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Höhgauer Erzähler, Jg. 1847 (6)

Bibliographic data

fullscreen: Höhgauer Erzähler, Jg. 1847 (6)

Structure type:
Periodical
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Place of publication:
Engen
Publisher:
Anton Roos

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Höhgauer Erzähler, Jg. 1847
Volume,Issue,Number:
6
Place of publication:
Engen
Year of publication:
1847
Publisher:
Anton Roos
Scope:
21,0 x 25,1 cm

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1847

Chapter

Structure type:
Chapter
Title:
Zeitungen

Contents

Table of contents

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler, Jg. 1847 (6)
  • Zeitungen

Full text

liebten Landesfürsten. Des Abends besuchten Se. Königl. 
Hoheit das Theater, welches festlich erleuchtet war, und des 
indern Tags, in bürgerlicher Kleidung, die hiesigen An— 
sdalten, Fabriken, die größern Waarenlager und die Ket⸗ 
senbrücke. Des Nachmuͤtags kehrte der hohe Besuch unter 
derselben Begleitung wie nach der Ankunft, wieder zurück 
nach Karlsruhe. Beim Empfang, im Theater und beim 
Abschied wurde der geliebte Fürst mit einem herzlichen Hoch 
begrüßt. 
Weinheim, 24. Dez. Gestern Abend hatten wir ein 
Pferdefleisch⸗ Essen, welchem eine Menge hiesiger Bürger 
und Honoratioren beiwohnte. Mehrere Personen kamen 
jum Gastmahle, einzig in der Ueberzeugung, daß der Zweck⸗ 
mäßigkeit der Sache halber die Empfindung dagegen müsse 
niedergekämpft werden. Als sie aber fanden, daß das Pfer— 
defleisch durchaus nicht schlechter schmeckte, als anderes, ja 
sogar in einigen Zubereitungen ganz vortrefflich mundete, 
o war der mitgebrachte leise Schauer dagegen schnell über⸗ 
wunden, und den Speise-Arten ward ihr verdientes Recht 
angethan. Um das Fleisch ganz ohne künstliche Appretur 
kennen zu lernen, versuchte man dasselbe auch wie Rind— 
—XX 
dehend. Jedenfalls ist es besser, als das Fleisch von alten, 
m Ziehen ergrauten Kühen. Man trennte sich vergnügt 
ind in der vollen Ueberzeugung, daß es ein großes Glück 
wäre, wenn das Vorurtheil gegen den Genuß des Pferde⸗ 
leisches baldmöglichst allgemein verschwände. Was die all⸗ 
zemeine Einführung des Gebrauchs des Pferdefleisches dem 
andwirthschaftlichen Betriebe für Vortheile darbieten kann, 
wird Jeder selbst ermessen können. 
Nassau. Höchst, 24. Dez. Abermals fiel vor⸗ 
gestern Nacht unsern schlechten Forstgesetzen ein unglückli— 
ches Opfer. Bekanntlich sind unsere Förster mit einem Theil 
hres Verdienstes auf das Abfassen armer Menschen, welche 
zumal in der heurigen kalten Jahreszeit ein paar Stückchen 
Holz aus dem Walde holen, um damit Frau und Kind 
vor dem Erfrieren zu schützen, verwiesen. Demgemäß hat⸗ 
ten sich in der vorgestrigen Nacht der Förster aus Soden 
und ein Anderer, als Wächter Beauftragter von dort, bei 
dem im Sodener Walde frisch gefällten Holze versteckt, um 
Solche, die es allenfalls versuchen würden, ein Scheit Holz 
wegzutragen, zu ertappen. Gegen 1 Uhr fanden sich auch 
wirklich einige Bauern ein, welche anfingen, von dem Holz⸗ 
ttoße abzutragen. Einer der Holzfrevler, ein kräftiger Mann 
von 40 Jahren mit Frau und Kindern, die nur der an⸗ 
gestrengteste Fleiß des Vaters zu ernähren im Stande war, 
wurde von den beiden Versteckten erschossen, wie Jene an⸗ 
geben, aus Nothwehr. Soviel ist jedoch sicher, daß der 
Schuß in den vollen Rücken ging und die Entfernung zwi⸗ 
schen dem Schießenden und dem Erschossenen wenigstens 
20 — 30 Schritte betrug. Es ist eine Untersuchung einge— 
leitet. 
Aus Deutschland. Die Feinde der Schweiz geben 
die Hoffnung noch nicht auf, es doch noch zu einem ordent⸗ 
lichen Krieg zu bringen, und es sieht jetzt wirklich danach 
aus, als ob sie Recht behalten sollten. Obgleich England 
sich öffentlich von jeder Etnmischung in die innern Angele— 
genheiten der Schweiz losgesagt hat und nur so im Stillen 
427 
— 
einigen englischen Rath mündlich und vertraulich gibt, so 
cheinen doch die großen Mächte auf einer unerbetenen Ver⸗ 
nittlung zu bestehen. Frankreich erklärt offen, es könne doch 
die Schweiz nicht den deutschen Mächten allein überlassen, 
ꝛs müsse die Hand in dem Schweizer Spiel haben, und nö⸗ 
higenfalls werde Frankreich 50, 000 Mann marschiren las⸗ 
en und Oestreich ebensoviel. Der Oestreichische Beobachter 
oersichert, die Schweiz sey nichts als ein Schauplatz einer 
verbrecherischen radikalen Partei, doch nur so lange, als 
die großen Mächte es gestatten, und diese würden ein Ein⸗ 
sehen haben. Zu dem Ende ist von Oestreich der Graf Col⸗ 
loredo, von Preußen Herr von Sydow, von Rußland Hr. 
hon Krüdener in Paris angekommen, um mit Herrn Gui⸗ 
zjot über das Schicksal der Schweiz zu berathen, zu stim⸗ 
men oder gestimmt zu werden. Von dort begaben sie sich 
zu den Konferenzen nach Neuenburg. 
Tyrol. Bozen, 18. Dezbr. Heute früh langte der 
rühere Präsident des sonderbündischen Kriegsrathes Si eg⸗ 
vart-Müller mit Frau und zwei Kindern auf dem Eil⸗ 
vagen von Verona hier an, und begab sich sofort zum Abte 
don Muri nach Gries. Siegwart wird zunächst nach Ins— 
zruck gehen, wo zwei seiner Söhne im Jesuiten-Konvikte 
hre Studien machen. 
Schweiz. Adrian von Courten, der frühere Tagsa⸗ 
zungsgesandte, wird noch immer gefangen gehalten, weil 
r sich geweigert hat, Papiere aus dem Nachlaß seines Va⸗ 
ers herauszugeben. Äls man ihn aus der Haft zu seiner 
Familie lassen wollte, jedoch unter Beobachtung strengen 
Hausarrestes, wies er mit Verachtung diese Vergünstigung 
Jurück und sagte: „Ich zittre nicht, aber Sie, meine Hrn., 
ollen bald zittern 1* 
Luzern, 23. Dezbr. Ein trauriger Fall ereignete sich 
hier. Kavallerie-Lieutenant Benninger war mit einem 
Bekannten (Nichtmilitär) gestern in einem Schiffe auf der 
Entenjagd. Es wurde nun die Verabredung getroffen, Ben⸗ 
aninger solle niederknieen und schießen, unmittelbar nach ihm 
ind über ihn weg sein Begleiter. Benninger feuerte ab, 
gerade nach ihm sein Jagdgefährte; unglücklicherweise hatte 
ich aber Ersterer inzwischen entgegen der Verabredung er⸗ 
yoben, und so ging ihm die Ladung seines Begleiters hin⸗ 
ten durch den Kopf in's Gehirn. 
— Einzelne Blätter führen Klage darüber, daß die 
Tagsatzung so unthätig sey; wie es scheint, will dieselbe aber 
keine bedeulende Frage verhandeln, eh' die Kantone wieder 
oollständig vertreten sind. Nach einem Berichte des Schw. 
M. wird im Innern der Tagsatzung die Frage ziemlich leb⸗ 
haft besprochen, ob es nicht räthlich wäre, nach beendigtem 
Kriege auf einige Zeit sich zu vertagen oder gar sich auf— 
zulösen. 
— In mehreren Sonderbundskantonen fangen die Geist⸗ 
ichen wieder ihr altes Spiel an und suchen das Volk auf 
alle Weise zu fanatisiren. Der Bischof von Basel hat deß⸗ 
vegen ein Kreisschreiben an die Luzerner Geistlichkeit erlas— 
'en, worin er sie mit allem Ernst an ihre Pflicht erinnert 
ind sie nachdrücklich vom politischen Treiben abmahnt. Die 
idgenössischen Repräsentanten in Schwyz sahen sich genö— 
higt, den Landesbischof zum Einschreiten gegen eine Zahl
	        

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