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Höhgauer Erzähler, Jg. 1847 (6)

Bibliografische Daten

fullscreen: Höhgauer Erzähler, Jg. 1847 (6)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Publikationsort:
Engen
Verlag:
Anton Roos

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler, Jg. 1847
Band, Heft, Nummer:
6
Publikationsort:
Engen
Veröffentlichungsjahr:
1847
Verlag:
Anton Roos
Größe der Vorlage:
21,0 x 25,1 cm

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1847

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Zeitungen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler, Jg. 1847 (6)
  • Zeitungen

Volltext

Jedes Haus wie jeder Einwohner trug vor einem hal⸗ 
hen Jahrhunderte die bunte Livree der europäischen Räu— 
ber; der Turban des Matrosen, wie die Babuschen der 
Favoritin des Sultans waren gleichmäßig, der eine aus 
dem Zeuge, die andern aus dem Leder geschnitten, das 
man auf dem Meere geraubt hatte; auch die Arbeit schrieb 
sich vom Raube her, denn die Schneider, die Schuhmacher, 
die Hutmacher ꝛc. wählte man unter den Christensllaven. 
Seltsam genug war oft die Anwendung der geraubten 
Gegenstände. So vertrat wohl das Telescop, das man · un⸗ 
ter der Beute gefunden, die Stelle eines Trinkglases. Wie 
oft wurden die Arzneistoffe, welche sich auf jedem Schiffe 
hefinden, durch die Naschhaftigkeit in Confituren verwandelt 
und mißhandelten dann die Eingeweide der Piraten! Es 
läßt sich nicht sagen, zu wie vielerlei ein Bratspieß ge⸗ 
hraucht wurde, nur nicht zu seinem eigentlichen Zwecke ꝛc. 
Man kennt die Geschichte jenes von den Algierern weg⸗ 
genommenen Schiffes, dessen Ladung in rothen gewirkten 
Mützen für Catalonien bestand. Groß war das Erstaunen 
der Seeräuber, als sie diese Mützen fanden und dieselben 
zu irgend etwas anwenden wollten. Als man das Futter 
heraus nahm, zeigten die Mützen nichts als zwei Taschen 
ohne Oeffnung. Nachdem man sie nach allen Seiten hin 
gedreht und umgewendet hatte, öffnete man sie und ver⸗ 
suchte, anfangs ohne Erfolg, Aermel daraus zu machen, 
aber es waren Aermel ohne einen Rumpf; dann sollten sie 
als Beinkleider dienen, aber diese Beinkleider hatten keinen 
Boden; kurz, man versuchte es mit diesen Mützen auf alle 
mögliche Weise, ohne ein günstiges Resultat zu erlangen. 
An der Spitze der Seeräuber jener Zeit standen zwei 
Algierer Oglu und Assam. Sie waren an dem Tage, als 
sie sich auf einer und derselben Barke trafen, so jung, daß 
das Meer für sie mehr eine Wiege als ein Schlachtfeld ge— 
wesen war. Sie thaten ihre ersten Waffenthaten zusammen, 
waren einander gleich an Tapferkeit und gleich an Freige— 
bigkeit, wenn sie einen großen Theil von der Prise erhiel— 
ten; sie drückten einander die Hand im Golde und im Blute 
mit gleicher Bruderliebe. Ihre Freundschaft wurde so in⸗ 
nig, daß sie sich schwuren, einander gegenseitig zu schützen 
und zu begünstigen, wenn der eine im Leben mehr Glück 
haben sollte als der andere. Wenn der eine jemals zum 
Kapitain ernannt würde, so sollte der andere von Rechts 
wegen sein Lieutenant seyn; würde Assam Admiral, so müßte 
Oglu Kapitain seyn; der Dey sollte keinen andern Vezir 
haben als seinen Freund. (Forisetzung folgt.) 
—— 
Nenigkeiten. 
Kurhessen. Vom 25. Dez. Gegen zwei hervorra— 
gende Oppositions-Mitglieder der kurhessischen Ständever— 
ammlung, Henkel und Wippermann, gegen Erstern wegen 
seines Vortrags in der Kammer über die Beschwerden der 
Deutsch⸗Katholiken, gegen Letztern wegen sonstiger Aeuße⸗ 
rungen in derselben, ist eine Untersuchung auf Gottesläste— 
rung eingeleitet worden. Auch gegen den volksthümlich ge⸗ 
wordenen Deputirten Sunkel ist ein Prozeß eingeleitet. — 
2 
— 
Da aber nach der Verfassungsurkunde kein Mitglied der 
Ständeversammlung in den nächsten sechs Wochen ohne 
Zustimmung der Stände verhaftet, zu keiner Zeit aber we⸗ 
gen Aeußerungen seiner Meinung zur Rechenschaft gezogen 
verden kann, so vertraut man, daß die kurhessischen Ober⸗ 
gerichte ihre entschieden tüchtige und unabhängige Haltung 
auch in diesem Falle bewähren werden. 
Rheinpreußen. Die Diebstähle in der Gegend von 
Iserlohn und Schwelm sollen so arg überhand ge⸗ 
nommen haben, daß auf Requisition der dortigen Behörden 
ein Militärdetaschement von 20 Jägern und 20 Husaren 
von Düsseldorf dorthin gesandt werden mußte. 
Bremen, 20. Dez. In unserem Hafen liegen einige 
Schiffe segelfertig, um mit Answanderern theils nach Balti⸗ 
nore, theils nach Newyork abzugehen; sie werden aber doch 
erst, wenn auch das Thauwetter anhalten sollte, nach Verlauf 
oon acht Tagen in See stechen können. Die Auswanderung hat 
reinen Augenblick nachgelassen und dauert auch jetzt fort, na⸗ 
ürlich schwächer als in der günstigen Jahreszeit. So viel man 
veiß, sind alle von hier mit Auswanderern befrachtete 
Schiffe glücklich in amerikanischen Häfen angekommen; nur 
über ein Fahrzeug schwebt man in Ungewißheit, und muß 
das Schlimmste befürchten, falls dasselbe nicht etwa nach 
Westindien verschlagen worden ist. Es ist dies der am 28. 
August von Bremerhafen mit 128 Auswanderern unter 
Zegel gegangene Dreimaster „Marie Albine“, der am 26. 
November an seinem Bestimmungsorte Newyork noch 
aicht angelangt war. 
Schweiz. Die Uebersiedelung der meisten fremden 
Besandten von Bern nach Zürich, gerade um die Zeit, 
da die Leitung der eidgenössischen Angelegenheiten an Bern 
übergehen soll, beschäftigt die Schweizerpresse in verschiede⸗ 
ner Weise. Manche, zumal die Konservativen, sehen ängst⸗ 
iich den aus Bern abziehenden Dimplomaten nach, und 
ragen besorgt, was soll daraus werden? Daß die fremden 
Befandten nicht aus eigenem Antrieb, nicht aus Laune die 
rristokratische Stadt Bern verlassen, sondern in Folge be⸗ 
timmter Anordnung von Oben, wird allgemein angenom⸗ 
nen und geht wohl auch schon aus Wm gemeinsamen 
Schritt derselben hervor. Eben so unzweifelhaft ist es, daß 
der Abzug der Gesandten von Bern nicht als ein Zeichen 
des Wohlwollens gegen diese betrachtet werden darf. Ist 
aber dieses der Fall, so bleibt natürlich nur die weitere An— 
nahme übrig, daß die fremden Mächte, deren Gesandten die 
Residenz nach Zürich verlegt haben, eben mit dem gegen⸗ 
wärtigen Vorort und seinem politischen Treiben unzufrieden 
zu seyn Ursache haben. Darum sind auch die konservativen 
Blätter zu glauben geneigt, daß es bei diesem Zeichen des 
Mißfallens fremder Höfe nicht sein Bewenden haben werde, 
ondern daß dies nur der erste Schritt eines künftig der 
Schweiz gegenüber einzuhaltenden Benehmens sey. Die 
nglische Gesandtschaft übrigens hat allein Bern nicht ver— 
affen, was man als eine Art Protestation gegen die Ueber— 
iedlung der andern Gesandten nach Zürich betrachtet. 
— Nachrichten aus München sagen, daß die königlich— 
bayerische Regierung sich geneigt zeige, den dringenden Vor⸗ 
dellungen des eidgenössischen Vororts, in Betreff der Korn⸗
	        

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