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Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892 (51)

Bibliografische Daten

fullscreen: Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892 (51)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Publikationsort:
Engen
Verlag:
Anton Roos

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892
Band, Heft, Nummer:
51
Publikationsort:
Engen
Veröffentlichungsjahr:
1892
Verlag:
Theophil Schneider's Buchdruckerei
Größe der Vorlage:
27,1 x 40,9 cm

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1892

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Zeitungen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für den Großh. Amts- und Amtsgerichts-Bezirk Engen, Jg. 1892 (51)
  • Register zu den amt- und amtsgerichtlichen Verordnungen und Bekanntmachungen
  • Zeitungen

Volltext

r 
em „IAllustrierten Unterhaltungsblatte als ebeilage. 
Vr. 4. 
i b aruckungsgebüůhr 10 Brg. 
u 8 den 9. Januar die viergesp. ee ee 1 89 2 
Veee 2Vv ; bei groß. Aufträgen Rabatt, e 
Preis vierteljährl. 1Mk. 10Pfg. En sen, Samstag, en —* Ane e J —2* 
frei ins Haus 1Mk. 65 Psg. eklame die Zeile 15 Pfg. 
— 
Deutsches Reich. 
Die Reichstagssessison soll nach der Ab— 
icht des Präsidiums des Reichstags möglichst vor 
DRstern beendet werden. Die Auäeführbarkeit 
ieses Vorhabens erscheint zumal nach der raschen 
krledianug der Handelsverträge auch nicht aus— 
eschlossen. 
Bei der Reichstagswahl in Hildesheim ist, 
vie vorauszusehen war, der liberale Kandidat 
Sander gegen den Centrumsmann Baumeister 
ewählt worden. 
Die Entdeckung des Influenzabazillus 
st bei Gelegenheit der diesmaligen Epidemie in 
Berlin fast gleichzeitig in 2 Instituten unabhängig 
jon einander gemacht worden. Während im Koch'“ 
schen Institut das Bakterium von Stabsarzt Dr. 
Pfeiffer, wie bereits gemeldet, gefunden worden ist, 
jat die gleiche Entdeckung im städt. Krankenhaus 
Poabit ein Assistenzarzt gemacht. Ersterer hat im 
Auswurf, letzterer im Blute von Jufluenzakrauken 
stetig wiederkehrend einen Mikroben gesunden, der 
dem gewöhnlichen Eiterungserreger (Streptococcus 
pyogenus) ähnlich ist, in Reinkultur gezüchtet und 
nuch auf Tiere überimpft worden ist. Nähere 
Mitteilungen werden in den nächsten Tagen erfolgen. 
Uebrigens sind Cokken bei der Jaflaenza schon mehr⸗ 
jach gefunden worden; indessen hat bis jetzt noch 
einer von ihnen seine Spezrfizität für diese Krank— 
jeit nachweisen können. Osd dies bei den jetzt ent— 
deckten Mikroben der Fall ist, bleibt abzuwarten. 
Baden. 
— Personalnachrichten. S. K. H. der Groß⸗ 
jer zog haben gnädigst geruht, den Rivisor Heinrich Philipp 
ei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen wegen leiden⸗ 
»er Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen. 
— Durch Entschließung des Ministeriums des Innern 
vurde Registraturassistent Karl Wagner beim Verwaltungs— 
rat der Generalbrandkasse zum Registrator daselbst ernannt. 
— An Stelle des ausgeianedenen Laudtausabge⸗ 
zrdneten Gsell im Waldkircher Wahlbezuk ist 
»onseiten der Liberalen Bürgermeister Seufert 
»on Waldkirch als Kandidat aufgestellt. Der von 
»en Freisinnigen in Aussicht genommene Kandidat, 
Ochsenwirt Schill in Gutach, hat die Kandidatur 
abgelehnt. 
— Seit dem 5. d. Mis. wird in Karlsruhe 
Oberlandesgerichtsrat Max Heinsheimer ver— 
mißt. Am Rhein bei WMeoxau sind Hut und Stock 
des Vermißten gefunden worden, was vermuten 
äßt, daß Herr Heinsheimer einen Selbstmord be— 
zangen hat, umsomehr als in letzter Zein bei dem 
Vermißten eine geistige Erkrankung zum Ausbruch 
am, die ihn im vorig'n Jahre einen langen Urlaub 
zu nehmen zwang, der vonseiten des Justizministe- 
ziums bis zum 1. Dez. verlängert worden ist. 
Sollte sich das Unglück bewahrheiten, so verliert 
jer badische Richterstand mit Herrn Heinsheimer 
eines seiner sähigsten Mitglieder. Heinsheimer 
var auch hervo rasend litterarisch thätig. 
— Aus Gerlachsheim wird der „Neckarztg.“ 
vom 29. Dez. gemeldet: „In Gerichtstetten, 
Umt Buchen, wurde eine junge, im Wochenbett 
verstorbene Frau zu Grabe getragen. Nachdem 
die Leidtragenden sich zerstreut hatten, vernohm der 
den Sarg mit Erde bedeckende Totengräber plötzlich 
ein starkes Klopfen und nahm Reißaus. Der 
Pfarrer und einige Ortseinwohner wurden herbei— 
geholt und als man den Sarg öffnete, lag — so 
vird versichert — die Leiche umgekehrt, die Haare 
varen wirr durcheinder, das Gesicht verkratzt u. s. w. 
Das Vorkommnis erregt in der Bevölkerung großen 
Unmut. Die Frau soll nur im Starrkrampf ge— 
egen sein.“ Der Fall bedarf authentischer Auf— 
lärung, um glaubhast zu erscheinen. Bei den 
zroßen Vorsichtsmaßregeln, die bei Todesfällen bei 
nus angewandt werden, erscheint es kaum denkbar, 
aß ein lebendig begraben werden noch vorkommen 
'ann. 
— Aus Freiburg erfährt die „Bad. Ldsztg.“: 
In Offizierkreisen wird, unter dem allgemeinen 
Ausdruck des Bedauerns, mit aller Bestimmtheit 
rxzählt, der Kommandeur der 29 Infanterie-Div sion, 
herr Generalleutnant v. Mantey, habe seinen Ab— 
hied eingereicht und werde Freiburg schon im näch— 
ten Monat verlassen. Ebenso gibt man sich in 
enen Kreisen der erfreulichen Hoffnung hin, daß 
in die Stelle des Genannten S. &X. H. der Erb⸗ 
zroßherzog treten wird. Möchte sich dieses Ge 
ücht bewahrheiten.“ 
Allerlei aus Baden. Lin recht erfreuliches 
Reujahrsgeschenk haben die Metzgermeister in St. 
Ingbert den Hausfrauen bereitet. Die Fleisch— 
dreise find wie folgt herabgesetzt worden: es kostet 
etzt Rindflasch erster Sorte 30 —-56 Pfq., Hammel— 
und Kalt fleisch 50—56 Pfg., Schwein flisch 60 Pf. 
— Der Klerus der Erzdiszöse Freiburg verlor 
im vorigen Jahr 27 Mitglieder, darunter 10 Jubel— 
»riester. — AUm 5. d. Vits. abends nach einge— 
rochener Dunkelheit wurde eine in der Erbprinzen— 
traße in Karlsruhe wohnende Dame von einem 
ungen Menschen, der sich in das Haus eingeschlichen 
jatte, mit einem ungeladenen Revolver bedroht, 
venn sie ihm nicht Geld gebe. Die kuragierte 
Dame faßte den frechen Eindringling, worauf dieser 
unter Zurücklossang des Revolvers und des einen 
Aermels seines Ueberziehers die Flucht erariff — 
Der Stadt Baden sind von der am 8. Dezember 
n Paris verstorbenen Frau v. Rechten, einer ge— 
yornen Badnerin, 36000 Franken zu Kunstaus— 
tellungszwecken vermacht worden. — Im Neckar 
wurde in Mannheim die Leiche der seit 2 Tagen 
bermißten 25jährigen Frau des Heizers A. K. ge⸗ 
junden. Man vermutet, daß eine Gratulationskarte, 
die ihr Mann von seiner früheren Geliednten erhal— 
en, sie so aufgeregt, daß sie den Tod suchte. — In 
Freiburg fiel ein dreijähriges Mädchen in einen 
iuf der Erde stehenden Künel mit heißem-Wasser 
und derbrannte sich derort, daß es nach2 Tagen starb. 
Austund. 
Frankreich. Der bekannte französische Dichter 
Maupassant hat in einem Anfall von Verfol⸗ 
jungswahnsinn einen Selbstmordversuch gemacht, 
indem er sich mit einem Papiermesser die Kehle zu 
zurchschneiden suchte. Die Heilung der Wunde 
chreitet nach den neuesten Berichten zwar vorwärts, 
aher der Geisteszustand des Dichters verschlimmert 
sich. — Der Abgeordnete Laguerre wurde aus 
der Advokatenliste gestrichen wegen seiner disziplinar— 
widrigen Teilnahme an commerziellen Unterneh— 
mungen. — Die Regierung sandte ein Kriegsschiff 
nach Marocco zum Schutze der dortigen französischen 
Interessen. — Aus der Ronferenz des Admirals 
Bervais mit dem Marineminister ergab sich, daß 
von dem Plane, für Gervais ein besonderes Ressort 
im Weinisterium zu schaffen, Abstand genommen sei. 
Brasilien. Ueber die Verwirrung in Brasi— 
lien fällt cas in Kurityba erscheinende deutsche 
Blatt „Der Pionier“ folgendes zutreffende Urteil: 
Wenn die Sache nicht so ernst wäre, wir würden 
uns geneigt fühlen, demjenigen einen Preis zu 
zahlen, der uns sagen könnte, welche staat⸗ 
uche, Einrichtung wir eigentlich gegenwärtig in 
Brasilien haben. Es ist dieses ein Beweis, wie 
politisch unreif das brasilische Volk noch ist, heute 
hegrüßt es mit Freuden die Diktatur, morgen ver⸗ 
hammt es diese, weil sie veschwunden ist, am dritten 
Tage jubelt es der verfossungsmäßigen Regierung 
zu und gleich darauf verdammt es dieselbe wieder, 
veil mittierweile wieder die Diktatur über die Ver⸗ 
assung gesiegt hat. Und fragt man sich, wer ist 
an dieser politischen Uareise des Volkes schuld, so 
nuß man sagen, daß es das Volk und die Regie—⸗ 
renden selbst sind. Das Volk ist denkfaul und ge— 
wohnt, sich von seinen politischen Führern führen 
zu lassen, anstatt sich selber einen Weg zu bahnen. 
Die Politiker und die Regierenden haben ein Interesse 
daran, das Volk in seiner politischen Unreife zu belassen, 
weil sie dadurch ihre persönlichen Interessen besser 
vahren können. Es ist eine Stellen- und Aemter⸗ 
tagerei; die eine Partei sucht die andere von der 
Staatskrippe zu verdrängen. Das ist die ganze 
Politik Brosilien⸗ 
Aus Stadt und Land. 
Engen, den 8. Januar 1892. 
* Die auf nächsten Sonntag, den 10. d. Mits, 
nach Welschingen anberaumte Generalversamm- 
lung des landw. Bezirksvereins und Vieh— 
zuchtgenossenschaft Engen wußte wegen Ver— 
hinderung des Herrn Inspeltors Heitzmann von Meß⸗ 
tirch auf den 17. d. Mis. verlegt werden. 
e Welschingen, 7. Jan. Gestern erfreute uns 
der Gesangverein des Militärvereins Weiter— 
dingen durch seinen uns anläßlich des Radolfzeller 
Sängerfestes zugesagten Besuch. Sänzer und 
Die Töchter des Marktschreiers. 
kine Geschichte aus der Klosterzeit von August Butscher. 
9 (Fortsetzung.) 
Jetzt gab es kein Besinnen, kein Bedenken mehr. 
Sie eilten hinüber in die erleuchtete Klosterkirche, wo 
er Tausendkünstler eben das Bronzegitter vor den 
Sebeinen des heiligen Tiberius vergoldete 
Sie sprudelten ihr Gelöbnis, einander unterbrechend, 
vor dem Alten heraus, der scheinbar ungemein be— 
türzt darein schaute und Sorge und Bedenken auf 
einem Gesichte mit größter schau pielerischer Kunst 
vechseln ließ „Das ist ja eine fatale Geschichte!“ 
rief händeringend der Doktor. „Welch' unerwartete 
Wendung! Wie konnte solch' romanbafte Neigung in 
Furen Köpfen, in diesen Mauern entstehen!“ 
Er spielte den U wissenden mit großem Geschick. 
lebrigens hätten die ungestümen Werber auch bei 
veniger Versnellungskunst in ibrer Blindheit nichts 
Lerdächtiges gemerkt. Sie stürmten das vermeinte 
Bollwerk, bis es endtich zusammensank und alle Drei 
anken in die Kniee, denn der Alte forderte die Brüder 
ruf, wenigstens vor der letzten Entscheidung den 
seiligen Tiberius anzurufen, er möge Gott um Er⸗ 
euchtung bitten für die verirrten Laͤmmer, die sich 
ufmachen wollten zu einer großen Irrfahrt durch's 
Leben. Dabei hiekt er eine sehr salbungsvolle Rede, 
die ihm selbst und den Geliebten seiner Toͤchter Zähren 
in die Augen trieb. 
Die Jünglinge, die den gut gespielten Widerstand 
des Vaters durch das Gebet am Besten vollends zu 
iberwinden hoͤfften und ihre Liebe jetzt auch auf ein⸗ 
nal als eine Schuld fühlten, beteten so ernst, als es 
hre Erregung gestattet; und je länger sie beteten, 
»esto eifriger wurden die Worte, die sie an den neu— 
zewonnenen Heiligen richteten. 
Der Doktor kniete im Hintergrunde und drehte 
eine breite sammtae Künstlermütze zwischen seinen 
nochigen Fingern. 
In Hilarius' Herzen stürmten Zweifel und Vor—⸗ 
pürfe wild durcheinander, denn sein Sinn, der immer 
zem Himmlischen mehr zugewandt gewesen, war nicht 
o ganz und voll untergegangen in der Leidenschaft. 
Zeine Brust wogte, und, Alles um sich her vergessend, 
eufzte er tief auf und richtete folgendes inbrünstige 
Bebet an den Heiligen: 
„O heiliger Tiberius, könnten Deine verehrten Ge— 
heine uns sagen, ob wir folgen dürfen dem Verlangen 
inserer gequälten Herzen! O, könnten sich diese fleisch— 
osen Kinnladen mit Lippen beleben und Worte der 
stettung reden!“ 
Er erhob flehend die Arme. Und — Entsetzen 
aßte die Betenden — ein Wunder geschah. Aus 
dem goldblitzendem Schreine erklangen deutlich die 
Worte: 
„Folget dem Herzen! Wer Gott nur halb gehört, 
zehöre lieber ganz der Welt, damit er Gott wieder 
finden lerne!“ 
Voll Entsetzen sprangen die Vetter in die Höhe 
und starrten mit weit aufgerissenen Augen auf das 
cedende Skelett, das jetzt wieder so starr dalag, als 
zätte nie ein Ton in ihm gewohnt. 
Der Künstler faßte sich zuerst. Er warf die Hände 
in die Luft nud rief in Exstase: 
„Wahrlich, es ist ein Mirakel geschehen, der Himmel 
hat selbst geredet durch seinen heiligen Boten, und 
inser Schicksal ist besiegelt! Kommt an mein Herz, 
neine Söhne. Unsere Wege gehen jetzt zusammen !* 
Er, den jetzt offenbar allein Mut beseelte, führte 
die jungen Männer, deren Kniee schlotterten, hinaus 
in die freie Laft, wo sie wieder begreifen lernten, daß 
ie noch der irdischen Welt angehörten. Aber zu reden 
nermochten sie lange nicht, und als die Schwestern 
»ie sonderbare Märe hörten, staunten auch sie über 
diese wunderbare Fügung. Doch nach einigem Be— 
innen warf Irmgrad einen langen, forschenden Blick 
uuf den Vater und schüttelte mehrmals das blonde, 
eltsam sorgenvolle Haupt. Als man sich trennte, 
ühlten die Liebenden das Eine: Entscheidung war da.
	        

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