotel „Zur Krone“, um nach Frou Gebhardt sich zu Bestehens den großartigsten Beweis erbracht, was ein Deutschen Werkmeister-Verbandes und von dessen Wohl⸗ 
erkundigen. Dieselbe war seit einer halben Stünde inzelner Stand vermag, wenn er sich aufrafft, um die fahrtseinrichtungen noch nichts gehört hat oder über 
angekommen und hatte bereits Befehl gegeben, Frau rkannten Fährlichkeiten des täglichen Lebens abzustel- dessen Bestreben ungenügend informiert war, der be— 
Hansen sofort zu ihr zu führen. ien. Auf sich und seine Kraft vertrauend, hat er zu- achte vorstehende Angaben und besonders auch den Um— 
Ottilie Gebhardt war noch immer eine reizende erst die Frage der Versorgung seiner Witwen zielbe- stand, daß die Altersgrenze von 45 Jahren und die 
Frau, obgleich sie zu ihrem Leidwesen ein wenig schon wußt in die Hand genommen und mit Hülfe einer be- entsprechend höheren Eintrittsgelder zum frühzeitigen 
Fur Fülle neigte. Sie kam der eintretenden Belty mit vördlich genehmigten Sterbekasse, welche 600 Mark Beitritt mahnen. An Eintrittsgeld wird erhoben: 4 
herzchem Gruß entgegen, drückte ihr wie einer aiten leich nach dem Tode eines Mitgliedes an dessen Hin- Für den Verband 3 Mark. b. Für die Sterbekasse 
Bekannten die Hand und führte sie an den Theetisch, erbliebene leistet, teilweise gelöst. Stirbt die Ehefrar dis zum vollendeten 30. Lebensjahre 5 Mark, von 30 
wo sie sich ohne Umstände niederlassen mußte. eines Mitgliedes, so erhält dasselbe 160 Mark Sterbe- bis 38 Jahren 10 Mark, von 838 bis 40 Jahren 16 
„Nein, gnädige Frau, zum Theerrinken habe ich zeld, ebensoviel erhalten die Waisen, wenn eine Witwe Mark, von 40 bis 45 Jahren, 20 Mark. Personen, 
keine Zeit,“ sagie Vetty rasch, „habe auch schon zu firbt. Staunend wird der Fernstehende vernehmen, welche das 45. Lebensjahr überschritten haben, können 
Abend gegessen. Ich muß machen, daß ich heimtomme, daß diese Sterbekasse ohne Rücksicht auf das Alter der nicht mehr aufgenommen werden. Weitere Auskaunft 
weil ich den ganzen Tag aus war zu nähen. Und Sie Muͤtlieder bisher höchstens 122 Mark Beiträge pro erteilt bereitwilligst der für hiesige Gegend zunächst be⸗ 
wissen doch, gnädige Fran, mit solchen Gedanken ganz Jahr beanspruchte und mit diesen geringen Beiträger legene Werkmeister⸗Bezirksverein in Säckingen, dessen 
allein zu Hause zu sihen, ich meine nämlich meine nunerhalb zehn Jahren nicht nur 1825 000 M. Sterbe. Vorsitzender Herr Th. Köpfler ist, oder die Geschäfts- 
arme Baronin.“ zelder zur Auszahlung brachte, sondern auch noch einen, stelle des Deutschen Werkmeister⸗-Verbandes in Düssel⸗ 
Sie sind eine bewunderungswürdig treue Seele Keservesond von 620000 Mark für die Sterbekasse an-gorf. Elisabethstraße 7 
Die Herrin von Hardingholm. 
Original-Roman von Emilie Heiunrichs.
	        

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