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Anleitung zum Methodischen Studium der Homöopathie

Bibliographic data

fullscreen: Anleitung zum Methodischen Studium der Homöopathie

Structure type:
Monograph
Collection:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V.
Author:
Lorbacher, A.
Title:
Anleitung zum Methodischen Studium der Homöopathie
Subtitle:
für junge Aerzte welche un dieselbe eindringen und sich ernstlich damit beschäftigen wollen
People involved:
Lorbacher, A.
Place of publication:
Leipzig
Year of publication:
1883
Publisher:
Schwabe

Physical location:
Europäische Bibliothek für Homöopathie (EBH), Köthen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=342617882

Chapter

Structure type:
Chapter
Title:
II. Das Studium selbst.

Contents

Table of contents

  • Anleitung zum Methodischen Studium der Homöopathie
  • Title page
  • Introduction
  • I. Vorbedingungen und Vorbereitungen für das Studium.
  • II. Das Studium selbst.
  • III. Praktische Anwendung.

Full text

II. Das Studium selbst. 
§ 5. Um dies jedoch zu können, muss er den Grund und Boden 
kennen lernen, auf dem das Gebäude ruht, das sind die aus dem Boden 
der Erfahrung herausgewachsenen Lehren und Vorschriften Hahne- 
manns. Denn mir ist es unbegreiflich, wie jemand auf den Namen 
eines homöopathischen Arztes Anspruch machen oder behaupten will, 
dass er die Homöopathie studirt habe, ohne selbst an der Quelle ge- 
schöpft zu haben. Deshalb kann auch dem Anfänger es nicht erspart 
werden, sich mit den ursprünglichen Lehren Hahnemanns bekannt zu 
machen. Doch soll ihm nicht zugemuthet werden, Hahnemanns sämmt- 
liche Werke zu diesem Zwecke durchzustudiren. Wir besitzen ein wenn 
auch jetzt schon halbvergessenes und wenig beachtetes Werkchen, welches 
die Lehren und Vorschriften Hahnemanns in gedrängter Kürze, befreit 
von allem polemischen und theoretischen Beiwerk, enthält. Es ist dies 
die Homöopathik Hahnemanns oder die Heilkunde der Er- 
fahrung. Aus Hahnemanns Schriften kurz zusammengestellt 
von Dr. med. Karl Henke. Riga 1861. Es hat das Werkchen den 
Vorzug, dass es nur Hahnemanns Lehren giebt, ohne eigene Zuthaten. 
Wer dies durchstudirt hat, weiss was Hahnemann will, wenn ihm 
auch noch manches unverständlich bleibt, und er manches mit den in 
der heutigen Medizin geltenden Grundsätzen nicht in Einklang bringen 
kann, und manche Behauptungen und Aufstellungen ihm geradezu un- 
geheuerlich vorkommen werden. Eingedenk der an sich selbst gemachten 
und der klinischen Versuche wird er an dieser Klippe nicht scheitern 
und, einstweilen alle theoretischen Erklärungsversuche beiseite lassend, 
sein Augenmerk darauf richten, was er aus dem obigen Werkchen als 
das unumgänglich Nothwendigste für Jeden erkannt hat, welcher die 
Homöopathie mit Erfolg ausüben und auf diesem Gebiete kein Stümper 
bleiben will. Wenn dies für den Anfang auch genügt, so wird er sich 
doch später gedrungen fühlen, an der Quelle selbst zu forschen, und 
Hahnemanns Organon, sowie seine kleinen medizinischen Schriften, 
herausgegeben von Stapf, zu studiren. Er wird dann erst durch Ein- 
dringen in den Gedankengang Hahnemanns die Grosse und Bedeutung 
seiner Entdeckung recht verstehen lernen. 
§ 6. Damit ist er bei dem schwierigsten Theile seines Studiums 
angelangt, der Arzneimittellehre. 
Wie, soll er in diesen scheinbar undurchdringlichen Urwald hinein- 
kommen ? Nirgends sieht er eine Eingangspforte, nirgends einen Faden, 
der ihn durch das scheinbare Labyrinth hindurch führen kann. Und 
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doch soll er hindurch und sind viele vor ihm schon durchgekommen. 
Ohne Führer ist dies jedoch nicht möglich. Denn wir sind überzeugt, 
dass wenn man hundert Anfängern sogleich Hahnemanns Reine 
Arzneimittellehre zum Studium in die Hand giebt, neunundneunzig nach 
kurzer Zeit sie in die Ecke werfen und davonlaufen. Glücklicher Weise 
sind wir im Besitze solcher Führer, an deren Hand zum Verständniss 
der homöopathischen Arzneimittellehre zu gelangen ist. Sie haben sich 
die Aufgabe gestellt, zur Erleichterung des Verständnisses dieselbe den 
aus der Schule mitgebrachten Ansichten des Neophyten näherzubringen, 
indem sie, wenn auch nur in groben Umrissen, zunächst ein Bild des 
Mittels geben, und zwar in einem modernen Rahmen, d. h. in der Sprache 
der herrschenden Medizin und unter Berücksichtigung der Entdeckungen 
der Neuzeit. Hierher gehört die von Heinigke herausgegebene Arznei- 
wirkungslehre. Sie giebt in einer handlichen Form und in einer den 
heutigen Jüngern Aeskulaps verständlichen Sprache alles das, was zu- 
nächst von einem jeden Mittel zu wissen nöthig ist, und macht ihn 
geschickt, später auch in der Hahnemannschen Arzneimittellehre den 
rothen Faden zu finden. Auch in Kafka's Therapie findet er bei den 
betreffenden Krankheitsformen vortreffliche Mittelcharakteristiken. Ausser 
diesen empfehlen wir von den älteren Werken die „Arzneimittellehre" von 
Noack und Trinks, in welcher die pathogenetischen Symptome und 
die klinischen Erfahrungen streng geschieden sind und auch auf die patho- 
logische Anatomie, soweit sie bei Abfassung des Werkes bekannt war, 
die gebührende Rücksicht genommen ist. Will jemand einen noch rasche- 
ren Ueberblick über die hauptsächlichsten Mittel gewinnen, so wird er 
sein Verlangen erfüllt finden in Kl. Müllers Charakteristik der 30 
gebräuchlichsten homöopathischen Mittel. Das Werkchen ist allerdings 
zunächst nur für Laien bestimmt, allein auch der Anfänger wird es nicht 
ohne Nutzen studiren. Es gewährt ihm besonders den Vortheil, dass er 
darin die jedem Mittel charakteristischen Erscheinungen und die ent- 
sprechenden Krankheitsformen einander gegenübergestellt findet. 
§ 7. Um aber die Arzneimittellehre mit Nutzen zu studiren, muss 
der Neuling nach einem bestimmten Plane arbeiten. Zunächst muss 
er die Mittel auswählen, mit denen er sich beschäftigen will. Denn die 
sämmtlichen auf circa 300 sich belaufenden Mittel, welche von homöo- 
pathischen Aerzten angewandt worden sind, kennen zu lernen, dazu 
reicht kaum ein Menschenleben aus. Es genügt vollständig, wenn er zu- 
nächst die sogenannten Polychreste inne hat. Zu diesen zählen in erster 
Reihe Aconit, Arnica, Arsenik, Belladonna, Bryonia, Calcarea carbonica, 
Carbo vegetabilis, Chamomilla, Coffea, Graphites, Hepar sulf. calcareum, 
lpecacuanha, Ignatia, Mercurius solubilis, Nux vomica, Phosphor, Pulsa-
	        

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