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Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892 (51)

Bibliographic data

fullscreen: Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892 (51)

Structure type:
Periodical
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Place of publication:
Engen
Publisher:
Anton Roos

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892
Volume,Issue,Number:
51
Place of publication:
Engen
Year of publication:
1892
Publisher:
Theophil Schneider's Buchdruckerei
Scope:
27,1 x 40,9 cm

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1892

Chapter

Structure type:
Chapter
Title:
Zeitungen

Contents

Table of contents

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892 (51)
  • Register zu den amt- und amtsgerichtlichen Verordnungen und Bekanntmachungen
  • Zeitungen

Full text

u. s. w. wird hier gegessen, nicht etwa nur von 
Erwachsenen, sondern was das schrecklichste ist, 
rnuch von ganz kleinen Kindern, deren Hun—⸗ 
jer nur noch mit hartem Pferdefleisch gestillt 
werden kann. Ich sehe den zerlumpten Haufen 
zinige Augenblicke nicht ohne Staunen und tiefes 
Mitgefühl an. Da wirft sich plötzlich eine russische 
Mutter mit einem etwa Z2jährigen, schreienden und 
fast nackten Kinde, das verzweifelt an einem Stück 
Pferdewurst saugt, vor mir mit den Worten auf 
die Knie: „Um Gottes Willen, Herr, helft meinem 
verhungernden Kinde mit einem Stückchen Brot, 
wenn ihr welches habt, denn seit 4 Tagen hat es 
nichts anderes als den Saft aus Pferdefleisch ge⸗ 
zgessen!“ Was ich an Weißbrot bei mir hatte, ver⸗ 
eilte ich unter die kleinen Kinder, aber auf eine 
Frage an den Wirt: „Haben sie vorrätiges Brot ?“ 
wird mir die traurige Antwort zuteil: „Auch wir 
haben jetzt nichts mehr, alles ist bereits verteilt.“ 
Ich übergehe die Bitten der anwesenden Kolonisten 
und rusfischen Bauern, ihnen zu helfen. Selbst 
nach der ausdrücklichen Erklärung, daß ich nicht 
von der Regierung geschickt worden bin, baten sie 
mich, ihr Elend in St. Petersburg zur Sprache zu 
bringen. Das 30 Werst noch weiter in der Steppe 
tiegende Fresenthal wurde nach einer gefährlichen 
Fahrt durch Sturm und Regen dem Winde ent⸗ 
Jegen, wo nur noch einzelne Spuren vom Wege 
zu erkennen waren, endlich erreicht, aber den An— 
zlick der Masse der hiesigen Kolonistenhäuser oder 
zielmehr Lehmhütten, namentlich in dem zwei 
Werst weiter liegenden Neu-Boaro, sagt nur 
zu deutlich, was hier zu finden ist. Wenige Minuten 
päter stehe ich im Pastorat, dem Ehepaar Hein⸗ 
richsen gegenüber. Nach der ersten Begrüßung und 
notdürftigen Reinigung frage ich die Pastorin: 
„Zu fragen wie es hier steht, ist überflüssig, wie 
steht es aber mit Ihnen? Beantworten Sie mir 
dies ehrlich und offen.“ Die Thränen schießen der 
zarten Frau bei der Antwort in die Augen: „Wir! 
— wir haben gar nichts mehr. Die Kühe sind 
geschlachtet und jetzt leben wir von dem, was uns 
zute Leute geben und vom Borgen. Wohl haben 
uns gute Menschen bereits Tausende von Rubeln 
zur Linderung der jahrelangen furchtbaren Not 
geschickt: was ist das aber unter so Viele? Heute 
rein Kind infolge von Hunger gestorben, das 
uch 
her 
iig⸗ 
ber 
ichts weiter übrig, als die nackte Wahrheit zu 
zgen“ ... Die Pastorin fragt: „Wollen sie uns in 
Sð Haus begleiten, wo das Kind verhungerteist?“ 
Ran erlasse mir die Schilderung der Wohnung, 
z der die betreffenden Leute leben, da die Tat— 
ache: ein Kind verhungert, ja wohl schon genug 
agt, „Eagel“, fragt die Pastorin vorwurfsvoll, 
warum ließen Sie Ihr Kind verhungern? Wußten 
Zie nicht, daß wir noch lebten? Den letzten Bissen 
Zrot hätte ich Ihnen gegeben, wenn das Kind 
adurch zu retten war.“ „Frau Pastorin,“ erwiderte 
er Vater, „ich bin überall gewesen und überall er⸗ 
ielt ich die Antwort: „Wir haben auch nichts 
tehr,“ und da dachte ich, Sie hätten auch nichts 
nehr zu essen.“ „Göbel,“ wandte sich die Pastorin 
n einen zweiten, „was sind Sie für ein Mensch 
ewordenꝰ Ist das Ihr Vertrauen auf Gott und 
je Hilfe mitfühlender Menschen, daß Sie stehlen 
rüssen?“ „Frau Paftorin!“ entgegnete der Ge— 
agte resigniert, „ich weiß, was ich gethan habe, 
der wir mußten stehlen, wenn wir nicht ver⸗ 
ungern wollten.“ „Sie mußten stehlen? Wo war 
ie Notwendigleit dazu, so lange ich Ihnen noch 
annenmantel, der sich um die blanken, weißen Ce— 
inde schmiegte. 
„Das ist unsere Herberge für heute Nacht und 
elleicht noch manche Tage,“ sagte heiter Maestro 
arnerio, wie er sich nannte, und deutete mit dem 
zrron Finger auf die schöne Heimstatt des Friedens 
atistchkeit. 
rasch Marie, 
ztimme, wäh⸗ 
id das blaue 
uge uber , ließ. 
Links am Wege stand king boste Kapelle, 
eichsam ein Vorposten des kleinen Friedensstaates, 
je sogenaunte „Schreikapelle“. Man naunte sie so, 
eil in der Zeit der großen Pestilenz der armen 
aheilbaren Pestkranken und Aussäßigen hier fern 
n Menschenwohnungen um Brod und Hilfe ge⸗ 
hyrien, hinein nach dem Dorfe und auch hinauf zur 
Gnadenmutter“, deren Statuette, das Schwert des 
—chmerzes in der Brust, altersgrau hiuter dem rosigen 
ßitter stand. 
Heute war das Bild ringsum freundlich und fest— 
ich. Dorfleute und dunkelgekleidete Fratces mit auf⸗ 
— 
Atfesigten Gunlanden und Kränze an den Tauern 
und den Gittern. 
Zwei junge Männer, die ihr Habit als Novizen be⸗ 
einen Bissen Brot geben konnte?“ Nach dem Be— 
uch von drei gleichen Häusern, wo ich erst erfahren 
Jabe, daß die hiesigen Ansiedler schon seit Monaten 
ein wirkliches Brot mehr gesehen haben, da sie, 
um dem Untergange zu entgehen, das von der 
ZSemstwo empfangene Mehl einfach mit Wasser an⸗ 
rühren und dasselbe ungesäuert als flache, hand⸗ 
zroße Kuchen backen und es so gewöhnlich als ein⸗ 
ige Nahrung genießen, kehrten wir in das Pastorat 
zurück. In einer halben Stunde verlasse ich diese 
echte Hungerpfarre mit der höchsten Achtung vor 
den dort wohnenden Leuten; mir komme aber Einer 
mit der gewissenlosen Phrase: die Sache wird 
übertrieben! 
us Stadt und Land. 
Engen, den 2. Januar 1892. 
* Am Mittwoch abend hielt der hiesige Lieder— 
ranz“ in seinem Vereinslokal ‚Sonne“ die jähr— 
iche Generalversammlung ab. Der Vorsiand, 
derr Oberamtsrichter Gießler, begrüßte die zahl— 
reich Anwesenden mit einer herzlichen Ansprache, 
vorauf der Sekretär Hr. F. Rentamtsbuchhalter 
dauser den Bericht üder die Thitigkeit des Ver⸗ 
zins im abgelaufenen Jahre mit bekannter Gewissen⸗ 
jaftigkeit erstattete. Das dichterische Talent des 
derrn Hauser, mit dem er einige Vorfälle im Ver⸗ 
ein in Versen kleidete, hat sich an dem Abend 
wieder in vorteilhaftester Weise geoffenbart. Der 
olgende Kassenbericht ergab eine Einnahme von 344, 65 
Pt. denen 188,60 M. in Augaben gegenüberstehen. 
Es bleibt demnach ein Kassenvorrat von 156. 05 
Ptark, hiervon werden 100 M. an Aktien auf das 
neu angeschaffte Klavier ausgelöst. Die Mitglieder⸗ 
zahl beträgt 44 altive (im Vorjahre 43) und 48 
dassive (im Vorjahre 50). Bei den Neuwahlen des 
Korstandes wurden wiedergewählt als Vorstand 
)r. Gießler, als Sekretär Hr. Hauser, an 
Ztelle des früheren von hier verzogenen Kassiers 
dr. Fabrikant Steitz wurde Hr. Kfm. Gustav 
Doser gewählt. Ausschußmitglieder sind die seit— 
jerigen Herren wieder: Emil Schuler, Karl 
Toppel, Th. Birk, Aug. Distel und Emil 
Dürrhammer. Für Hru. Emil Schuler, dem 
leider eine schwere Krankheit die Ausübung seines 
Amtes nicht gestattet, wurde ein Ersatz mann in der 
Person des Hrn. Schneidermeister Huber gewählt. 
Zämtliche Herren haben die auf sie gefallene Wahl 
in anerkennenswerter Bereitwilligkeit angenommen. 
* Postalisches. Nach den Beftimmungen der 
Postordnung hat jeder Landbriefträger auf 
seinem Bestellungsgange ein Annahme— 
buch mit sich zu führen, welches zur Ein— 
tragung der von ihm augenommenen Sendungen 
mit Wertangabe, Einschreibsendungen, Postan— 
weisungen, gewöhnlichen Packeten und Nachnahme⸗ 
sendungen dient. Will ein Anflieferer die Ein⸗ 
tagung selbst bewirken, so hat der Landbrief⸗ 
träger demselben das Buch vorzulegen. Bei Ein⸗ 
tragung des Gegenstandes seitens des Landbrief⸗ 
trägers muß dem Absender auf Verlangen durch 
Vorlegung des Buches die Ueberzeugung von der 
tattgehabten Eintragung gewährt werden. Im 
zuteresse der ländlichen Bevölkerung wird auf 
ziese Bestimmungen und das dem Publikum durch 
ieselben gebolene Mittel zu seiner Sicherstellung 
hiermit besonders aufmerksam gemacht. 
Möhringen, 31. Dez. Gestern war hier 
Bemeinderatswahl, erstmals nach dem neuen 
Besetze. Gewählt wurden die bisherigen Mit— 
zlieder: Aberle, Metzger; Fischler, Privatier 
und Renn, Kronenwirt. Osgleich bei der Wahl 
nach der früheren Weise sich das gleiche Resultat 
ergeben hätie, ist die Gesamtheit unzufrieden. 
jeichnete und deren weiße Gesichter unter dem kurz⸗ 
seschnittenen Haare auf emsiges Studium deuteten, 
cheinen die Arbeit, die hier ein Vergnügen war, zu 
eiten, sahen jetzt aber mit der Neuzier, welche die 
Jugend nicht so bald abstreift, dem seltsamen Gefährte 
intgegen, aus dem jetzt des Maestros sanft und wür⸗ 
dig modelierte Stimme klang: 
„Gott zum Gruß Ihr Herren und ehrwürdige Brü— 
der, Gott erhalte Euch lange und den hochwürdigsten 
Abt Maurus. Darf man fragen, was für ein Fest 
das gesegnete Stift Marienthal zu feiern gedenkt?“ 
„Warum nicht?“ erwiderte der Eine der beiden 
dlosterschüler, dessen intelligentes Gesicht mit feurigen 
Augen und gebogener Nase unter dem dunkeln Haare 
reundlich sich zu den Ankömmlingen wandte. „Morgen 
verden die Reliquien des heiligen Tiberius, die der 
jeiligste Vater unserem Kloster geschenkt, feierlich in 
»em neuen Altare beigesetzt. Da richten wir denn 
ꝛlerwärts zu, und morgen soll Marienthal ein herrlich 
deben sehen mit Musik und Gesang, mit Markttreiben 
ind Gasterei aller Art.“ 
„Und mit vielem und erstem Gebet,“ setzte wie ein 
Dämpfer die Stimme des Genossen bei, aus dessen 
einem, durchzeistigtem Antlitze mit den lichtgrauen, 
* Rꝛ Angen der Geist der Weltentzagung 
aute. 
„Natürlich“, nickte der Mustro. „Dafür kennt 
Der Bürger, seines schönsten Rechtes beraubt und 
zur Unthätigkeit verurieilt, fühlt sich zurückgesetzt, 
uind die von verhältnismäßig wenigen vorgenommene 
Wahl bietet willkommene Gelegenheit, der im stillen 
zärenden Unzufriedenheit in mitunter recht derben 
Worten Ausdruck zu geben. In Mecpringen fühlt 
hie Bürgerschaft die Ungerechtigkeit des neuen Ge— 
etzes schwerer als in manchen andern Gemeinden. 
Es herrschte nämlich hier die löbliche Sitte, daß 
einahe jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch 
nachte, während in vielen Orten nicht einmal die 
dälste die Stimme abgab. Deshalb auch hier 
»ie Unzufriedenheit so groß. Die Kau.mermehrheit 
hat durch das neue Gesetz einen Mißgriff gemacht, 
dies wird sie hoffentlich einsehen und der bean⸗ 
ragten Aenderung nicht entgegen sein, denn das 
Besetz bedeutet einen Rückschritt und gereicht der 
dem Fortschritte huldigenden Partei nicht zur Ehre. 
— Weil, 31. Dez. Heute nachmittaͤg wurde 
in einem Garten dahier bei ca. — 60 Riim Schaiten 
in fliegender Schmetterling — Tagpfauenauge 
Venessa Jo) — gefangen, gewiß eine ganz abnorme 
Sylvestertemperatur. 
D Schlatt a. R., 1. Jan. Bei der am 31. 
o. Vi. hier stattgehabten Gemeinderatswahl 
vurden gewählt: Josef Stauder, Eduard Hahn⸗ 
loser und Hermann Lehmann. Erstere zwei 
wurden wieder, letzterer neu gewählt. 
Konstanz, 31. Dez. (Strafkammer). Die 
Anklagebank erwies sich in der gestrigen Sitzung 
als zu klein für die Aufnahme sämtlicher Angeklagten 
—8 an der Zahl — der Gerichtssaal war ange⸗ 
füllt mit ea. 48 geladenen Zeugen. Die Anklage 
ichtete sich gegen den Schlossermeister Johann 
Jakob Friedrich Held von Danaueschingen, 
x7 Jahre alt, verheiratet, katholisch, seine 3 Lle⸗ 
digen Söhne im Alter von 18 bis 26 Jahren, 
die 16jährige Tochter Emma Held, ferner 
gegen Helds Lehrlinge Wilhelm Stöhr von War⸗ 
tenberg, Emil Liene mann von Donaueschingen 
ind den Gesellen Friedrich Leiber von Hattingen. 
Die Anklage ist erhoben wegen mehrfachen, in den 
etzten Jahren begangenen, zumteil schweren Dieb⸗ 
tahls, Anstiftung hiezu, Unterschlagung, Begünstig⸗ 
ing und gewohnheitsmäßiger Hehlerei. Die Ver—⸗ 
jandlung hat, laut. „Kstz. Ztg.“ ergeben: 
Der Besitzer des Bahnhofhotels und Soolbades in 
Donaueschingen, Altposthalter Josef Schaller, erstattete 
am 25. Maiĩ 1891 Anzeige, daß verschiedene, teils im 
—⏑ ⏑ ⏑⏑— — Blei⸗ 
cöhren im Gewicht von ca. 10 Ztr. von der Badelei⸗ 
ung fehlen, wodurch die Leitung vollständig zerstört 
sei. Der Verdacht fiel auf Helds Schlosserlehrling 
Wilh. Stöhr, welcher von Schallers Knecht öfters ge⸗ 
sehen worden ist, wie er mit Bleiröhren von der Bade⸗ 
anstalt sich entfernte. Stöhr gestand und behauptete, 
auf Veranlassung seines Meisters die Gegenstände ge⸗— 
tohlen zu haben. Die hierauf vorgenommene Haus⸗ 
uchung in Helds Wohnung förderte einen großen Vor—⸗ 
at fremder Sachen zutage, die er aufbewahrte und 
umteil gebrauchte. Der unredliche Erwerb dieser 
Begenstände ist teils nachgewiesen, teils vermag Held 
den Besitz vieler Dinge nicht zu rechtfertigen. Wilh. 
Stöhr wird zur Last gelegt, in etwa 80 Faͤllen in der 
Absicht rechtswidriger Zuneigung fremde Sachen an 
sich genommen zu haben und zwar im Besitze der zur 
Erkenntnis seiner strafbaren Handlung erforderlichen 
Finsicht. Die gestohlenen Sachen sind Blei⸗ u. Kupfer⸗ 
röhren, Kupferkessel, Gartenstühle, Thüren, Bienen⸗ 
töcke, Handwerkszeug aller Art, auch ein hochfeines 
„Katzenspiel“ befand sich darunter, welches als Geschenk 
an die Geliebte des jungen Adolf Held verabfolgt 
wurde, unter dem Vorgeben, dasselbe sei in Pforzheim 
zekauft worden! Auch Lebensmittel, Gerste, Brannt⸗ 
wein blieben auf den Diebesgängen nicht unberührt. 
AX 
durchaus geständig war, behaupiet, zu allen diesen 
nan das gute Stift. Nimmt mich hoch Wunder, dab 
ich nichts erfuhr. Nun, das kommt mir gelegen. War 
schon einmal hier und der hochwürdigste Herr Abt 
wird den Doktor allen freien Künste Guarnerio nicht 
janz vergessen haben.“ 
„Ach,“ sagte der Erstere lebhaft, „wir haben schon 
oon Euch gehört. Erlaubt, wir gehen die kleine 
Strecke mit und plaudern ein wenig.“ 
Er zog den Studiengenossen, der halb widerwillig 
zu folgen schien, mit sich, und sie gingen neben dem 
Pferde her. 
Das sind meine Töchter Marie und Irmgard,“ 
tellte der Maestro die erröteten Mädchen vor. „Darf 
nan vielleicht auch um den Namen der feinen jungen 
herren bitten, die offenbar noch keine Partes sind?“ 
„Warum nicht!“ sagte wieder heiter der Dunkel⸗ 
farbige. „Wir sind Studierende der Gottesgelehrtheit 
und zugleich nahe Verwandte des hochwürdigsten 
Abtes, dazu leibliche Brüder, ich bin Dagobert 
Majer und das mein Bruder Hilarius.“ 
„Sehr schön, sehr geehrte und gelehrte Herren“, 
'agte einschmeichelnd der rote Gelehrte. „Der Herr 
egne Euer Beginnen! Wenn ihr mir mit ein wenig 
Fuͤrsprache unler die Arme greifen wolltet, würde 
ich's an Dank nicht fehlen lassen. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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