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Höhgauer Erzähler, Jg. 1846 (5)

Bibliografische Daten

fullscreen: Höhgauer Erzähler, Jg. 1846 (5)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Publikationsort:
Engen
Verlag:
Anton Roos

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler, Jg. 1846
Band, Heft, Nummer:
5
Publikationsort:
Engen
Veröffentlichungsjahr:
1846
Verlag:
Anton Roos
Größe der Vorlage:
20,7 x 25,0 cm

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1846

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Zeitungen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler, Jg. 1846 (5)
  • Zeitungen

Volltext

musik der hiesigen Bürgergarde gewürzt und von Toasten 
verschiedenartiger Bedeutung angeregt. 
Karls ruhe, 28. Dez. Die deutsch-katholische Sache 
ist in ein neues Stadinm getreten; die ungünstige Stim— 
mung in den höchsten Kreisen hat sich verloren, und hat, 
wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, einer entgegenge⸗ 
setzten Ansicht Platz gemacht. Bei den betreffenden Staats⸗ 
tellen ist man damit beschäftigt, einen Gesetzesentwurf zur 
Vorlage an die Kammer zu bearbeiten, welcher die öffent⸗ 
lichen Verhältnisse der Deutsch-Katholiken im Staate fest— 
stellen wird. 
Heidelberg, 29. Dez. Die Wahl eines Abgeordne⸗ 
en der Stadt Heidelberg an die Stelle des geh. Rath Dah⸗ 
men hat heute stattgefunden. Es wurde Obervogt Peter 
gewählt. — In Mannheim ist Hofgerichtsadvokat Bren⸗ 
lano zum Abgeordneten der Stadt Mannheim an Gerbels 
Stelle gewählt worden. 
— Kürzlich hat sich hier ein Verein zur Linderung der 
Armuth gebildet. Die Thätigkeit dieses Vereins ist auf 
Unterstützung aller und jeder Nothleidenden gerichtet und 
insbesondere ist die Aufsuchung der „verschämten Armen“ 
zum Zweck gemacht. Zur bessern Beaufsichtigung und Ver⸗ 
waltung wird Heidelberg, und was dazu gehört, in Be— 
zirke getheilt, in deren jedem sich ein Einnehmer befindet, 
dem zu gleicher Zeit obliegt, sich durch Augenschein mit den 
Leiden der Armen bekannt zu machen und beim Vorstande 
zu berichten. Ueber die Namen der Unterstützten herrscht 
oöllige Verschwiegenheit; einigen wenigen Männern ist die 
oberste Verwaltung anvertraut. Der wöchentliche Beitrag 
ist höchstens 6 Kreuzer, damit auch der Unbemitteltere noch 
mitwirke zur Aufbesserung seiner völlig verarmten Brüder. 
Was über sechs Kreuzer hinausgeht, dafür ist man namen⸗ 
los. Der Grundstock des Vermögens soll dazu verwendet 
werden, armen Handwerkern, welche ein Geschäft beginnen 
oder augenblicklich in Verlegenheit sind, mit Darlehen auf⸗ 
zuhelfen. 
Offenbach, 29. Dez. In dem Hofe eines Bäcker⸗ 
meisters fand heute Morgen ein Gehülfe, der Holz holen 
wollte, unter einem Stoß tannener Wellen einen ermorde⸗ 
ten Knaben von etwa 7 Jahren. Kopf, Hände und Füße 
waren demselben abgeschnitten und der Körper zum Theil 
schon von Hunden oder Katzen zernagt. Die Mutter die— 
ses Knabens, welche des Mordes dringend verdächtig, 
diente als Magd bei jenem Bäcker und haͤtte ihr Kind vor 
wenigen Tagen vom Lande. zurück bekommen, wo es in der 
Kost gewesen, und es hier andern Pflegältern übergeben. 
Dasselbe fehlte bereits seit 7 Tagen. Als es aufgefunden 
wurde und deßhalb Lärm entstand, entfloh die Magd ei⸗ 
ligst. Aus welchem Grunde sie dies abscheuliche Verbre— 
hhen an ihrem Kinde verübte, ist unbekannt, und man 
vermuthet nur, daß sie dasselbe zu sich auf den Boden des 
Hauses nahm und dort auf eine graͤßliche Weise ermordete. 
Sachsen. Da in einem Theil von Thüringen die 
Kornwucherer die Getreidepreise noch immer hoch erhalten, 
haben sich einige Kaufleute aus Gotha, Erfurt, Weimar 
und Eisenach zusammengethan und lassen 30,000 Malter 
Korn aus Amerika kommen, das sie wohlfeiler verkaufen 
is die Kornjuden. Die werden dick und fett werden, wenn 
ie ihr Getreid selbst verzehren. 
Jena, 20. Dez. Ein Schüler des Zenkerschen Insti⸗ 
uts dahier wurde während des Unterrichts plötzlich von 
eftigen Krämpfen befallen, die sich immer mehr steigerten. 
Man wußte das sich nicht zu erklären, da der Schüler noch 
inen Augenblick vorher ganz gesund schien, bis endlich ein 
inderer Schüler sich erinnerte, daß der von Krämpfen Be— 
allene vor langer Zeit von einem, anscheinend nicht wü⸗ 
henden Hunde gebissen worden sey. Es zeigten sich auch 
etzt immer deutlicher die Symptome der Hundswuth und 
»er Knabe mußte eilends in die Wohnung seiner Eltern ge⸗ 
chafft werden. Der Weg dorthin führte über die Saale 
ind man hatte große Mühe, den Knaben über das Wasser 
u bringen, indem ihm die Augen verbunden wurden. Im 
lterlichen Hause angekommen, wurde er, der jetzt schon 
wvüthend um sich biß, in sicheren Verwahrsam gebracht und 
von den herbeigerufenen Aerzten, welche seinen Zustand als 
joffnungslos erkannten, durch das bei dieser furchtbaren 
Krankheit gewöhnliche und letzte Mittel bald von seinen 
Zeiden befreit. Dieser traurige Vorfall zeigt abermals, 
daß es nicht übertriebene Vorsicht genannt werden kann, 
venn jeder von einem Hunde Gebissene sogleich einen erfah⸗ 
renen Arzt zu Rathe zieht. 
Preußen. Der Direktor einer Strafanstalt zu Berlin 
oll ein durch seine grausame Strenge bekannter Mann seyn. 
Ein Schneider, der sich zur Abbüßung seiner Strafe in der 
bezeichneten Anstalt befand, wurde krank und erklärte, daß 
's ihm unmöglich sey, zu arbeiten. Der Arzt, der ihn des⸗ 
zalb untersuchte, beglaubigte zwar, daß der Mensch krank 
väre, allein nicht in dem Grade, um nicht arbeiten zu kön⸗ 
nen. Da dieser jedoch bei der Versicherung, nicht arbeiten 
u können, verblieb, wurde ihm dieß als Faulheit und Ver— 
tocktheit ausgelegt und ihm eine Strafe von zehn Hieben 
zuerkannt. Diese Strafe wurde aber gegen die Verord⸗ 
zung auf das doppelte Maß ausgedehnt und durch ander⸗ 
veite Mißhandlungen noch vergroͤßert, so daß die Leiden 
des Gezüchtigten nach dem Empfang der Strafe in dem 
Maße zunahmen, daß er nach dem Lazareth gebracht wer⸗ 
den mußte. Hier angekommen, stürzte er zusammen und 
war todt. Die gerichtliche Leichenöffnung ergab, daß die 
Strafe und die empfangenen Mißhandlungen die Veran⸗ 
lassung zum Tode gewesen waren. Es ist deshalb gegen 
die betreffenden Personen eine Untersuchung eingeleitet, und 
das Gesetz wird hoffentlich gegen die Schuldigen nach seiner 
zanzen Strenge gehandhabt werden, denn noch nie und 
iirgends ist durch übermäßige Strenge und Grausamkeit 
ein Verbrecher gebessert und eine größere Moralität erzielt 
vorden. 
Wesel, 22. Dez. Heute Nachmittags zwei Uhr pas⸗ 
ärte hier das Unglück, daß ein Dampfschiff und ein Kauf—⸗ 
ahrteifahrer auf dem Rhein gegeneinander fuhren. Die 
Stadt Mannheim, ein Dampfschiff der Kölner Gesellschaft, 
uhr nämlich an einen großen Kohlennachen, mit Tuffstein 
zeladen, von Koblenz kommend ZAnd nach Holland bestimmt, 
uind bohrte ihn auf den Grund. Die Ladung im Werthe 
oon 6000 Thaler ist ganz verloren.
	        

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