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Höhgauer Erzähler, Jg. 1846 (5)

Bibliografische Daten

fullscreen: Höhgauer Erzähler, Jg. 1846 (5)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
Publikationsort:
Engen
Verlag:
Anton Roos

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Höhgauer Erzähler, Jg. 1846
Band, Heft, Nummer:
5
Publikationsort:
Engen
Veröffentlichungsjahr:
1846
Verlag:
Anton Roos
Größe der Vorlage:
20,7 x 25,0 cm

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=344181-7_1846

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Zeitungen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Höhgauer Erzähler. Verkündigungs-Blatt für die Großh. Amtsbezirke Engen und Radolfzell
  • Höhgauer Erzähler, Jg. 1846 (5)
  • Zeitungen

Volltext

sef von dessen Thaten erzählen hörte, so regte sich in ihm 
7 Wunsch, Gelegenheit zu finden, etwas AÄehnliches aus⸗ 
zuführen. 
Als Knabe war Speckbacher wild und zügellos; seine 
Eltern starben früh, und er lebte daher bei Verwandten, 
die viele Plage durch ihn hatten. In der Schule brachte er 
es in den zwei Jahren, wo er sie besuchte, nicht bis zum Le⸗ 
en und Schreiben. An Körperkraft nahm er hingegen desto 
sichtlicher zu. Sein Auge war überaus scharf, seine Mus— 
keln waren fest, seine Glieder geschmeidig. Als Knabe schoß 
er auf einen Bären und band mit einem Lämmergeier an, 
den er besiegte; im zwölften Jahre lernte er einen Wild—⸗ 
schützen kennen, dessen Lebensweise ihn so anzog, daß er 
mit ihm durch die Gebirge streifte und alle Fährlichkeiten 
des Handwerks theilte. Damals kamen sie in das baye⸗ 
rische Forstgebiet, und er hatte schon manchen Strauß mit 
den Förstern zu bestehen. Er erlangte hierdurch eine Kennt⸗ 
niß des Terrains, welche ihm während des Kampfes von 
1809 sehr nützlich wurde. Er hatte oft Gelegenheit, seine 
Unerschrockenheit und Geistesgegenwart auf die Probe zu 
setzen. Einst wurde er neben einer geschossenen Gemse von 
vier Jägern ertappt, als er eben an einem Feuer Schmalz 
in einer Pfanne zergehen ließ, um seine Mahlzeit zu berei— 
ten. Die Jäger banden und knebelten ihn, allein er bat, sie 
möchten ihm doch nur erlauben, sein Mittagessen zu berei⸗ 
sen, das letzte, das er in Freiheit genießen würde. Sie 
willfahrten seiner Bitte, allein kaum haͤtte er die Hände 
frei, so nahm er die Pfanne und schüttete den Jägern das 
siedende Schmalz ins Gesicht. Sie fuhren erschrocken zurück, 
er aber ergriff eine ihrer Flinten und schlug ihnen mit dem 
Kolben so rasch auf die Köpfe, daß sie niederstürzten; hie⸗ 
rauf entfloh er und nahm die Flinte mit. 
Seine Verwandten und ältern Brüder waren jedoch 
mit dieser Lebensweise des Burschen nicht zufrieden, und 
so verschafften sie ihm eine Stelle bei dem Salzbaue. Er 
bekam die Aufsicht über die Holzschläge und versah dieses 
Amt viele Jahre. Im 27sten Jahre heirathete er ein wohl⸗ 
habendes Mädchen aus dem Dorfe Rinn, auf dessen Bit— 
en und Zureden er nothdürftig lesen und schreiben lernte. 
Jetzt wählten ihn die Landleute von Rinn zum Mitgliede 
des Gerichtsausschusses; er nahm einen Stellvertreter für 
seine Waldaufseherstelle an, und war nunmehr zwölf Wo⸗ 
chen im Jahre verbunden, selbst an Ort und Stelle zu seyn. 
Schon im Jahre 1797, also ein Jahr nach seiner Ver⸗ 
heirathung, verließ Speckbacher seine Frau, um die ersten 
Kriegsdienste seinem Vaterlande zu leisten. Er wohnte als 
Schuͤtze der siegreichen Waffenthat bei Spiegel bei; 1805 
gehörte er zu der Innsbrucker Miliz, welche den Felsenpaß 
der Scharnitz gegen die anstürmenden Franzosen vertheidigte. 
Alles war im Stillen schon zu einem neuen Aufstande 
vorbreitet worden, als Speckbacher am 7. April 1809 von 
Andreas Hofer die Botschaft erhielt: Es sei Zeit. 
Zugleich gingen die verabredeten Signale durch's ganze 
dand. Es schwammen Brettchen, auf welchen Fähnchen 
angebracht waren, den Inn hinab; die Wellen des Flusses 
waren durch hineingeworfenes Sägmehl gefärbt, auch Ho⸗ 
belspäne schwammen drauf einher. Jeder wußte sich die 
Zeichen zu deuten und hielt sich schlagfertig. 
2 
— — 
Am 8. April machte sich Speckbacher von seinem Wohn⸗ 
itze Sinn gen Innsbruck auf, um sich von der Stellung 
der Truppen zu unterrichten, ohne daß es ihm jedoch glückte. 
Am 9. April machte er sich in ähnlicher Äbsicht nach Hall 
auf, zugleich um die feindlichen Munitionsvorräthe aus— 
ukundschaften. Die Wachen waren verdoppelt und es galt 
sie zu täuschen. Speckbacher stellte sich betrunken und dau— 
melte einem Bretterverschlage zu, der die Pulverwagen ein⸗ 
chloß. Er that, als ob ihn ein dringendes Bedürfniß nö⸗ 
hige, der Umzäunung näher zu treten. Bis aber die Schild⸗ 
wache herbeieilte, um ihn unter Androhung von Kolben⸗ 
tößen fortzujagen, hatte er Zeit gehabt, durch die Fugen zu 
ehen, was er sehen wollte. Er konnte nun den Landleu⸗ 
en am rechten Ufer des Inn die Kunde bringen. 
Am 11. April wollten die Bayern bei Ärams, in der 
Nähe von Innsbruck, Kontribution eintreiben. Die be— 
vaffneten Bauern widersetzten sich und Spedbacher eilte 
hnen mit der Mannschaft von zwei Dörfern zu Hülfe. Die 
Rauferei dauerte den ganzen Tag, und die Bayern muß⸗ 
en sich am Ende ohne Kontribution zurückziehen. Noch an 
demselben Abend traf er in Ampaß Soldaten, die durch 
Feueranlegen Geld erpressen wollten, allein seine und sei⸗ 
ner Mannschaft entschlossene Haltung trieb sie in die Flucht. 
(Fortsetzung folgt.) 
—— 
Neuigkeiten. 
Baden. Radolfzell, 22. Dez. Noch waren die 
reudigen Ausdrücke herzlicher Theilnahme des ganzen Amts⸗ 
zezirks über die Dekoration unsers verehrten Amtsvorstan⸗ 
des mit dem Ritterkreuze des Ordens vom Zähringer Löwen 
uicht verklungen, als sich uns ein neues in gleichem Maaße 
erfreuliches Ereigniß darbot. Se. Königl. Hoh. der Groß⸗ 
jerzog haben unserm Bürgermeister Mohr in Anerkennung 
einer Verdienste um die Interessen der hiesigen Stadt die 
leine goldene Zivilverdienstmedaille zu verleihen geruht. 
Am 215d. M. fand die Feier der Ueberreichung in würdi⸗ 
ger, erhebender Weise stalt. Nach dem vormittaͤgigen Got⸗ 
esdienste holten der Gemeinderath, Bürgerausschuß, Stif⸗ 
ungsvorstand und das Offizierskorps der hiesigen Bürger— 
zarde den Hrn. Bürgermeister Mohr in seiner festlich ge— 
chmückten Wohnung ab und geleiteten ihn, von Geschützes⸗ 
Zalven begrüßt, durch eine mit passender Inschrift verzierte 
Ehrenpforte auf den Rathssaal, wo sich außer den Staats⸗ 
ienern und der hochwürdigen Geistlichkeit auch bereits die 
jesammte Bürger- und Einwohnerschaft versammelt hatte. 
An die mit der Ueberreichung verbundene Anrede des Amts⸗ 
orstandes reiheten sich die Glückwünsche aller Organe der 
Bersammlung, in besonders rührender Weise jene der 
Schuljugend / welche dem Gefeierten so Vieles verdankt. 
Wahrhaft ergriffen und erbaut verließ man den Saal, und 
der Gefelerte wurde in oben bezeichneter Weise wieder in 
seine Wohnung zurück begleitet. Mittags fand im Gast⸗ 
hause zur Post ein sehr zahlreich besuchtes Festessen statt, 
von Frohsinn und den Leistungen der vorzüglichen Blech⸗
	        

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